Null Bock oder null Rhythmus? Rashica bei Werder weiter im Fokus

Die Kritik war hart nach Milot Rashicas schwachem, erstem Auftritt für Werder seit dem geplatzten Wechsel. Scoutingchef Clemens Fritz stellt sich nun hinter ihn.

Video vom 20. Oktober 2020
Milot Rashica und Yuya Osako plaudern locker am Rande des Trainings.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Es kam, wie man es erwarten konnte. Als Milot Rashica am vergangenen Samstag zum ersten Mal nach dem Wechsel-Tohuwabohu wieder für Werder auf den Platz ging, da lief nicht viel beim Kosovaren zusammen. Kaum eine Handvoll Ballkontakte hatte Rashica in der knappen halben Stunde, die er gegen Freiburg mitspielte.

Wobei, so richtig spielte er gar nicht mit. Die Energie und Spritzigkeit, die den 24-Jährigen sonst auszeichnen, fehlte völlig. Er musste sich deshalb sogar von seinen Mitspielern Marco Friedl und Kevin Möhwald anmotzen lassen.

"Sollten ihm ein bisschen Zeit geben"

Milot Rashica strahlt am Rande des Trainings im Gespräch mit Ömer Toprak.
Eigentlich mit guter Laune zurück auf dem Trainingsplatz: Milot Rashica (links) mit Ömer Toprak. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Sofort wurde Rashica unterstellt: Der hat einfach keine Lust. Verständlich wäre das Motivationsloch zwar, denn schließlich platzte sein Wechsel nach Leverkusen erst im allerletzten Moment. Doch Werders Sportchef Frank Baumann glaubt nicht an die Null-Bock-Theorie. Vielmehr sieht er bei Rashica die mangelnde Spielpraxis nach dessen Knieverletzung und den fehlenden Rhythmus.

Keine ganz einfache Situation für Werders Offensivstar, bei dem nun jede Geste, jede Mimik, jede Spielaktion mit Argusaugen beobachtet werden. Auch Scoutingchef Clemens Fritz, der als Bindeglied zwischen Geschäftsführung und Mannschaft fungiert, hat Verständnis für Rashicas Situation und stellte sich am Dienstag demonstrativ hinter ihn.

Das Wichtige ist, dass die Spekulationen jetzt ein Stück weit runtergefahren werden. Damit er sich auf sein Spiel, auf den Fußball konzentrieren kann. Aber man darf jetzt auch keine Wunderdinge von ihm erwarten. Er kam aus einer Verletzung, da tut sich jeder ein bisschen schwerer. Wir tun gut daran, ihm ein bisschen Zeit zu geben.

Werders Scouting-Direktor Clemens Fritz am Dienstag

Einigt sich Werder mit Leverkusen?

Endlos Zeit hat Rashica jedoch nicht und die Spekulationen werden sobald wohl auch nicht verstummen – es sei denn, Werder könnte sich bereits jetzt mit Bayer Leverkusen auf den Wechsel im Winter verständigen. Dann hätte Rashica Klarheit über seine Zukunft und den Kopf frei für eine Hinrunde mit Werder.

Doch so weit wollte Fritz nicht gehen. "Es ist immer blöd, wenn es eine Unklarheit gibt", sagte Werders Ehrenspielführer, "aber wir haben jetzt Klarheit: Das Transferfenster ist zu, Milot ist nach wie vor ein Spieler von uns. Und mich freut das, denn ich bin von ihm überzeugt."

Für Rashica wäre es aber wohl besser, wenn die Zeit der Ungewissheit schnell beendet wäre. Denn jeder Fehlpass wird von kritischen Stimmen begleitet, jeder schwache Auftritt nährt die Zweifel. Und Rashica macht nicht den Eindruck, als könne er diese Tiefschläge sonderlich gut wegstecken.

Wechsel-Fiasko bei Werder um Milot Rashica

Video vom 6. Oktober 2020
Milot Rashica hockt am Rande des Individual-Trainings mit gesenktem Kopf auf einem Fußball.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Mehr zum Thema:

Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 20. Oktober 2020, 18:06 Uhr