In Corona-Zeiten: So läuft Amateurfußball in Bremen mit Zuschauern

Die Bremer Amateurklubs spielen bereits seit einigen Wochen wieder vor Zuschauern. Doch Fußball mit Fans ist mit viel Aufwand verbunden. Die DJK Blumenthal verzichtet daher.

Eine Person schreibt seine Kontaktdaten auf.
Pflichtaufgabe: Wer aktuell im Bremer Amateurfußball ein Spiel verfolgen möchte, muss beim Betreten der Sportanlage seine Kontaktdaten hinterlassen. Bild: Imago | Hanno Bode

Wenn Werder am Samstag (15:30 Uhr) gegen Hertha BSC in die neue Bundesliga-Saison startet, dürfen die Bremer wieder 8.500 Zuschauer im Weser-Stadion begrüßen. Im Stadtvergleich ist der Klub damit spät dran, denn im Amateurfußball dürfen bereits seit einigen Wochen wieder Fans zu den Spielen kommen. Der Grund: Zumindest 400 Personen sind derzeit in Bremen bei Freiluftveranstaltungen zugelassen. Ganz gleich ist dabei, ob der Fußball in der Bremen-Liga oder der 1. Kreisklasse gespielt wird. Die Klubs müssen jedoch ein schlüssiges Schutz- und Hygienekonzept vorlegen. Dies bedeutet allerdings nicht, dass die Klubs einfach 400 Zuschauer auf ihre Sportanlagen lassen dürfen. Vielmehr umfasst diese Anzahl alle anwesenden Beteiligten auf der Sportanlage – also auch die Spieler, Schiedsrichter und Pressevertreter.

In der Bremen-Liga ging es am 4. September zum Auftakt mit der Partie zwischen dem Bremer SV und dem FC Union 60 Bremen wieder los. 300 Zuschauer durften für die Partie auf den Panzenberg kommen und nach langer Durststrecke mal wieder ein Spiel im Stadion sehen. Einen Mund-Nasen-Schutz auf der Anlage mussten sie dabei auf dem Weg zu ihrem Platz tragen. An diesem angekommen, durfte dieser abgelegt werden. "Wir hoffen, dass wir alle Menschen mit Spaß am Fußball dazu begeistern können, sich die Spiele ihres Heimatvereins auf der Anlage in ihrem Bezirk anzuschauen", erzählte Jens Dortmann, Geschäftsführer des Bremer Fußball-Verbandes, im Gespräch mit dem Sportblitz. Doch für die Klubs vor Ort ist dies auch mit viel Aufwand verbunden. Das Musterkonzept des Bremer Fußball-Verbandes sieht vor, dass überall außerhalb des Spielfelds der Mindestabstand von 1,5 Metern gewahrt wird. Eingang und Ausgang müssen räumlich voneinander getrennt sein. Ist dies nicht möglich, muss eine zeitliche Trennung erfolgen. Alle Anwesenden müssen zudem ihre Kontaktdaten hinterlassen. Die Klubs sind dabei auf ehrenamtliche Helfer angewiesen.

TuS Komet Arsten spielt vor 290 Zuschauern

Diese brauchte auch der TuS Komet Arsten beim ersten Saisonspiel gegen den TuS Schwachhausen (1:1). Zum ersten Auftritt des Aufsteigers in der Bremen-Liga kamen 290 Fans ins Stadion in Obervieland, das im Normalbetrieb über 1.400 Sitzplätze verfügt. Plätze, auf denen nicht gesessen werden durfte, wurden entsprechend markiert. "Das hat soweit alles super funktioniert", freut sich Geschäftsführer Jens Ellrott. Durch die Eintrittsgelder konnte der Klub Einnahmen verzeichnen. Die 2. Herren in der Kreisliga A und die in der 1. Kreisklasse spielende 3. Herren des Klubs müssen allerdings weiterhin auf Zuschauer verzichten. Diese Teams spielen nämlich nicht im Stadion, sondern auf einem Nebenplatz.

Auf den Nebenplätzen haben wir keine Ein- und Auslasskontrolle. Diese Plätze haben wir für Zuschauer daher komplett gesperrt. Nur das Stadion und der Kunstrasenplatz sind eingezäunt. Nur da können wir kontrollieren, wer rein- und rauskommt. Unsere restlichen Rasenplätze liegen aber an einem öffentlichen Weg. Wenn da Radfahrer oder Spaziergänger vorbeikommen und stehenbleiben, um sich das Spiel anzuschauen, haben wir keine Kontrolle mehr. Käme es dann zu einem Infektionsfall, würden uns die Kontaktdaten fehlen.

Jens Ellrott, Geschäftsführer der TuS Komet Arsten

Ärger bei der SG Aumund-Vergesack

Keineswegs angefreundet mit den aktuellen Vorgaben hat sich bisher die SG Aumund-Vegesack. "Das ist nur Aufwand, mehr nicht", ärgert sich der 1. Vorsitzende Hans-Bernhard Siems. "Die drücken uns ganz schön etwas auf." Acht Ordner bei Heimspielen könne sein Klub auf Dauer einfach nicht stellen.

Ich bin nicht der Lakai vom Verband oder der Stadt Bremen, dass ich notfalls acht Ordner buchen muss. Wer soll das bezahlen? Das ist ein Unding, was da von den Amateurvereinen verlangt wird.

Hans-Bernhard Siems, 1. Vorsitzender der SG Aumund-Vegesack

Sobald es in Richtung Winter geht und die 1. Herren auf dem Kunstrasen, der bezüglich des Zuschauerzulasses nicht kontrolliert werden könne, spielt, müsse daher wohl wieder auf Zuschauer verzichtet werden.

Die DJK Germania Blumenthal verzichtet bereits freiwillig

Es gibt auch Klubs, die bisher weiterhin freiwillig komplett auf Zuschauer verzichten. Zum Beispiel die DJK Germania Blumenthal, die sich die Sportanlage am Burgwall mit dem Blumenthaler SV und dem SV Türkspor teilt. Die 1. Herren des Klubs spielt in der Landesliga. "Bevor es da zu einer Ansteckung kommt, verzichten wir lieber auf die 100 Euro bei einem Spiel unserer 1. Herren", erzählt DJK-Spielleiter Gerd Stedtnitz im Gespräch mit buten un binnen. Auf der Anlage ist seiner Auffassung nach einfach zu viel los, um um die Vorgaben einzuhalten. "Da wir parallel immer zwei Spiele haben, ist es mit vier Mannschaften bereits bei den Kabinen katastrophal", so Stedtnitz. "Wenn ein Spiel um 11 Uhr ist und das nächste um 13 Uhr, heißt es: Zuschauer rein, Zuschauer raus. Spieler rein, Spieler raus." Rein theoretisch wäre eine Umsetzung wohl möglich. Aufwand und Ertrag hielten sich dabei am Ende aber nicht die Waage.

Bremen-Liga startet am Panzenberg mit 300 Zuschauern und Corona-Regeln

Video vom 4. September 2020
Sportblitz Moderatorin Janna Betten im Panzenberg Stadion.
Bild: Radio Bremen

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Autor

  • Karsten Lübben Autor

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 14. September 2020, 18:06 Uhr