Fußballvereine in Bremerhaven plagen Nachwuchssorgen

Der OSC Bremerhaven hat sich Spieler aus dem Ausland geholt – aus Mangel an eigenem Nachwuchs. Der Präsident des Bremer Fußball-Verbandes ist besorgt.

OSC-Spieler-Bremerhaven beim Training.

Sie sind die fünf Neuen beim OSC Bremerhaven: Seli Qorri (Mittelfeld), Patrik Ondra (Innenverteidiger), Daniel Valach (Mittelfeld), Marek Kozák (Innenverteidiger) und Somogyi Barnabas (Torhüter). Der Albaner und die vier Slowaken sind mit großen Karriere-Hoffnungen nach Deutschland gekommen und wollen jetzt mit dem OSC aufsteigen — am besten in die Regionalliga Nord.

Der Trainer des OSC Bremerhaven
Den OSC Bremerhaven plagen Nachwuchssorgen. Trainer Björn Böning hat jetzt fünf Spieler aus dem Ausland im Kader.

Kein leichtes Unterfangen, denn den Fünftligisten plagen schon lange Nachwuchssorgen: "Machen wir uns nichts vor", sagt Trainer Björn Böning ernüchtert, "in Bremerhaven fehlen die Mentalität und die Disziplin — und die Qualität ist auch nicht da". Ein befreundeter Spielervermittler habe den Deal mit dem Quintett für ihn abgeschlossen. "Die Jungs sind einfach besser ausgebildet. Sie waren auf richtigen Fußballinternaten." Geld für's Kicken bekommen sie dennoch nicht, jedoch einen Job bei einem der Sponsoren des Vereins.

Keine Euphorie bei Björn Fecker

Während OSC-Trainer Böning überzeugt von den ausländischen Neuzugängen ist, reagiert Björn Fecker, Präsident des Bremer Fußballverbandes, verhalten: "Bewerten kann man das Experiment vom OSC erst im Nachhinein, wenn man entsprechende Erfahrungen gemacht hat." Denkbar sei der Sprung in die Regionalliga aber.

Björn Fecker
Bremerhaven leidet stärker unter fehlendem Nachwuchs als Bremen, sagt Björn Fecker, Präsident des Fußball-Landesverbandes.

Dass der Bremerhavener Fußball mit fehlendem Nachwuchs zu kämpfen hat, weiß Fecker schon lange. "Im Bereich der älteren Junioren zum Beispiel haben wir keinen eigenständigen Spielbetrieb mehr in Bremerhaven. Den wickeln wir gemeinsam über Bremen ab. Und bei den B-Junioren, also der Altersklasse von 14 bis 16 Jahren, fängt das auch schon an." Schuld an dieser besorgniserregenden Entwicklung seien seiner Meinung nach der demografische Wandel und die Haushaltslage in der Seestadt: "In Bremerhaven gibt es weniger Kinder als in Bremen. Dementsprechend spielen auch weniger Fußball." Hinzukämen klammen Kassen, die "ihre eindeutigen Spuren" in der Sportinfrastruktur hinterlassen hätten.

Im Gespräch mit den Vereinen wolle der Verband jetzt Lösungen finden, sagt Fecker: "Das Nachwuchs-Problem ist kein Spezifikum von Bremerhaven, das möchte ich dazu sagen. Auch im ländlichen Umkreis gibt es Schwierigkeiten, die Altersklassen zu besetzen."

  • Janina Kovacs

Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit Sportblitz, 19. August 2018, 19:30 Uhr