Interview

American Football in Bremen: "Wir verlieren reihenweise Spieler"

Millionen Football-Fans in aller Welt fiebern heute Nacht dem Superbowl entgegen. Die Football-Welt in und um Bremen liegt wegen Corona aber weiter auf Eis.

Die Mannschaft der Bremen Firebirds.
Derzeit unvorstellbar: Die Mannschaft der Bremen Firebirds im "Huddle". (Symbolbild) Bild: Bremen Firebirds

Über 50 Spieler pro Mannschaft und jede Menge intensiver Körperkontakt – American Football ist bei den derzeit geltenden Coronaregeln unvorstellbar. Da die Vereine ihren Spielern kaum Training bieten können, melden diese sich reihenweise ab. Um dem nicht zum Opfer zu fallen, haben sich zwei Bremer Klubs für eine Kooperation entschieden. Die Firebirds und Rebels machen seit November gemeinsame Sache. Alle Probleme löst das jedoch nicht, erklärt Trainer Oliver Minschke im Interview.

Herr Minschke, wie kam es zu der Kooperation zwischen Ihren Firebirds und den Bremen Rebels?
Corona ist eine Sache, die auf die Vereine einen direkten Einfluss hat. Viele Vereine verlieren reihenweise Spieler. Zusammen mit den Rebels haben wir uns gefragt, wie wir den Bremer Football auch über die Pandemie hinaus sichern können. Da fiel die Entscheidung dann schnell auf eine Zusammenarbeit. Die Herrenmannschaft der Rebels tritt in unseren Verein ein, im Jugendbereich wird eine Spielgemeinschaft gebildet. So haben wir eine Spielerdecke, die groß genug ist. Aber da werden wahrscheinlich noch welche wegbrechen, befürchte ich.
Mit welcher Begründung treten Spieler aus den Vereinen aus?
Man kann ihnen einfach nicht genug bieten. Ich kriege das auch von Freunden mit, die im Fußball aktiv sind. Die haben da echt Probleme mit den Mitgliedern. Man kann derzeit mit einem Trainer und zwei Spielern trainieren. Da kann man sich ja ausrechnen, wie viele Einheiten wir für 60 Spieler machen müssten.

Wir versuchen das online aufzufangen. Wir bringen den Jungs noch die Basics bei, wofür wir im regulären Training keine Zeit für haben: Football-ABC, besprechen die ganzen Fremdwörter. Außerdem machen wir Online-Fitness mit unserem Athletikcoach. Das, was man im Wohnzimmer halt machen kann. Aber eigentlich wollen die Jungs ja Football spielen. Und da ist es schwer, sie zu motivieren und heiß zu bekommen. Weil wir wissen nicht, wann die Saison losgeht.
Wie sieht der momentan vorgesehene Zeitplan für die Saison aus?
Derzeit wird unser Saisonstart für den Juni angedacht. Normalerweise beginnt unsere Vorbereitungszeit im November. Die Saison startet dann im April. Die Vorbereitung wird in dieser Saison extrem kurz – und das ist bei unserem Kollisionssport einfach gefährlich. Bei erfahrenen Spielern ist es oft nur eine Frage der Fitness, das bekommt man schnell hin. Aber bei neuen Spielern gehört da noch viel mehr dazu: "Wie falle ich richtig, wie verhalte ich mich in bestimmten Situationen?"
Deshalb müssen wir schauen, wann das Training wieder möglich ist. Sollte sich der Saisonstart bis in den Juli verschieben, dann wird die Saison wie letztes Jahr komplett abgesagt. Dann wäre die Vorbereitungszeit einfach zu kurz.

Motivierend ist das für die Jungs überhaupt nicht.

Firebirds-Trainer Minschke über die Unsicherheit zum Saisonstart
Während der NFL-Playoffs bekommt Football in Deutschland immer mehr Aufmerksamkeit. Wären eigentlich genau die aktuellen Wochen besonders wichtig, um neue Vereinsmitglieder zu bekommen?
Klar, die wachsende Medienpräsenz ist ein Magnet. Wir haben etwa 15 bis 20 Anfragen bekommen von Leuten, die Football mal ausprobieren wollen. Aber denen können wir noch weniger anbieten als unseren Spielern. Über unsere Spielzüge reden wir natürlich nur vereinsintern. Mit den Interessenten können wir nur Kontakt halten und sie auf den aktuellen Stand bringen. Motivierend ist das für die Jungs überhaupt nicht.
Sollte die Saison 2021 stattfinden können, was sind die Ziele der Firebirds?
Eigentlich wollten wir in den nächsten zwei Jahren aufsteigen, das war der Plan. Aber je kürzer die Vorbereitung wird, desto härter wird es für uns. Wir haben mit Göttingen, Osnabrück, Zeven und Hannover auch nicht gerade einfache Gegner zugelost bekommen.

Da wird sich wahrscheinlich auch noch was verschieben. Ich befürchte, dass nicht alle Teams starten werden, die sich bisher angemeldet haben. Wir Coaches unterhalten uns ja auch untereinander. Die haben alle Probleme, bei den Spielern eine Spannung aufzubauen. Wie die Saison am Ende aussieht, da müssen wir erst mal die aktuellen Entwicklungen abwarten.

Autor

  • Yannick Lemke

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 8. Februar 2021, 23:30 Uhr