Kohfeldt über Agus Quarantäne-Qual: "Man ist eingesperrt. Punkt"

Nach 15 Tagen Isolation darf Werder-Profi Felix Agu zurück in die Freiheit. Trainer Florian Kohfeldt hofft, dass der 21-Jährige die schwere Zeit gut weggesteckt hat.

Felix Agu mit einem schwarzen Schal bis über die Nase gezogen auf dem Weg zum Trainingsplatz.
Zurück an der frischen Luft: Am vergangenen Donnerstag durfte Felix Agu erstmals wieder trainieren - allerdings noch individuell, um den Rückstand aufzuholen. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Es ist nicht immer ganz leicht, in Zeiten von Mund-Nasen-Bedeckungen, die Mimik und damit die Gefühlslage des Gegenübers zu deuten. Doch obwohl Felix Agu am vergangenen Donnerstag so "vermummt" zum Trainingsplatz vor dem Weser-Stadion marschierte, war seine Freude unübersehbar. Die Freiheit hatte ihn wieder – nach 15 Tagen in Corona-Quarantäne durfte der 21 Jahre alte Werder-Profi endlich wieder raus aus den eigenen vier Wänden und zumindest im Individual-Training wieder rennen und gegen den Ball kicken.

Das war überhaupt nicht einfach. Felix hat das weggesteckt, aber man merkt: Das macht was mit einem. Das macht mit uns allen was.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

Kohfeldt zur Quarantäne: "Wünsche ich keinem"

Felix Agu bei seinem ersten Individual-Training nach der Corona-Quarantäne am Ball.
Endlich wieder Bewegung: Am vergangenen Donnerstag konnte Felix Agu erstmals wieder auf den Trainingsplatz. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Mit Sorge hatte Werder-Coach Florian Kohfeldt Agus Zeit in der häuslichen Isolation begleitet, nachdem dieser Ende Oktober im Vorfeld der Partie gegen die TSG Hoffenheim positiv getestet worden war. Und es war Kohfeldt am Rande des Testspiels am vergangenen Freitag gegen den FC St. Pauli immer noch anzumerken, wie ihn die Situation nachhaltig beschäftigte. "Das ist schon heftig", sinnierte der Werder-Trainer, der im täglichen Kontakt mit Agu stand: "Man darf nicht vergessen, dass er ja alleine war. Der Junge tat mir schon sehr sehr leid."

Agu war erst im Sommer von Osnabrück nach Bremen gewechselt. Freunde und Familie waren nun nur über digitale Wege als Unterstützer erreichbar, als sich Agu mit einigen Corona-Symptomen herumplagen musste. Auch die neuen Teamkollegen hielten Kontakt. Doch persönliche Begegnungen ersetzt auch das nicht. Und gerade in dem Moment, als die Quarantäne eigentlich beendet sein sollte, folgte der nächste Tiefschlag: ein weiterer positiver Test, weitere fünf Tage Isolation. Kohfeldt konnte sich gut in Agus Verfassung hineinversetzen.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, als wir die achttägige Quarantäne vor dem Restart im Frühjahr hatten. Mittlerweile gibt es ja viele Menschen, die das erleben mussten. Das ist nicht schön, ich wünsche das keinem. Man ist eingesperrt. Punkt. Aus. Ende.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

Hat Agu die Quarantäne gut weggesteckt?

Felix Agu sitzt mit schwarzer Winterjacke, schwarzer Baseball-Kappe und weißem Mundschutz auf der Tribüne beim Testspiel gegen St. Pauli.
Vorerst nur Zuschauer, aber immerhin: Felix Agu verfolgte am vergangenen Freitag Werders Testspiel gegen St. Pauli. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Agu hat diese schwierige Zeit nun überstanden, doch inwieweit sie der junge Verteidiger verkraftet hat, werden wohl die kommenden Wochen zeigen. Das Testspiel gegen St. Pauli hatte Agu dick eingepackt auf der Tribüne verfolgt. Sicherlich hätte er nur allzu gerne mitgespielt, doch die 15 Tage ohne echtes Fußballtraining muss Agu erst einmal wieder nachholen. Doch alleine das Zuschauen an der frischen Luft, der Schnack mit Maximilian Eggestein oder Davie Selke, die auch nicht mitspielen konnten, dürfte Agu schon gut getan haben. Die trüben Tage des Alleinseins liegen hinter ihm. Doch Kohfeldts Eindruck dürfte stimmen: Das macht was mit einem.

Das gefällt keinem. Auch Felix hat das nicht gefallen. Er hat sich natürlich diszipliniert daran gehalten, aber man merkt ihm schon die absolute Freude an, dass er mal wieder einen anderen Menschen und mehr Grün als nur bei seinen Balkonbeeten sieht.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

Kohfeldt blickt zurück: So verlief Werders Corona-Woche

Video vom 24. Oktober 2020
Florian Kohfeldt mit Mund-Nasen-Schutz auf dem Weg zum Weserstadion.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 5. November 2020, 18:06 Uhr