"Ekelige" Bremer ärgern Frankfurt: "Sind Werder in die Falle gegangen"

Werder ging als klarer Außenseiter ins Spiel gegen den Tabellenvierten. Doch die Kohfeldt-Elf entnervte Frankfurt und schaffte mit dem 2:1-Sieg Wiedergutmachung.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt schreit exzessiv seinen Jubel an der Seitenlinie heraus.
Emotionen in allen Facetten und Anspannung pur: Werder-Trainer Florian Kohfeldt wusste, dass nach der Klatsche gegen Hoffenheim gegen Frankfurt sehr viel auf dem Spiel stand. Bild: DPA | Carmen Jaspersen

Adi Hütter war restlos bedient. Eigentlich ist der Frankfurter Coach ein ruhiger und besonnener Zeitgenosse, doch nach den hitzigen 90 Minuten im Weser-Stadion musste Hütter am späten Freitagabend eingestehen, dass er sich hatte "anstecken lassen".

Und zwar vom seiner Meinung nach ziemlich unflätigen Ton, der nicht nur auf Werders Ersatzbank, sondern auch auf den Plätzen dahinter von den Bremer Teammanagern und Betreuern geherrscht habe und mit dem permanent auf die Schiedsrichter und seine Frankfurter Spieler eingewirkt worden sei.

"Haben das Spiel aus der Hand gegeben"

Hütter war während und nach dem Spiel der Kragen geplatzt, wie er selbst zugeben musste. Und das wohl vor allem aus Frust, weil die 1:2-Schlappe nicht nur seine schöne Serie von elf Spielen ohne Niederlage kaputtgemacht hatte, sondern weil sie vermeidbar gewesen wäre.

Wir haben ein Spiel, das wir eigentlich in der Hand hatten, aus der Hand gegeben. Werder war eklig, sie waren unangenehm – und wir sind ihnen in die Falle gegangen.

Frankfurt-Trainer Adi Hütter nach dem Spiel

Aber wer hätte schon gedacht, dass sich Werder nach der desolaten Leistung gegen Hoffenheim ausgerechnet gegen die Mannschaft der Stunde so überzeugend zurückmelden würde? Werder ging als klarer Außenseiter gegen den Tabellenvierten ins Spiel. "Es war sehr, sehr wichtig für uns, wieder mal zu punkten und Wiedergutmachung zu betreiben. Ich bin sehr stolz auf uns", sagte Werders Romano Schmid bei Dazn und lobte die "super Teamleistung".

Werder wird vom frühen Rückstand angestachelt

Doch ein Selbstläufer war der Sieg für die Bremer sicherlich nicht, die erste halbe Stunde war Frankfurt stärker. Doch es war früh Unruhe ins Spiel gekommen, der Treffer von Andre Silva nach kaum zehn Minuten hätte nicht zählen dürfen, da ihm ein unberechtigter Eckball vorausging. Doch gerade diese Tatsache schien Werder anzustacheln und aufzuwecken. Die Elf von Florian Kohfeldt wurde aktiver, aggressiver und mutiger.

Ich glaube, wir waren heute über dem Limit. Viele sind über sich hinausgewachsen. Aber wenn wir noch 20 Minuten länger das 0:1 im Rücken gehabt hätten, weiß ich nicht, ob wir das so durchgehalten hätten. Da müssen wir ehrlich sein.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

Für Werder stand einiges auf dem Spiel

Torchancen, Treffer aus Abseitspositionen, Tore, die überprüft werden mussten und dann erst gegeben wurden – der Abend war auch ohne die hitzigen Nebengeräusche kein leichter für Kohfeldts Nervenkostüm. Schließlich stand für ihn und seine Mannschaft nach dem Rückschlag gegen Hoffenheim viel auf dem Spiel. Eine weitere Niederlage und Werder wäre wieder mittendrin im Kampf gegen den Abstieg gewesen.

Es war schon ein Kribbeln vor dem Spiel da. Wir haben 0:4 verloren, machen wir uns nichts vor: Wenn wir heute nochmal verloren hätten, kann ich erzählen, was ich will – dann kommt man in so eine Spirale rein. Deshalb stand heute schon eine Menge auf dem Spiel. Der Mittagsschlaf war heute nicht tiefenentspannt.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

Nach der Wiedergutmachung am Freitagabend stehen die Bremer als weiterhin Tabellenzwölfter mit 26 Punkten, einem Nachholspiel in der Hinterhand und vorerst acht Punkten Abstand auf den Relegationsplatz nun recht gut da – vorerst.

Kohfeldt findet, Frankfurt "muss auch mit Anstand verlieren können"

Video vom 27. Februar 2021
Die Trainer Adi Hütter und Florian Kohfeldt haben nach dem Spiel noch leichte Animositäten miteinander.
Bild: Imago | Nordphoto

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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: ARD, Sportschau, 27. Februar 2021, 18:45 Uhr