Werders Erfolgsrezept: mutig Bayerns Starensemble entnervt

Dass die Bremer tatsächlich mit einem Punkt und einem Rekord aus München heimkehren würden, war kaum zu erwarten – aber auch kein Zufall. Kohfeldts Taktik ging auf.

Leon Goretzka und Javi Martinez frustriert mit hängenden Köpfen, als Werder-Spieler im Hintergrund das Tor bejubeln.
Für Leon Goretzka (rechts) und Javi Martinez gab es gegen Werder am Samstagnachmittag erstaunlich wenig erfreuliche Momente auf dem Rasen. Bild: Imago | Poolfoto

Vor der Partie in München hatte Florian Kohfeldt gehofft, dass seine Mannschaft und er am Samstagabend mit etwas "Historischem" im Gepäck nach Bremen zurückkehren würden. Bei der deprimierenden Ausgangslage musste man allerdings befürchten, das Souvenir wäre die 23. Pflichtspielpleite in Folge gegen die Bayern gewesen. Stattdessen aber kehrte Werder tatsächlich mit einem positiven Rekord nach Hause zurück – durch das fünfte 1:1 in Folge stellten die Bremer die Bestmarke der Leverkusener aus der Saison 1980/81 ein.

Nicht gerade besonders sexy diese Leistung, das musste auch Trainer Kohfeldt mit einem Augenzwinkern zugeben: "Das ist wahrscheinlich der langweiligste Rekord der Liga." Später milderte er sein erstes Urteil dann noch ab und befand ihn als "zweitlangweiligsten Rekord der Bundesliga-Geschichte – nach der längsten 0:0-Serie".

"Kohfeldt hat der Liga gezeigt, was möglich ist"

Florian Kohfeldt zwinkert kess jemandem nach dem Remis gegen die Bayern zu.
Hatte gegen die Bayern die passende Taktik parat: Werder-Trainer Florian Kohfeldt. Bild: Imago | Poolfoto

Doch wer hätte gedacht, dass Werder nach dem Ausflug nach München über einen Rekord witzeln würde. Befürchtet wurde vielmehr, dass sie gegen das Bayern-Starensemble rein gar nichts zu lachen haben würden. Nach dem Spiel jedoch bekamen die Bremer Lob von allen Seiten, auch von Sky-Experte und Ex-Bayern-Profi Dietmar Hamann: "Kohfeldt hat der Liga gezeigt, was möglich ist – so mutig, wie sie in München aufgetreten sind. Der Punkt war mehr als verdient."

Mut hatte Kohfeldt von seinen Spielern eingefordert und sie hatten ihn wirklich gezeigt, obwohl alleine die Präsenz und die Erfolgsviten der Bayernstars einschüchternd genug sind. "Die Mannschaft hat sehr mutig, diszipliniert und aggressiv gespielt und damit die beste Mannschaft Europas entnervt", lobte Kohfeldt. Auch Sportchef Frank Baumann war begeistert.

Wir haben mutig gespielt und unser Herz auf den Platz gebracht. Wir hatten in der ersten und zum Ende der zweiten Halbzeit gute Möglichkeiten. Ich kann der Mannschaft nur einen Riesen-Kompliment machen, sie hat eine super Mentalität gezeigt. So muss man in München antreten.

Werder-Sportchef Frank Baumann

Eggestein überwindet "besten Torwart der Welt"

Torwart Manuel Neuer hechtet, kann aber den Ball von Maximilian Eggestein nicht aufhalten.
Unhaltbar für den besten Torhüter: Manuel Neuer (oben) scheitert an Werders Maximilian Eggestein (links). Bild: Imago | Poolfoto

Während es die Bayern im eigenen Stadion in der ersten Halbzeit auf keinen Torschuss brachten, hätten die Bremer schon früh (15. Minute) durch eine Doppelchance von Joshua Sargent und Ludwig Augustinsson in Führung gehen können. Auch Leonardo Bittencourt hatte die freche Führung für Werder auf dem Fuß. Erfolgreich war dann Maximilian Eggestein kurz vor der Pause (45. Minute) mit dem 1:0-Treffer. "Gegen den aktuell besten Torwart der Welt ein Tor zu schießen, ist natürlich etwas Besonderes", freute sich der Bremer. Eben jener Neuer war es, der am Samstagnachmittag vereitelte, dass Werder vielleicht sogar mit dem ersten Sieg nach zehn Jahren aus München nach Hause gefahren wäre.

Am Ende hatten die Bremer vier, die Bayern nur drei Torschüsse aus dem Konto und sich ein "sehr sehr dummes Tor" gefangen, wie es Thomas Müller ausdrückte. Werder hatte dem Rekordmeister mit einer stabilen Fünferkette das Offensivleben schwer gemacht und ihn wohl auch zum richtigen Zeitpunkt erwischt: im November, wenn die Bayern-Bilanz traditionell anfälliger ist, nach dem 0:6-Debakel einiger Nationalspieler gegen Spanien und mit bereits etlichen Spielen und Reisemeilen in den Knochen. Kurz gesagt: Werder hat die Gunst der Stunde genutzt und der Mut wurde belohnt. Dennoch musste Kohfeldt sagen: "Ich bin sogar einen kleinen Hauch enttäuscht, weil mehr drin war." Verkehrte Werder-Welt in München. Aber eine, an die sich die Bremer gerne gewöhnen möchten.

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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: ARD, Sportschau, 21. November 2020, 19:45 Uhr