Von wegen kein Nachtleben: Kruse hat auch in Berlin Ärger

Max Kruse ist wie er ist. Bei Werder ließ sich der Ex-Kapitän nicht an die Leine legen, nun sorgte er bei Union mit einem Ausflug in eine Shisha-Bar für Wirbel.

Max Kruse gestikuliert und schreit im Spiel für Union Berlin.
Ließ sich noch nie verbiegen: Max Kruse geriet schon bei seinen vorherigen Vereinen wie Werder, Gladbach oder Wolfsburg immer wieder mit privaten Eskapaden in die Schlagzeilen. Bild: Imago | Contrast

Als Max Kruse Werder Bremen im Sommer eine Abfuhr erteilte, da lief das nicht ohne Nebengeräusch ab. Der ehemalige Bremer Kapitän, der ein Jahr zuvor zu Fenerbahce Istanbul gewechselt war, ärgerte sich über eine Aussage von Werder-Sportchef Frank Baumann. Die hatte der 32 Jahre alte Kruse so interpretiert, als würde es ihm inzwischen an Ehrgeiz mangeln und dass er nicht nur aus rein sportlichen Gründen nach Berlin gewechselt sei.

Ich bin nicht hier, um mich um das Nachtleben in Berlin zu kümmern. Ich bin hier, um Fußball zu spielen.

Union-Profi Max Kruse im Sommer

Scharfe Kritik von Unions Sportchef

Doch komplett mochte er dann wohl doch nicht auf das Berliner Nachtleben verzichten und so hat Kruse für einen Ausflug in eine Shisha-Bar nun mal wieder Ärger am Hals. "Wir als Klub wollen dieses Verhalten nicht und das haben wir auch ganz klar zu verstehen gegeben. Wir finden es auch falsch. Wir haben eine Vorbildfunktion und die müssen wir auch übernehmen", betonte Union Berlins Sportchef Oliver Ruhnert am Sonntagabend bei Sky nach dem 1:1 gegen Schalke.

Kruse nach Werder-Kritik: "Bin nicht für das Berliner Nachtleben hier"

Video vom 7. August 2020
Max Kruse schaut mit ernstem Gesicht bei seiner Vorstellung bei Union Berlin.
Bild: DPA | Annette Riedl

Kruse stand dennoch in der Startelf. Auf dem Rasen hatte Kruse sehr unauffällig gespielt, doch es waren seine auf Instagram geposteten Bilder vom Bar-Besuch am Donnerstagabend, als er mit vier Personen ohne viel Abstand zusammen saß und am virtuellen Kartentisch zockte, die für Wirbel sorgten.

Kruse rief zu Zocker-Runde auf

Kruse hatte über einen Aufruf in seinen Social-Media-Kanälen seine Mitspieler ausgesucht, insgesamt wohl acht Personen. Denen versprach er vorab: Es gebe die Möglichkeit, etwas zu gewinnen, "mindestens 50, 100 Euro. Damit ihr am Wochenende, auch wenn alles zu hat, mal wieder die Sau rauslassen könnt." Dann filmte sich Kruse dabei, wie er am Geldautomaten einen Stapel 50-Euro-Scheine abhob.

Für seinen Arbeitgeber Union Berlin war die Aktion gerade angesichts der steigenden Corona-Fallzahlen ein fatales Zeichen, das Ruhnert somit im Hinblick auf das Hygienekonzept der Deutschen Fußball Liga (DFL) scharf rügte. Dennoch verteidigte Ruhnert Kruse gegen die harsche, öffentliche Kritik.

Gegen welche Regeln hat er in Berlin verstoßen? Er hat sich mit vier Leuten an einen Tisch gesetzt und sich im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen bewegt. Er hat sich so bewegt, wie sich jeder Normalbürger bewegen darf.

Union Berlins Sportchef Oliver Ruhnert bei Sky

Muss Kruse mit Strafe rechnen?

Im Rahmen der Berliner Corona-Verordnung habe sich Kruse als Privatperson "korrekt verhalten". Das DFL-Konzept ist in vielen Punkten jedoch strikter als die gesetzlichen Corona-Verordnungen der Bundesländer. Es empfiehlt selbst bei niedriger Pandemie-Stufe "reduzierte Kontakte zur Nachbarschaft oder zur Öffentlichkeit" sowie "möglichst im Haus/in der Wohnung" zu bleiben.

Muss Kruse nun also mit einer Strafe der DFL rechnen? Ruhnert bezweifelt das. "Die DFL hält dazu an, dass sich alle mehr als von den gesetzlichen Gegebenheiten gefordert vorbildlich verhalten. Das ist auch gut so", sagte Ruhnert: "Aber sie kann nichts bestrafen, wo es nichts zu bestrafen gibt." Schalke-Spieler Marvin Friedrich brachte die Aktion seines Teamkollegen aber auf den Punkt: "Es war nicht das Cleverste von Max, das weiß er selbst."

Berlin statt Bremen: Union stellt Max Kruse vor

Video vom 7. August 2020
Max Kruse grinst breit im roten Shirt bei seiner Vorstellung bei Union Berlin.
Bild: DPA | Annette Riedl

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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: NDR, Bundesliga am Sonntag, 18. Oktober 2020, 21:45 Uhr