Darum werden die Eisbären Bremerhaven nicht aufsteigen

Es hat sich viel getan bei den Basketballern aus Bremerhaven, die Chaos-Tage sind vorbei. Neue Spieler, neuer Geschäftsführer – doch die Altlasten drücken.

Eisbären-Fans in Trikots und Matrosen-Mützen feuern leidenschaftlich ihre Mannschaft an.
Hartgesotten und vereinstreu: Viele der Eisbären-Fans wollen auch in der ProA-Liga die Spiele besuchen. Bild: Imago | Hartmut Bösener

Lange Zeit herrschte Unsicherheit bei den Eisbären Bremerhaven. Nach dem Abstieg aus der Basketball-Bundesliga im Frühjahr blieben viele Fragen zunächst offen: Würde es in der ProA-Liga weitergehen? Und wenn ja, mit welchen Spielern? Mit welchen Sponsoren? Und wer würde im Verein künftig die Verantwortung übernehmen? Die wichtigsten Fragen sind inzwischen beantwortet und nicht erst seit dem Trainingsauftakt zu Beginn der Woche ist klar: Die Eisbären Bremerhaven gehen mit viel Schwung in den Neustart.

Nach einer chaotischen Saison, in der der Basketball-Klub aus Bremerhaven nicht immer ein professionelles Bild abgab, ist nun deutlich mehr Ruhe eingekehrt. Personelle Strukturen im Verein wurden verändert und die wichtigste Personalie ist dabei sicherlich: Stephan Völkel hat Wolfgang Grube als Geschäftsführer abgelöst. Grube wird künftig wieder im Hintergrund bleiben und nur noch im Aufsichtsrat sitzen, aus dem operativen Geschäft hält er sich heraus.

Bärendienste durch Grube

Eisbären-Geschäftsführer Wolfgang Grube im Gespräch mit dem Sportblitz.
Der Ex-Geschäftsführer Wolfgang Grube äußerte sich in Interviews gerne deutlich über die Eisbären.

Allzu oft hatte Grube mit seinen Aussagen Unruhe in den Klub gebracht. Und seine Entscheidung, den Amerikaner Dan Panaggio als Geldgeber, Spielereinkäufer und später sogar Trainer als den neuen, starken Mann bei den Eisbären zu etablieren, erwies sich schnell als ein kapitaler Fehler. Panaggio hat sich ebenso weitgehend in den Hintergrund zurückgezogen. Wie ungeschickt Grube in der Außendarstellung des Vereins war, untermauerte er noch vor vier Wochen im Interview mit buten un binnen.

Dort fiel Grube kaum mehr ein, als sich namentlich bei großen in Bremerhaven ansässigen Firmen zu beschweren, die sich nicht als Sponsoren für die Eisbären zur Verfügung stellten. Dann beging er auch noch den Kardinalfehler und beklagte sich über die eigenen Fans: "Vechta ist zweimal in Folge abgestiegen und trotzdem war die Halle immer voll. Solche Fans wünsche ich mir auch in Bremerhaven – unsere Fans sind weggeblieben." Kein Wunder, dass sein Nachfolger Völkel nun alle Hände voll zu tun hat, das angeknackste Image der Eisbären wieder aufzupolieren und professionelle Strukturen neu zu etablieren.

Wir müssen uns komplett neu aufstellen. Auch was das Wirtschaftliche betrifft. Unsere Kommunikation muss besser werden, das betrifft unsere Fans und die Sponsoren. Wir müssen in der Stadt präsenter werden.

Eisbären-Geschäftsführer Stephan Völkel in der "Nordsee-Zeitung"

Der Aufstieg wäre zu kostspielig

Anthony Canty streckt beim Dribbling seitlich die Zunge heraus.
Treuer Eisbär: Anthony Canty verlängerte wie auch Adrian Breitlauch seinen Vertrag. Bild: Imago | Hartmut Bösener

Mit Michael Mai konnten den Eisbären den Trainer halten und der hat sich ein Team zusammengestellt, mit flexiblen Spielern. Soll heißen: Sie können auf mehr als einer Position spielen. Adrian Breitlauch und Anthony Canty sind die beiden einzigen Profis aus der alten Mannschaft, die den Gang in die zweite Liga mittragen wollten. Hinzu kommt mit Sid-Marlon Theis ein Power Forward, der Verantwortung übernehmen soll. Genau wie die US-Amerikaner Rohndell Goodwin, Joshua Braun und Kasey Hill. Der Power Forward Will Vorhees kommt direkt im vom College, Moses Pölking soll als Regionalligaspieler Erfahrungen in der ProA sammeln. Oliver Clay spielte zuletzt mit Rostock in der ProA. Neun Spieler hat Mai bereits zusammen vor dem Saisonauftakt am 21. September gegen die Bayer Giants.

Mir gefällt der Kader, den wir haben. Wenn die Mannschaft von Verletzungen verschont bleibt, können wir viel Spaß haben.

Eisbären-Coach Michael Mai in der "Nordsee-Zeitung"

Theis sagte bereits, dass "es definitiv mein Ziel ist, es zurück in die BBL zu schaffen" und auch Goodwin meinte: "Ich gehe davon aus, dass wir nicht spielen, um die Liga zu halten, sondern schon nach oben schauen werden." Doch sie werden sich wohl gedulden müssen. Denn selbst wenn die Eisbären spielerisch den Aufstieg in die Bundesliga schaffen sollten, so wird der Klub im nächsten Frühjahr trotzdem nicht aufsteigen. Das war aus dem Umfeld der Eisbären Bremerhaven zu hören. Der Grund: Die Altlasten in siebenstelliger Höhe. Ein direkter Aufstieg ist nicht zu stemmen. Der Klub will sich erst finanziell auf gesündere Füße stellen und in vernünftigen Schritten, mittelfristig zurück in die Bundesliga – mit seinen Fans im Rücken.

Eisbären-Boss Grube: "Mit gebremstem Schaum in die 2. Liga"

Geschäftsführer Grube beim Interview im Sportblitz-Studio.

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  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 25. August 2019, 23:20 Uhr