Volle Fußball-Stadien erst wieder 2021?

Die Leopoldiner-Experten machen in ihrem Gutachten der Bundesliga Hoffnung auf Geisterspiele. Doch die Fans müssen wohl mehr als ein Jahr auf Stadionbesuche verzichten.

Nahaufnahme der leeren grünen Plastiksitze auf den Rängen des Weser-Stadions.
Spiele ohne Zuschauer wären die Notlösung, um die Saison fortsetzen zu können – volle Stadien wird es wohl für längere Zeit nicht mehr gegen. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Die wichtigsten Worte für ganz Fußball-Deutschland verbergen sich weit oben auf Seite drei. Schwarz auf weiß steht dort als Empfehlung der renommierten Nationalen Wissenschaftsakademie Leopoldina, dass "sportliche Veranstaltungen nach und nach wieder ermöglicht werden" sollten. Bundesliga also schon im Mai? Jein. Denn der Rat der Experten enthält einen möglicherweise wegweisenden Zusatz.

Die in Aussicht gestellten Lockerungen der Corona-Einschränkungen sollen "in Abhängigkeit von der möglichen räumlichen Distanz und den Kontaktintensitäten der Beteiligten" geprüft werden. Auslegungssache also für Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten, die am Mittwoch ihren weiteren Krisenplan diskutieren werden – und dabei auch ganz sicher den von Merkel als "sehr wichtig" eingestuften Rat der Leopoldina berücksichtigen, die ihre 16-seitige Stellungnahme am Montag veröffentlichte.

Werden Geisterspiele erlaubt?

Wie dieser ausgelegt wird, hat wohl die entscheidende Bedeutung. Sind die "Beteiligten" vor allem Spieler? Dann ist die Debatte über einen Restart der Bundesliga Anfang Mai schnell beendet – und jeder Teamsport bis auf Weiteres eigentlich nicht durchführbar. Wenn damit aber vor allem Zuschauer und Personen gemeint sind, die den Ablauf des Spielbetriebs gewährleisten, darf mehr denn je gehofft werden. Denn für Spiele unter solch einem Szenario arbeitet die Deutsche Fußball Liga (DFL) Tag und Nacht an einem Plan.

"Wir werden bereit sein", versprach DFL-Geschäftsführer Christian Seifert, er stellte allerdings klar: "Es darf nicht der Eindruck entstehen, der Fußball ignoriere in seiner Selbstbezogenheit die Realität." Diese wird vor allem von den politischen Entscheidungsträgern geformt. Spiele unter dem Ausschluss der Öffentlichkeit, das wurde zuletzt immer wieder deutlich, sind hierbei das Höchste der Gefühle.

Spiele mit Zuschauern erst 2021?

Der Leopoldina- Präsident erwartet Fußballspiele mit Zuschauern im schlimmsten Fall erst tief im Jahr 2021. "Es wird sicherlich viele Monate dauern, es können bis zu eineinhalb Jahre sein", sagte Gerald Haug am Montagabend in den ARD-Tagesthemen. Die Corona-Pandemie werde erst enden, "wenn wir einen Impfstoff haben".

Dieses Szenario ist eine Horrorvorstellung für die DFL und alle Verantwortlichen der 36 Profiklubs. Ihnen geht es bei der virtuellen Mitgliederversammlung am Freitag in erster Linie um die reine Fortsetzung der Saison und um 770 Millionen Euro, die bei einem Saisonabbruch verloren gehen könnten.

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Video vom 20. März 2020
Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit im Interview.
Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 15. April 2020, 18:06 Uhr