8 Dinge, die bei Werder und Co. jetzt ganz oben auf der Agenda stehen

Die Zwangspause in der Bundesliga dauert an. Wie lange, weiß niemand. Bevor sich die 36 Klubs am Dienstag austauschen, muss jeder seine Hausaufgaben erledigen.

Blick von den oberen Rängen auf das leere Weser-Stadion.
Leere Ränge: Auch wenn der Fußball in dieser Saison noch rollt, wird es sehr wahrscheinlich ohne Zuschauer stattfinden. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Uli Hoeneß dürfte wohl recht behalten. Bayerns Ehrenpräsident prognostizierte kürzlich im Fachmagazin "Kicker", dass es "sehr wahrscheinlich eine neue Fußballwelt geben" wird. Niemand weiß heute, wie diese genau aussehen wird. Doch dass sich der Profi-Fußball nach der Corona-Krise verändern wird, scheint sicher.

Und so müssen die 36 Klubs aus der ersten und zweiten Liga nun Planungen für eine Zeit angehen, die sie überhaupt nicht planen können. Doch es geht um die Existenz der Vereine, der Liga, des Profi-Fußballs an sich. "Was uns als Branche jetzt trifft, war nicht vorhersehbar, nicht planbar und nicht versicherbar", wird Werders Finanzchef Klaus Filbry vom Internetportal "Deichstube" zitiert. Selbst die großen Vereine könnten die Zwangspause nicht lange durchhalten, Werder schon gar nicht.

Am Dienstag kommen die 36 DFL-Mitglieder zu einer virtuellen Versammlung zusammen. Es müssen Vorschläge, Pläne, Lösungen diskutiert werden. Jeder Verein hat dabei seine Hausaufgaben zu machen:

1 Alle Szenarien durchdenken

Über allem steht die Entwicklung unterschiedlichster Szenarien. In einer derart turbulenten Zeit, in der Informationen vom Vortag erscheinen wie Nachrichten aus dem vergangenen Jahrzehnt, müssen die Vereine auf alle (Ver-)Änderungen gefasst sein. Was geschieht, wenn im Mai noch immer nicht gespielt werden kann oder darf? In welcher Zeit könnten die verbliebenen neun Spiele bestritten werden? Wie lange kann das Saisonende maximal hinausgezögert werden?

2 Enge Absprache mit den Behörden

Der beste Plan kann nur umgesetzt werden, wenn die Behörden mitspielen und es eine einheitliche Lösung gibt. Wenn beispielsweise – wann auch immer – in Berlin wieder gespielt werden darf, während in Bayern noch nicht einmal das gemeinschaftliche Training erlaubt ist, bleibt die Fortsetzung der Saison eine Illusion. Den Funktionären sind damit teilweise die Hände gebunden.

3 Die TV-Partner überzeugen

DFL-Boss Christian Seifert hat immer wieder betont, wie wichtig die Einnahmen der TV-Vermarktung sind – und damit auch erklärt, warum vor der Zwangspause mit aller Gewalt versucht worden war, die Saison mit Geisterspielen fortzuführen. Dass Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit vorerst die einzige Option sein werden, darüber sind sich alle einig. Umso wichtiger wird es sein, die gut zahlenden Medienpartner mit ins Boot zu holen und auch ihre Sicht der Dinge in die Planspiele einfließen zu lassen.

4 Eine für alle gerechte Lösung finden

Allein schon wegen der gravierenden wirtschaftlichen Auswirkungen ist ein Saisonabbruch (noch) kein Thema. Bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag können die Bosse freilich nicht warten. Es muss deshalb auch diskutiert werden, was im Falle eines vorzeitigen Saisonendes passiert. Wird der jetzige Stand der Tabelle gewertet? Müssen die Ligen aufgestockt werden? Eine für alle gerechte Regelung erfordert Fingerspitzengefühl und vor allem Rücksicht.

5 Die Worst-Case-Szenarien simulieren

Alle Vereine, von Bayern München bis zum SC Paderborn, vom Hamburger SV bis zum SV Sandhausen, werden die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie zu spüren bekommen. Zwar müssen die Großen im deutschen Fußball eine Pleite nicht fürchten, für die Kleinen hat der Existenzkampf aber längst begonnen. Es wird daher verlangt, dass alle Klubs die Extremsituationen simulieren und ein Überblick geschaffen wird, in dem klar zu erkennen ist, wie lange ein Verein unter welchen Bedingungen überleben kann.

6 Das Thema Solidarität diskutieren

Die vier Champions-League-Teilnehmer Bayern München, Borussia Dortmund, RB Leipzig und Bayer Leverkusen haben mit ihrer 20-Millionen-Euro-Spende den Anfang gemacht. Ein Schlüssel für die Verteilung der Gelder muss erarbeitet werden. Und vielleicht gibt es ja noch andere Möglichkeiten, um zu garantieren, dass auch künftig noch (mindestens) 18 Vereine in den obersten beiden Ligen spielen. Die müssen diskutiert werden.

7 Die vertraglichen Details abklären

Eintracht Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic hatte bereits berichtet, dass es "flexible Möglichkeiten" gebe, Spieler mit auslaufenden Verträgen über den 30. Juni hinaus zu binden. Aber wie schaut das aus, wenn der Leistungsträger eigentlich schon beim nächsten Gegner unterschrieben hat? Und welche Folgen würde das auf die Transferperiode im Sommer mit sich bringen? FIFA-Boss Gianni Infantino sprach bereits von "harten Maßnahmen", die möglicherweise getroffen werden müssen.

8 Die Mannschaft gesund halten

Wenn sich die Infektionen innerhalb der Teams fortsetzen und noch mehr Mannschaften unter Quarantäne gestellt werden, ist an eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs nicht zu denken. Über kurz oder lang würden neue Fälle erneut zum Stillstand führen. Derzeit befinden sich der SC Paderborn, Eintracht Frankfurt und Hertha BSC Berlin in häuslicher Quarantäne. Hannover 96 und der 1. FC Nürnberg sind mit ihrer Quarantäne bereits durch.

Wie will Werder Bremen die Corona-Krise durchstehen?

Video vom 26. März 2020
Eine Drohnenaufnahme des leeren Bremer Weserstadions.

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Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 27. März 2020, 18:06 Uhr