"Ein Bier nach dem anderen" – So feiert der Bremer SV seinen Aufstieg

BSV-Siegtorschütze Kmiec: "War das ein Hammerfinale!"

Bild: Oliver Soller | Oliver Soller

Riesig ist die Freude beim BSV über den größten Erfolg der jüngeren Vereinsgeschichte. Doch die Aufstiegsfeier ist auch eine Abschiedsparty – für Erfolgscoach Eta.

Die Nachspielzeit war noch nicht einmal angebrochen, als die Fans des Bremer SV schon das unvermeidliche "Nie mehr Oberliga!" anstimmten. Doch das aus gutem Grund: Obwohl die Kicker aus Walle im Aufstiegsendspiel gegen Concordia Hamburg zeitweilig ordentlich gezittert hatten, lagen sie unmittelbar vor Abpfiff zielsicher mit 3:1 in Front.

Endlich war das Team von Trainer Benjamin Eta am Ziel. Endlich, nach fünf gescheiterten Versuchen, stand der Rekordmeister der Bremen-Liga vor der Krönung: dem Aufstieg in die Regionalliga.

"Das war purer Wille"

Kaum hatte der BSV sein langjähriges Ziel erreicht, wurde es voll auf dem Rasen im Stadion am Panzenberg. Erst stürmten Ersatzspieler und Trainerteam sowie die Einlaufkinder auf den Platz, danach folgten die Fans. Viele von ihnen rannten zielsicher zu Sebastian Kmiec. Der 31-Jährige hatte nach starkem Solo das vorentscheidende 2:1 erzielt und somit den BSV endgültig auf die Siegerstraße gelenkt.

"Das war purer Wille, pure Opferbereitschaft für meine Jungs", sagte Kmiec. Die blau-weißen Anhänger dankten ihm seinen Einsatz, indem sie das BSV-Urgestein auf ihre Schultern hievten und, von Sprechchören untermalt, hochleben ließen.

Ich war da, als die Mannschaft mich brauchte und wir echt mit dem Rücken zur Wand standen. Da kam das Tor wie gerufen – einfach nur geil!

BSV-Urgestein Sebastian Kmiec

Zu Beginn war Partie am Panzenberg einseitig

Dass es am Panzenberg noch einmal spannend werden würde, hatte sich zu Beginn der Partie nicht abgezeichnet. Von Anpfiff an waren die Hausherren am Drücker. Das 1:0 durch Mats Kaiser, der nach einem Einwurf per Abstauber getroffen hatte (18. Minute), war hochverdient.

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Doch die Bremer versäumten es, frühzeitig nachzulegen. Nach rund einer Stunde kam es dann, wie es in solchen Momenten nun mal kommen muss: Nach einer weiten Flanke erzielten die Gäste aus Hamburg, die sich bis dahin eher selten nach vorn gewagt hatten, den Ausgleich (64.).

In der ersten Halbzeit waren wir klar besser, nach dem 1:1 wurde es dann knapp.

BSV-Torhüter Malte Seemann

Mannschaft zeigte Mentalität

Mats Kaiser vom Bremer SV trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift "Unaufsteigbar", das "Un" ist jedoch durchgestrichen
Gut gekleidet für die Aufsteigsfeier: BSV-Torschütze Mats Kaiser. Bild: Helge Hommers

Fortan waren die Blau-Weißen in der Defensive. Mehr noch: Der BSV hatte Glück, dass Concordia seine wenigen, aber oft gefährlichen Chancen nicht nutzte. Der erneute Führungstreffer von Kmiec, der sich auf der linken Außenbahn an drei Verteidigern vorbeigetankt hatte, fiel daher fast aus dem Nichts (82.).

Wenig später läutete dann der zuvor wiederholt glücklose Lamine Diop mit dem dritten BSV-Tor die große Aufstiegssause ein (88.).

"Wenn man das so oft nicht geschafft hat und nun kurz davor ist, zählt auch einfach die Mentalität – und die hat die Mannschaft heute gezeigt", sagte Coach Eta.

Die "Unaufsteigbaren" werden zu den "Aufsteigbaren"

Während sich Kmiec noch von den BSV-Fans feiern ließ, schlüpften seine Teamkollegen bereits in die obligatorische Aufstiegskluft: weiße T-Shirts mit dem Vereinslogo und der Aufschrift "Unaufsteigbar", wobei über dem "Un" ein rotes Kreuz prangte.

Oder anders ausgedrückt: Die langjährigen "Unaufsteigbaren" hatten sich in die "Aufsteigbaren" verwandelt. Ein Spitzname, der passend scheint für einen Klub, der sich mit Slogans wie "Echter Fußball ohne Schickimicki" oder "Hauptsache blau" schmückt.

Wir haben uns vertraut und uns gegenseitig gepusht. Deswegen sind wir auch verdient aufgestiegen.

BSV-Trainer Benjamin Eta

Benjamin Eta verlässt den Verein

BSV-Trainer Benjamin Eta winkt lächelnd über den Platz.
Kehrt dem Bremer SV nach zwei Jahren den Rücken: Aufstiegstrainer Benjamin Eta. Bild: Radio Bremen | Oliver Soller

Die BSV-Marschroute für die kommenden Tage ist klar: "Ich hab einfach nur Bock zu feiern und trink' heute ein Bier nach dem anderen", kündigte Keeper Seemaann an. Schon am Pfingstmontag fliegt das Team nach Mallorca, wo die Feier dann weitergeht. Die Aufstiegsfeier ist jedoch zugleich auch eine Abschiedsparty. Denn trotz des größten Erfolgs der jüngeren Klubgeschichte verlässt Trainer Eta den Verein.

Dass der Coach und der BSV nach zwei gemeinsamen Jahren getrennte Wege gehen werden, stand jedoch schon seit mehreren Monaten fest. Und auch im Angesicht des Erfolgs wird es kein Umdenken mehr geben.

"Ich glaube, das Thema ist durch", sagte Eta. Noch deutlicher wurde Sportchef Ralf Voigt: Gegenüber buten un binnen kündigte er an, dass es bereits einen Trainer für die kommende Saison gebe. Auf wen die Wahl gefallen ist, wollte er nicht verraten. Nur so viel ist schon mal klar: Der neue Coach wird nicht der alte sein.

Aufstiegs-Coach Eta: "Alles erreicht, was man erreichen kann"

Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 6. Juni 2022, 19:30 Uhr