Corona im Bremer Amateursport – so soll es zunächst weitergehen

Der Bremer Handballverband bietet bereits an, Spiele freiwillig abzusagen. Im Volleyball wird befürchtet, dass der Sport unter den Spätfolgen der Pandemie leiden wird.

Eine Bank in einer Halle wird desinfiziert.
Die Corona-Pandemie trifft auch den Bremer Amateursport hart. Einige Teams möchten aufgrund der hohen Infektionszahlen nicht mehr zu Punktspielen antreten. Bild: Imago | Agentur 54 Grad

Der Bremer Sport steht derzeit unter dem Zeichen der Corona-Pandemie. Am Donnerstag gab es auch bei Werder den ersten positiv auf Covid-19 getesteten Spieler und der Bremer Fußball-Verband hat aufgrund der vielen infizierten Spieler in den Klubs die Spiele für das Wochenende abgesagt. Doch nicht allein der Fußball, sondern viele Sportarten leiden. Andreas Vroom, Präsident des Bremer Landessportbundes, hofft, dass in Anbetracht der steigenden Infektionszahlen den Sportlern zumindest ein erneuter kompletter Stillstand erspart bleibt.

Ich denke, wir haben bewiesen, dass wir selbstständig und sehr vorausschauend arbeiten. Ich hoffe, dass anerkannt wird, dass die Eigenverantwortung sehr hoch ist und wir sehr diszipliniert damit umgehen.

Andreas Vroom schaut in die Kamera.
Andreas Vroom, Präsident des Landessportbundes

Der Handball geht voran

Andreas Vroom schaut in die Kamera.
Andreas Vroom, Präsident des Landessportbundes, hofft, dass der Sport in Bremen nicht erneut zum Erliegen kommt. Bild: Radio Bremen

Ein Verbot seitens der Politik hielte er für ein "völlig falsches Signal", da die Menschen während der Corona-Krise den Sport als Ventil benötigen würden. Die von Vroom angesprochene Eigenverantwortung beweist dabei bereits der Handball. Gemeinsam mit dem niedersächsischen Handballverband hat der Bremer Handballverband beschlossen, dass ab einem Inzidenzwert von 35 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen jeder Klub beschließen kann, nicht anzutreten. Die Partie wird dann kostenlos abgesetzt. Mindestens 72 Stunden vor dem Anwurf muss ein Klub dies mitteilen. "Bereits an diesem Wochenende wird es zahlreiche Spielabsagen geben, erzählt Monika Wöhler, Präsidentin des Bremer Handballverbandes, im Gespräch mit dem Sportblitz.

Nachdem dies auf der Homepage des HVN (der Niedersächsiche Handballverband, Anm. d. Red.) stand, purzelte es bereits Spielabsagen, die bei unserem Vizepräsidenten Jens Schoof eingegangen sind.

Monika Wöhler schaut in die Kamera.
Monika Wöhler, Präsidentin des Bremer Handballverbandes
Monika Wöhler schaut in die Kamera.
Monika Wöhler ist die Präsidentin des Bremer Handballverbandes. Sie hofft, dass zumindest der Trainingsbetrieb erlaubt bleiben wird. Bild: Radio Bremen

Sollte die Möglichkeit der freiwilligen Absage weiterhin so stark angenommen werden, schließt Wöhler auch nicht aus, dass der Verband die Saison komplett unterbrechen wird. Noch herrscht aber auch bei den Handballern eine gewisse Ratlosigkeit. Keiner weiß schließlich, wie sich die Lage in den kommenden Monaten entwickeln wird. "Es wäre katastrophal, wenn wir die Saison abbrechen müssen", so Wöhler, "aber wenn die Spielerinnen und Spieler oder Eltern nicht möchten, dann ist das zu akzeptieren. Die Gesundheit geht einfach vor." Von der Bremer Politik wünscht sie sich, dass das Engagement anerkannt wird und die Hallen nicht komplett geschlossen werden. Zumindest die Möglichkeit zum Trainieren sollte bestehen bleiben.

Volleyball-Chef fürchtet Folgen einer längeren Pause

Lars Thiemann schaut in die Kamera.
Lars Thiemann trainiert Bremen 1860 und ist der 1. Vorsitzende des Nordwestdeutschen Volleyball-Verbandes. Er fürchtet die Folgen der Pandemie für seine Sportart. Bild: Radio Bremen

Auf die Möglichkeiten, Kabinen und Duschen zu nutzen, wird laut Wöhler bereits häufig verzichtet. Oftmals ginge der Weg direkt schnurstracks in die Halle.

Auf ebenjene angewiesen sind auch die Volleyballer. "Im Moment müssen wir von Tag zu Tag schauen, ob ein Spielbetrieb durchgeführt werden kann", sagt Lars Thiemann, der Bremen 1860 trainiert und als 1. Vorsitzender des Nordwestdeutschen Volleyball-Verbandes fungiert. Manche Teams hätten schon klargestellt, dass sie nicht mehr zu Punktspielen antreten möchten. Ein einheitliches Bild habe sich bisher aber noch nicht ergeben. In Bremen sollten seiner Auffassung nach aktuell aufgrund der hohen Inzidenzzahl keine Punktspiele stattfinden. Allerdings befürchtet er auch, dass die Attraktivität der Sportart leiden wird, falls über einen längeren Zeitraum kein geregelter Spielbetrieb stattfinden kann. Einige Sportler könnten sich gegebenenfalls andere Freizeitaktivitäten suchen. Falls zu viele Spiele ausfallen, müsste in Bremen zudem ein Saisonabbruch in Betracht gezogen werden.

Daraus würden sich ganz viele offene Fragen ergeben. Was ist zum Beispiel mit der Auf- und Abstiegsregelung? Werden Gelder zurückgefordert? Wie können wir in eine nächste Saison gehen? Das sind alles Fragen, über die ich, ehrlich gesagt, im Moment noch gar nicht nachdenken mag.

Lars Thiemann schaut in die Kamera.
Lars Thiemann, 1. Vorsitzender des Nordwestdeutschen Volleyball-Verbandes

Wie Corona die Vereine im Amateurfußball überfordert

Video vom 21. Oktober 2020
Lüder Fasche, Teammanager des TuS Schwachhausen, am Rande des Trainingsplatzes im Sportblitz-Interview.
Bild: Radio Bremen

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Autoren

  • Niko Schleicher Redakteur und Autor
  • Karsten Lübben Autor

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 22. Oktober 2020, 18:06 Uhr