Comeback nach 907 Tagen: Aber Bartels will ein bisschen zu viel

Im Dezember 2017 stand Fin Bartels zuletzt in Werders Startelf. Kaum ein Profi hatte so viel Verletzungspech, doch aufgegeben hatte er nie. Nun ist Bartels zurück.

Unter dem Protest einiger Werder-Spieler zeigt der Schiedsrichter Fin Bartels die Gelbe Karte.
Zu früh zu viel gewollt: Werder-Profi Fin Bartels (Mitte) sah bereits in der 3. Minute gegen Frankfurt die Gelbe Karte. Bild: gumzmedia/nordphoto/Pool

Und da stand er dann plötzlich mitten auf dem Rasen des Weser-Stadions und war tatsächlich dabei, als der Anpfiff ertönte. Fin Bartels hatte eine kleine Ewigkeit auf diesen Moment gewartet. Endlich durfte der 33-Jährige wieder von Beginn an ein Spiel für Werder bestreiten - sein letztes Mal war unglaubliche 907 Tage her.

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Als Bartels zuletzt für die Bremer in der Startelf stand, zeigte der Kalender den 9. Dezember 2017 an. Ein Datum, das Werders Offensiv-Wirbler so schnell nicht vergessen würde. Damals zog sich Bartels im Spiel gegen Borussia Dortmund einen Achillessehnenriss zu. Seither pendelte er mehr zwischen Reha-Zentren als Strafräumen hin und her. Seine Krankenakte ist ohnehin dicker als der New Yorker Telefonbuch. Nur hin und wieder kam er als Joker zum Einsatz. Seit einem Jahr kämpft Bartels darum, wieder der Alte zu sein.

Gelbe Karte nach drei Minuten

Fin Bartels schaut nachdenklich nach oben, als er nach der Niederlage gegen Frankfurt den Rasen verlässt.
Werders Kämpfer: Die Krankenakte von Fin Bartels ist dicker als der New Yorker Telefonbuch. Bild: gumzmedia/nordphoto/Pool

Nun war der große Moment da, am Mittwochabend im Nachholspiel gegen Eintracht Frankfurt hatte Trainer Florian Kohfeldt Bartels gemeinsam mit Davie Selke und Yuya Osako als Offensivachse aufgestellt. "Ich habe volles Vertrauen in Fin und freue mich auf ihn heute", sagte Kohfeldt kurz vor der Partie bei Sky und betonte: "Er ist sehr heiß, das weiß ich."

Leider hatte Kohfeldt mit dieser Einschätzung recht, denn Bartels war nicht nur heiß, sondern übermotiviert. Kaum drei Minuten waren gespielt, da musste Schiedsrichter Patrick Ittrich bereits die Gelbe Karte zücken. Bartels hatte Mijat Gacinovic sehr rustikal von den Beinen geholt, der Frankfurter musste länger behandelt werden. Bartels ist kein Grobian, kaum einer hatte schmerzlicher am eigenen Leib erfahren müssen, welche Folgen überharte Fouls haben können. Bartels entschuldigte sich sofort und trat danach erst einmal sichtlich auf die Bremse.

Fin ist unglücklich ins Spiel gekommen, dadurch war er in seinem aggressiven Anlaufverhalten etwas gehemmt. Dann hatte noch einen blöden Ballverlust. Aber danach hat er der Mannschaft das gegeben, was ich von ihm erwarte: die Räume besetzt, sich rausgelöst, ein sehr gutes Defensivverhalten.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

Ein Jahr für den alten Rhythmus gekämpft

Auch Kohfeldt weiß, dass ein Spieler nach einer Verletzung in etwa so viel Zeit benötigt, um die alte Form zu erreichen, wie die Verletzung selbst gedauert hatte. Bartels brauchte viel Geduld, musste Rückschläge in der Reha einstecken. Doch er hielt durch. "Er hat im Grunde im März des letzten Jahres gegen Schalke sein Comeback nach dem Achillessehnenriss begonnen und dann über ein Jahr gebraucht bis jetzt nach Corona, um wieder reinzukommen in den Rhythmus", erklärte Kohfeldt: "Jetzt ist er wieder da."

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Komplett da war Bartels noch nicht, aber das konnte man auch kaum erwarten. Mehr noch, da der Werder-Coach so viele Änderungen gegen Frankfurt vorgenommen hatte und das Spiel besonders in der ersten Halbzeit durch Nicklichkeiten und viele Unterbrechungen geprägt war. Nach 62 Minuten war dann Schluss für Bartels. Und es blieb der Corona-Krise geschuldet, dass er sich die stehenden Ovationen und den tosenden Jubel der Werder-Fans bei seiner Auswechslung nur vorstellen konnte. Verdient hatte er ihn sich allemal.

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Autorin

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 4. Juni 2020, 18:06 Uhr