Wann schießt Füllkrug Werder endlich aus der Krise?

Die strauchelnden Bremer könnten Niclas Füllkrugs Tore derzeit gut gebrauchen. Doch Werder-Trainer Florian Kohfeldt zögert, seinen Stürmer von Beginn an einzusetzen.

Niclas Füllkrug liegt im Training mit schmerzverzerrtem Gesicht am Boden.
Niclas Füllkrug verletzte sich vor einem Jahr im Werder-Training und fiel zehn Monate aus – es war die vierte Knieverletzung seiner Karriere. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Als Niclas Füllkrug im Sommer 2019 zu Werder Bremen zurückkehrte, da bezeichnete ihn Aufsichtsratsboss Marco Bode als "so etwas wie unseren Königstransfer". Mit seiner Wucht, seiner körperlichen Präsenz im Strafraum, sollte Füllkrug eine Unberechenbarkeit ins Bremer Spiel zurückbringen, die man durch den Weggang von Max Kruse verloren hatte.

Um den inzwischen 27-Jährigen wollte Trainer Florian Kohfeldt seine neue Offensive aufbauen, doch der Plan hatte sich schon nach vier Spieltagen erledigt – Füllkrug riss sich im Training das Kreuzband im linken Knie, fiel zehn Monate aus.

Im Abstiegskampf dabei, zum Saisonstart nicht

Als Werder nun im Abstiegskampf mit dem Rücken zur Wand stand, da hievte sich Füllkrug früher zurück auf den Platz, als es vielleicht gut für ihn gewesen wäre. Aber so ist Füllkrug, ein Vollblut-Kicker mit dem Herz am rechten Fleck. Und so einen brauchte Kohfeldt in dem Moment und er braucht ihn auch jetzt dringender denn je.

Trotzdem wechselte ihn der Werder-Coach am vergangenen Samstag erst nach einer Stunde ein, als die Bremer bereits mit 0:3 gegen Hertha BSC hinten lagen. Und Füllkrug habe dann "schon für Alarm gesorgt", betonte Kohfeldt, der nach dem Spiel ein wenig in Erklärungsbedrängnis geriet, warum er Füllkrug nicht von Beginn an gebracht hatte.

"Habe eine Fürsorgepflicht gegenüber den Spielern"

Füllkrug jubelt nach seinem Tor gegen Paderborn mit ausgestreckten Armen.
Niclas Füllkrug erwischte gegen Paderborn das perfekte Comeback. Der Stürmer wurde in der 77. Minute eingewechselt und traf in der Nachspielzeit zum 5:1. Bild: Imago | Groothuis/Witters

"Ich halte ihn ja nicht freiwillig zurück", sagte Kohfeldt, dem anzumerken war, dass er in einem Dilemma steckt. Zwar hatte Füllkrug die Vorbereitung ohne körperliche Probleme durchziehen können, dennoch sitzt beim Werder-Coach immer noch das Wissen im Hinterkopf, dass es bereits die vierte, schwere Knieverletzung in Füllkrugs Karriere gewesen ist. "Ich weiß, dass er brennt", fügte Kohfeldt hinzu: "Aber ich habe auch eine Fürsorgepflicht gegenüber den Spielern."

Kohfeldt gab gegen die Hertha Davie Selke den Platz in der Startelf, der bereits im Pokal-Spiel gegen Jena aufgelaufen war und beim Bundesligastart eigentlich Füllkrug im Sturm weichen sollte. Aber: "Bei Niclas hatte ich in der Woche das Gefühl, dass er noch nicht so weit war. Dass er beginnen und über 90 Minuten gehen kann", so Kohfeldt. Eine Frage der Vernuft also, die beiden Seiten schwer fällt, aber wohl alternativlos ist. Im Juni hatte sich Füllkrug zum Wohle der Mannschaft und des Vereins einige Male in die Schlacht geworfen, doch jetzt will Kohfeldt zum Saisonbeginn einfach nichts riskieren, fast genau ein Jahr nach dem Kreuzbandriss.

Aber er war zehn Monate verletzt. Wir müssen den Moment finden, wann er soweit ist, dass er wieder Vollgas geben kann. Der Moment ist nicht mehr weit weg.

Florian Kohfeldt verschränkt die Arme.
Werder-Trainer Florian Kohfeldt in der Pressekonferenz am Samstag

Füllkrug macht im Werder-Training auf Trotzkopf

Video vom 18. August 2020
Niclas Füllkrug steht mit verschränkten Armen und mit einigen Metern Abstand hinter Florian Kohfeldt beim Pressegespräch.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: ARD, Sportschau, 19. September 2020, 19:45 Uhr