Bremer Para-Weltmeister Schäfer: "Ich mache das für meine Mom"

Einmal Gold, einmal Silber. Der Bremer Leon Schäfer hat bei der Para-WM in Dubai abgeräumt. Dabei hatte er sich im vergangenen Jahr noch schwer verletzt.

Leon Schäfer jubelt und beißt auf seine Gold-Medaille.
Der Bremer Leon Schäfer holte bei der Para-WM in Dubai die Gold-Medaille im Weitsprung und die Silber-Medaille im 100-Meter-Sprint. Bild: Imago | Beautiful Sports

Am Ende war da doch ein kleiner Funken der Enttäuschung. Lange lag Leon Schäfer im 100-Meter-Sprint vorne. Der Bremer rannte voller Enthusiasmus in Richtung seiner zweiten Gold-Medaille bei der Para-WM in Dubai. Die erste hatte er sich bereits im Weitsprung gesichert. Doch auf den letzten Metern zog Daniel Wagner noch an ihm vorbei. Einen Wimpernschlag vor Schäfer erreichte der Däne das Ziel. Exakt 0,02 Sekunden huschte er früher über die Linie. "Ich kann nicht sagen, woran es gelegen hat", erzählte Schäfer direkt nach dem Rennen. Der Frust war dem 25-Jährigen dabei nicht anzusehen. Wie immer funkelten seine Augen. Und wie immer legte er sein ansteckendes Lächeln auf. In ihm drin, daraus machte er kein Geheimnis, sah es in diesem Moment aber ein wenig anders aus.

Mit meinem Coach werde ich mir später das Video anschauen und analysieren, woran es gelegen hat. Am Start habe ich mich sehr, sehr gut gefühlt und bin gut weggekommen. Ich ärgere mich ein bisschen.

Leon Schäfer

Mit 12 Jahren erkrankte Schäfer an Knochenkrebs

Der Ärger dürfte schnell verflogen sein. Einmal mehr im Leben hat Schäfer bewiesen, dass er ein echter Kämpfer ist. Als 12-Jähriger erkrankte der talentierte Fußballer an Knochenkrebs. Der rechte Unterschenkel mitsamt des Knies musste ihm amputiert werden. Schäfer kämpfte sich zurück ins Leben, fand den Weg zum Behindertensport und ging dort den langen Weg bis in die Weltklasse. Das Jahr 2019 lief dabei nahezu perfekt für ihn. Und dies, obwohl es 2018 erneut einen Rückschlag gab. Im Trainingslager im April riss er sich im linken Knie das Kreuzband. Eine Operation und sechs Monate Zwangspause folgten. Danach gab er Vollgas für sein Comeback.

Ich habe so hart trainiert und so viel Schweiß reingesteckt. Für diese WM habe ich mich einfach ready gefühlt. Und ich denke, ich habe sehr gut abgeliefert.

Leon Schäfer

Im Juli schnappte er sich bereits den Weltrekord

Leon Schäfer während der Landung nach einem Weitsprung bei den "Bayer Classics".
Der Bremer Para-Athlet Leon Schäfer hat bei den "Bayer Classics" den Weitsprung-Weltrekord auf 6,99 Meter ausgebaut. Schäfer startet für den TSV Bayer Leverkusen. Bild: Imago | Chai v.d. Laage

Abgeliefert hat er bereits vor der WM. Bereits im Juli knackte er bei der Deutschen Meisterschaft mit 6,80 Metern den Weltrekord im Weitsprung. Bei den "Bayer Classics" baute Schäfer, der für den TSV Bayer Leverkusen startet, diesen zwei Wochen später auf 6,99 Meter aus. Bei der WM reichten 6,90 Meter für die Gold-Medaille. Keine Frage: Schäfer kann stolz auf seine Leistungen sein. Und stolz wird auch seine Mutter auf ihn sein. Sie ist sein großer Ansporn.

Ich mache das für meine Mom größtenteils. Ich möchte ihr etwas zurückgeben und denke immer an sie.

Leon Schäfer

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Nach der Schufterei steht jetzt erst einmal Entspannung an. Das Wichtigste, so Schäfer, sei jetzt verletzungsfrei zu bleiben. Deswegen möchte er sich zunächst ein wenig Freizeit nehmen. "Die Off-Season genießen", nennt er es. "Aber nicht lange, kurz und knackig. Dann wird wieder Vollgas gegeben für nächstes Jahr." Die Enttäuschung über die fehlenden 0,02 Sekunden dürfte dann längst gewichen sein.

Weltmeister im Para-Weitsprung: Leon Schäfer aus Bremen

Leon Schäfer ist Weltmeister im Para-Weitsprung.

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Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 11. November 2019, 18:06 Uhr