Sorge war berechtigt: Max Kruse fällt lange aus

Privat fällt Werders Ex-Kapitän durch Eskapaden auf, für Union Berlin ist er auf dem Rasen aber unverzichtbar – am Freitagabend zog sich Kruse nun eine Verletzung zu.

Union-Spieler Max Kruse liegt mit schmerzverzerrtem Gesicht am Boden und hält sich das rechte Knie.
Schreckmoment in der Nachspielzeit: Unions wichtigster Mann, Max Kruse, zog sich eine Muskelverletzung im rechten Oberschenkel zu. Bild: Imago | Matthias Koch

Es war ein Schreckmoment, als das Derby zwischen Hertha BSC und Union Berlin am Freitagabend eigentlich schon fast vorüber war. Max Kruse lag mit schmerzverzerrtem Gesicht am Boden und musste lange behandelt werden. Der 32-Jährige war in der Nachspielzeit nach einem Schubser ins Straucheln geraten und hatte sich dabei am rechten Bein verletzt.

Die Bilder, wie Kruse mit schmerzverzerrtem Gesicht und von zwei Betreuern gestützt in die Kabine humpelte, ließen Schlimmstes befürchten. "Er hat Schmerzen", sagte Union-Trainer Urs Fischer in der Pressekonferenz nach der 1:3-Niederlage: "Ich habe nur kurz mit ihm gesprochen. Was er genau hat, muss jetzt abgeklärt werden." Am Samstag hatte der Verein dann nach Untersuchungen in der Berliner Charite schließlich Gewissheit: Kruse zog sich eine Muskelverletzung am hinteren rechten Oberschenkel zu und wird wochenlang ausfallen. Wahrscheinlich verpasst Kruse auch die Rückkehr ins Bremer Weser-Stadion am 2. Januar verpassen.

Kruse rangiert direkt hinter Lewandowski und Haaland

Max Kruse wird mit schmerzverzerrtem Gesicht und von zwei Betreuern gestützt vom Platz gebracht.
Am Knie verletzt, Diagnose noch offen: Max Kruse (Mitte) konnte am Freitagabend nach der Verletzung nicht mehr selbstständig den Platz verlassen. Bild: Imago | Contrast

Für die Berliner ist der Ausfall extrem bitter. So sehr der Freigeist Kruse mit seinen privaten Eskapaden auch polarisiert, auf dem Platz ist er derzeit ein Phänomen und so etwas wie der Spieler der Stunde. Dass es Union Berlin auf Rang sechs der Tabelle geschafft hat – einen Platz, den auch Werder Bremen nur allzu gerne wieder anpeilen würde – hat der Klub vor allem Neuzugang Kruse zu verdanken, der im Sommer ablösefrei nach Berlin kam, nachdem er den Grün-Weißen einen Korb gegeben hatte.

Die Fähigkeiten des Spielmachers könnte auch Florian Kohfeldt gut gebrauchen, mit sechs Toren und fünf Vorlagen rangiert Kruse auf Platz drei der Scorertabelle der Bundesliga – direkt hinter Robert Lewandowski (18) und Erling Haaland (zwölf).

Mit mathematischer Logik lässt sich Kruse nicht erklären

Rechnet man diesen Wert hoch, könnte Kruse am Ende der Saison auf über 40 Scorerpunkte kommen, doch auf solche Rechenspiele lässt sich Kruse nicht ein. "Wenn man das hochrechnen könnte, dann wäre das einfache Mathematik – und das ist der Fußball nicht", sagte er kürzlich und reagierte leicht genervt auf die Frage. Max Kruse mit Logik oder mathematischen Formeln berechnen zu wollen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Einen wie ihn muss man an der langen Leine lassen, damit er auf dem Rasen aufblüht, das hatte auch schon Kohfeldt verstanden. Bei Union halten sie es nun ebenso und werden mit guten Leistungen von Kruse belohnt.

Also werden der Poker-Abend in einer Shisha-Bar mit wildfremden Menschen inmitten der Corona-Pandemie oder seine Schimpftirade auf Instagram nach einer Geschwindigkeitskontrolle ("Schweine") von den Berlinern wegmoderiert, obwohl der Verein längst gemerkt hat, wie anstrengend der Hype um die privaten Aufreger Kruses werden kann. "Natürlich wissen wir, dass an Max Kruse ein höheres Interesse besteht als an unserem Busfahrer", sagte Manager Oliver Ruhnert: "Wir sind nicht naiv." Momentan hoffen sie in Berlin, dass er schnell wieder auf den Rasen zurückkehren kann. "Aber wir müssen ihn jetzt erstmal ersetzten", meinte Fischer, "uns bleibt nichts anderes übrig."

Kruse nach Werder-Kritik: "Bin nicht für das Berliner Nachtleben hier"

Video vom 7. August 2020
Max Kruse schaut mit ernstem Gesicht bei seiner Vorstellung bei Union Berlin.
Bild: DPA | Annette Riedl

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Dieses Thema im Programm: ARD, Sportschau, 5. Dezember 2020, 18:45 Uhr