Werder hat keine Chance gegen die Bayern – und will sie nutzen

Die Bremer Negativserie gegen die Bayern steht bereits in den Geschichtsbüchern. Doch Werder-Coach Kohfeldt will am Samstag "Historisches" schaffen – im positiven Sinne.

Video vom 20. November 2020
Eine Gruppe Werder-Spieler um Trainer Florian Kohfeldt betreten den Trainingsplatz.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Florian Kohfeldt strahlte am Freitag so freudig, als dürfe er am Wochenende nach Monaten der Einschränkungen mit seiner Familie endlich wieder auf den Abenteuerspielplatz gehen. Doch worauf sich der Werder-Trainer stattdessen so betont freute, war etwas, das die Bremer Fans inzwischen eher mit dem Besuch beim Zahnarzt assoziieren: ein Spiel gegen den FC Bayern München.

"Ich habe große Lust auf das Spiel. Ich freue mich wirklich drauf", betonte Kohfeldt mit Nachdruck. Doch angesichts der verheerenden Bilanz von 19 Niederlagen in Serie – einmalig in der Fußball-Bundesliga – bekommt die beglückte Vorfreude einen leicht masochistischen Touch.

100. Spiel für Kohfeldt – 28. Pflichtspiel ohne Sieg?

Denn die nackten Zahlen machen wenig Lust auf mehr: Seit insgesamt 27 Pflichtspielen wartet Werder auf einen Erfolg gegen den früheren Erzrivalen. Nur drei Unentschieden holte man und das erschreckende Bremer Torverhältnis dabei – 17:84.

Doch Kohfeldt geht alles andere als naiv in sein 100. Spiel als Bundesliga-Trainer. Dass der deutsche Rekordmeister und Champions-League-Sieger nach stressigen und teils tief frustrierenden Länderspielreisen geschwächt sein könnte, glaubt Kohfeldt nicht.

Wenn wir aber nur eine Sekunde daran denken, dass die Rahmenbedingungen günstig sind, haben wir schon verloren. Die Bayern sind immer in der Lage, eine überragende Leistung zu zeigen.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt am Freitag

Positives Denken als Erfolgsschlüssel

Doch all die negative Vorzeichen, die trübe Statistik und das Wissen um die überragende Qualität der Bayern-Spieler lächelte Kohfeldt am Freitag weg. Und er forderte seine Mannschaft auf, das gleiche zu tun.

Blendet die Tabelle aus, blendet die Ausgangslage aus. Freut euch auf das Spiel gegen die beste Mannschaft Europas.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt am Freitag

Positives Denken also soll den Bremern helfen, die befürchtete "Watschn" in München zu verhindern. Kohfeldt arbeitet schließlich stets nach der Philosophie: Wer nicht an den Sieg glaubt, der hat schon verloren. Und so soll die Vorfreude die verkrampften Gedanken seiner Spieler locker machen, genau wie der Gedanke, dass man beim letzten Aufeinandertreffen im Juni eigentlich auf Augenhöhe mit den Bayern gespielt hatte – obwohl diese mit dem 1:0-Sieg den Meistertitel ausgerechnet im Bremer Weser-Stadion perfekt machten.

"Vielleicht schaffen wir was Historisches"

Bisher habe seine Mannschaft "es nie geschafft, den letzten Schritt zu gehen", bedauerte Kohfeldt. Das soll sich am Samstag ändern. Das positive Mantra des Werder-Coaches geht dabei so weit, dass er sogar von einem Eintrag in die Fußball-Geschichtsbücher träumt – natürlich von einem positiven.

Wir haben nur die Chance, wenn die Bayern nachlassen. Wir müssen dabei mutig und effizient sein. Man muss sich trauen, Fußball zu spielen. Wenn wir die Bälle nur raushauen, werden sie uns irgendwann erdrücken. Vielleicht fliegen wir am Samstag nach Bremen zurück und haben was Historisches geschafft.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt am Freitag

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Video vom 16. November 2020
Florian Kohfeldt beim Training umringt von seinen Spielern und erklärt.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 20. November 2020, 18:06 Uhr