Keine Fans, kaum Hoffnung und jede Menge Druck: Das steht Werder bevor

Am Samstag ab 15:30 Uhr geht es für Werder um alles oder nichts. Gut, dass Trainer Kohfeldt seinen Kampfgeist wiedergefunden hat. Aber reicht das allein aus?

Florian Kohfeldt steht mit ausgebreiteten Armen und fragendem Gesichtsausdruck an der Seitenlinie.
Anspannung pur bei Werder und Trainer Florian Kohfeldt: Den Sprung auf den Relegationsplatz haben die Bremer am Samstag nicht mehr selbst in der Hand. Bild: Reuters | Poolfoto

Florian Kohfeldt hatte seinen Kampfgeist wiedergefunden. Nach dem heftigen Nackenschlag am vergangenen Samstag in Mainz wirkte der Werder-Coach so niedergeschlagen und desillusioniert, wie man ihn nie zuvor gesehen hatte. "Das war mit Sicherheit der bislang schwierigste Moment, den ich als Trainer hier erlebt habe", sagte Kohfeldt: "Ich hoffe, dass nicht noch ein schlimmerer Moment dazu kommt."

Doch am Freitag, einen Tag vor dem Abstiegskrimi gegen Köln, da sagte Kohfeldt wieder Sachen wie: "Messer zwischen die Zähne und raus da" als Marschroute für den Kampf, der doch so wenig Hoffnung auf Erfolg zu haben scheint. Aber Kohfeldt gibt wieder den unumstößlichen Daueroptimisten, mit überzeugter Körpersprache und dem Fokus im Blick.

Ich werde bis zur aller-, allerletzten Sekunde kämpfen. Ich will mir nicht nachsagen lassen, dass ich nicht bis zum Ende gekämpft und alles für diesen Verein versucht habe.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

Tore im Weser-Stadion sind bei Werder Mangelware

Dennoch sieht nach dieser völlig verkorksten Saison wenig nach einem Happyend beim Saisonfinale im Weser-Stadion aus. Die Bremer gehen nach vielen indiskutablen Leistungen und nur einem Heimsieg als Tabellenvorletzter in die Partie gegen die Kölner, die immerhin auf Platz 14 rangieren. Zwei Punkte und vier Tore beträgt der Rückstand auf die Düsseldorfer, die am Samstag parallel bei Union Berlin antreten müssen.

"Es ist schwer, aber nicht aussichtslos", meinte Kohfeldt zuversichtlich: "Es sind nicht drei Punkte und zehn Tore, die wir aufholen müssen." Doch das mit dem Toreschießen war in dieser Saison so eine Sache bei Werder. Auf neun mickrige Treffer brachte man es im heimischen Stadion. Auch deshalb stehen die Bremer am Rande des Abgrunds.

Kein Gänsehaut-Feeling, aber genug Druck

Und dieses Mal fehlt auch die Unterstützung der Fans, die Werder vor vier Jahren am letzten Spieltag zum Klassenerhalt getragen hatte. Am Samstag fährt der Werder-Bus dann nicht flankiert von Tausenden jubelnden Anhängern mit Fahnen, Ballons und Tamtam die Rampe zum Weser-Stadion hinunter. Kein Gänsehaut-Feeling, keine Choreografien auf den Stadiontribünen.

"Bitte bleibt am Samstag zu Hause", bat Kohfeldt noch einmal, auch wenn es ihm schwer fiel. Frank Baumann sagte später, man würde noch an Möglichkeiten knobeln, um anderweitig für Unterstützung zu sorgen. "Wir müssen gucken, wie wir diese fehlenden Emotionen vor und im Stadion ersetzen. Dazu haben wir ein paar Ideen", sagte Sportchef Frank Baumann etwas kryptisch.

So oder so, der Druck auf Werder ist enorm. Es ist ein Alles-oder-nichts-Spiel. Ausreden waren gestern, die Bremer müssen liefern, obwohl sie es so selten in dieser Saison taten. Kohfeldt bemüht sich vor dem Showdown nun, "den Druck nicht zu groß werden zu lassen auf die Spieler", aber die Emotionen sollen voll da sein. "Es ist auch nichts anderes wichtig", so Kohfeldt: "Ich will es unbedingt schaffen, und ich habe das Gefühl, dass die Mannschaft das auch will." Sein Gefühl hatte ihn in dieser Saison aber leider einige Mal getrügt.

Bremen betet für Werder

Video vom 25. Juni 2020
Pastor Christian Gotzen sitzt auf der Bank im St. Petri Dom, ein Werder Schal liegt auch auf der Kirchen Bank.

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Autorin

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 26. Juni 2020, 18:06 Uhr