Warum ein Boxer aus Schwanewede für Katar bei der WM antritt

Thulasi Tharumalingam ist in der Nähe von Bremen geboren, boxt aber für einen Golfstaat bei Olympischen Spielen und anderen internationalen Wettbewerben.

Thulasi Tharumalingam reckt nach einem Kampf siegreich den Arm in die Luft.
Kampf gewonnen: Thulasi Tharumalingam reckt siegreich den Arm in die Luft. Bild: Thulasi Tharumalingam

6 Kämpfe, 6 Siege, davon vier durch K.O. – die Profi-Bilanz des Boxers Thulasi Tharumalingam aus Schwanewede ist lupenrein. Aber im Profibereich ist der 26-Jährige noch neu. Erst im vergangenen Jahr hat er begonnen, auch dort zu boxen.

Sein Schwerpunkt liegt noch bei den Amateuren. Und dort erfolgreich zu sein, ist derzeit schwer genug für ihn. Denn Tharumalingam muss momentan seine Bachelor-Arbeit schreiben – Studiengang Fitnessökonomie – und sich gleichzeitig auf die Amateur-Box-Weltmeisterschaft in Russland im September vorbereiten. Doppelte Belastung also.

Katar ist unkomplizierter

Thulasi Tharumalingam boxt in roter Kleidung gegen Chinzorig Baatarsukh in blauer Kleidung aus der Mongolei
Thulasi Tharunalingam (l.) schied bei den Olympischen Spielen in Rio 2016 gegen Chinzorig Baatarsukh aus der Mongolei aus. Bild: DPA | Frank Franklin II

Tharumalingam tritt in Russland für Katar an. Wie auch schon bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio, wo er in der Vorrunde ausschied. Mit dem deutschen Boxverband habe es nicht geklappt mit der Zusammenarbeit, so Tharumalingam. Er hätte permanent im Stützpunkt trainieren sollen, wollte aber nicht weg aus seiner Heimat.

Ein Freund brachte ihn dann mit den Kataris zusammen. Die richteten 2015 die Box-WM in ihrer Hauptstadt Doha aus, hatten aber keine eigenen Boxer, die auf dem Niveau antreten konnten. Da kam Tharumalingam ins Spiel.

Der Golfstaat bot ihm lockerere Bedingungen als die Deutschen. Der Boxer akzeptierte den Deal. Seitdem tritt er auf internationaler Bühne für Katar an. Der Deal: Nur vor großen Turnieren muss Tharumalingam zur Vorbereitung an den Golf. Im August wird er voraussichtlich wieder "zwei, drei Wochen für den Feinschliff" an den arabischen Golf reisen. Ansonsten kann er frei trainieren – solange er fit bleibt.

Seine deutsche Staatsbürgerschaft aufgeben, wie von den Kataris zunächst gefordert, wollte Tharumalingam aber nicht. Doch man einigte sich auch dort. Auf eine doppelte Staatsbürgerschaft.

Noch Luft nach oben

Weil ich noch mein Studium mache, leiste ich nicht wirklich das, was ich leisten könnte.

Thulasi Tharumalingam

Einen großen Schritt vorwärts in seiner Karriere hat Tharumalingam zudem zu Jahresbeginn gemacht. Er ist eine Partnerschaft mit MTK Global eingegangen. Die Firma ist eine große Nummer im Boxsport, managt unter anderem auch den ehemaligen Schwergewichtsweltmeister Tyson Fury – den Klitschko-Bezwinger von 2015.

Die Experten von MTK sehen offenbar noch brach liegendes Potenzial im 26-Jährigen und wollen ihn bei der Profikarriere unterstützen. Sein Studium muss er dafür zwar erst beenden, was erst in einem Jahr der Fall sein wird, aber die Förderung läuft schon. In der vergangenen Woche war Tharumalingam auf Einladung von MTK Global schon in einem Trainingscamp in Saudi Arabien.

Training mit Freunden

Einen festen Coach in Deutschland hat Tharumalingam nicht. Er hält sich selbst mit acht bis zehn Trainingseinheiten pro Woche fit, arbeitet zudem als Trainer im Fitness-Studio. Und er hat viele Freunde aus dem Boxsport, trainiert mit ihnen "mal hier, mal da", wie er sagt. Außerdem habe er schon mehr als 150 eingetragene Kämpfe in seiner Karriere gekämpft, so Tharumalingam. Das bringt Erfahrung.

Gegen Freunde kämpfe ich nicht. Es gibt genug andere Gegner.

Thulasi Tharumalingam

Bis zur Weltmeisterschaft in Russland muss Tharumalingam aber noch einiges leisten. Ein paar Kilos allein abtrainieren. 74 bringt er momentan auf die Waage. Zu viel für seine Gewichtsklasse. Maximal 69 Kilo darf ein Boxer im Weltergewicht wiegen. Aber, so Tharumalingam, das mit dem Abnehmen sei für ihn kein Problem. Wer ihn auf die Pratzen dreschen hört, glaubt das gern.

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  • Bastian Mojen

Dieses Thema im Programm: Cosmo, 14. Juli 2019, 14:10 Uhr