Fußballprofis als Impf-Vorbilder? Bovenschulte watscht Rummenigge ab

Der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München hatte Überlegungen dazu angestellt, wie Fußballprofis dabei helfen könnten, das Vertrauen der Bevölkerung in die Corona-Impfungen zu steigern.

Video vom 11. Februar 2021
Bovenschulte mit maske
Bild: DPA | Sina Schuldt

Wumms! Das hat gesessen. Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte hat es sich am Mittwochabend nicht nehmen lassen, dem Vorstandsvorsitzenden des FC Bayern München, Karl-Heinz Rummenigge, eine ordentliche Watschn mitzugeben. Der hatte Gedankenspiele dazu angestellt, dass Fußballprofis zu Impf-Vorbildern werden könnten, wenn sie sich gegen das Coronavirus impfen ließen.

Das wollte Bovenschulte Rummenigge nicht durchgehen lassen. Am Schluss seines Vortrags nach dem Corona-Gipfel von Bund und Ländern kam er – ungefragt wohlgemerkt – auf den Vorstoß aus München zu sprechen.

Wenn der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München [...] begründen will, dass die Spieler des FC Bayern vorrangig geimpft werden, muss ich ganz ehrlich sagen, fällt mir einiges ein, wie Fußballprofis ihrer gesellschaftlichen Vorbildrolle in der Pandemie gerecht werden könnten.

Andreas Bovenschulte (SPD), Bremens Bürgermeister

Verweis auf Vorbildfunktion bringt Bovenschulte in Rage

Zwar hatte Bovenschulte mitbekommen, dass Rummenigge auch gesagt hatte, dass sich der FC Bayern nicht vordrängen wolle. Doch das brachte den SPD-Politiker scheinbar erst richtig in Rage.

Aber was mich an diesem Spruch besonders gewundert hat, ist, wie man simples Vordrängen, im Sinne von 'Ich will zuerst geimpft werden', dann noch versucht zu verkaufen als Realisierung einer gesellschaftlichen Vorbildfunktion. Da muss man erstmal drauf kommen.

Andreas Bovenschulte (SPD), Bremens Bürgermeister

Rummenigge: Manche sehen Corona-Impfungen noch kritisch

Sein Gedankenspiel hatte Rummenigge im Gespräch mit Sport 1 angestellt. "Beim Thema Corona-Impfungen fallen zwei Sachen auf: Aktuell haben wir offensichtlich noch zu wenig Impfstoff, und ein Teil der Bevölkerung betrachtet das Impfen aus Sorge vor möglichen Nebenwirkungen noch kritisch", sagte der Bayern-Boss. Hier könne der Fußball etwas ganz Wichtiges leisten und mit gutem Vorbild vorangehen. "Lässt sich beispielsweise ein Spieler des FC Bayern impfen, wächst das Vertrauen in der Bevölkerung. Denn ich weiß als ehemaliger Fußballer, was der Körper für einen Sportler bedeutet: Alles!", sagte Rummenigge.

Wir wollen uns überhaupt nicht vordrängen, aber Fußballer könnten als Vorbild einen gesellschaftlichen Beitrag leisten.

Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern München

Bovenschulte: Bayern hätte auf Klub-WM verzichten sollen

Wie der FC Bayern und dessen Spieler eine gesellschaftliche Verantwortung übernehmen können, dazu hat Bovenschulte andere Vorschläge: "Sie könnten beispielsweise darauf verzichten, an sportlich wertlosen Turnieren teilzunehmen und dafür um die halbe Welt zu reisen, Beispiel Klub-WM in Katar." Beim Thema Impfungen aber müssten sich Fußballprofis – wie auch die Mitglieder einer Landesregierung – hinten anstellen und sich dann impfen lassen, wenn sie dran sind, so Bovenschulte. Bislang hat der FC Bayern auf eine Bitte um Stellungnahme nicht reagiert.

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Bild: Radio Bremen

Autor

  • Milan Jaeger

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 11. Februar 2021, 19:30 Uhr