Interview

Eisbären-Manager Ruttmann: "Müssen überlegen, ob das so weitergeht"

Nach den positiven Corona-Tests ruht bei den Eisbären Bremerhaven vorerst der Spielbetrieb. Für Nils Ruttmann ist noch nicht klar, wie es in der ProA-Saison weitergehen soll.

Ein wenig geschockt war Nils Ruttmann, Manager der Eisbären Bremerhaven, schon. Dabei kam die Nachricht am Mittwoch nicht mehr ganz überraschend. Auch bei den Eisbären gibt es zwei positiv auf das Coronavirus getestete Spieler. Die Sorge war bereits im Vorfeld groß, denn beim letzten Gegner vom Sonntag, den Nürnberg Falcons, fielen die Tests am Anfang der Woche gleich bei zehn Spielern positiv aus. Zuvor spielten die Nürnberger wiederum gegen Phoenix Hagen. Auch in Hagen gibt es insgesamt acht positive Fälle. Das Corona-Virus greift in der Pro A um sich. Unklar erscheint aktuell, wie die Saison weitergehen wird. Im Interview mit dem Sportblitz sprach Ruttmann über die Infektionen bei den Eisbären, etwaige Versäumnisse und Möglichkeiten zur Fortführung der Saison.

Herr Ruttmann, zwei Spieler der Eisbären Bremerhaven sind positiv auf das Corona-Virus getestet worden. Wie geht es den Betroffenen?
Erfreulich ist, dass es einem der beiden gut geht. Er hat keine Symptome. Nicht so erfreulich ist, dass einer klassische Grippesymptome hat. Also heftige Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Fieber. Da sind wir so nah wie möglich dran, um es optimal zu betreuen.
Kann gesagt werden, wo die beiden Spieler sich angesteckt haben?
Nein, da möchte ich ungern den Mediziner spielen, der das sicherlich sagen kann. Auslöser war, dass wir am Sonntag ein Spiel in Nürnberg hatten und die Nürnberger im Nachgang bekanntgegeben haben, dass es dort Infektionen gibt. Entsprechend gehören wir mit unserem Team zur "Kontaktperson eins". Und dementsprechend sind wir zu Tests verpflichtet und haben diese auch schnellstmöglich gemacht. Die sind dann leider so ausgegangen wie es nun der Fall war.
Finden Sie es rückblickend korrekt, dass das Spiel in Nürnberg stattgefunden hat? Für die Infektionsketten gab es ja bereits zuvor Anhaltspunkte.
Ich kann es nur aus Sicht der Eisbären beantworten. Wir hatten diese Informationen im Vorfeld tatsächlich nicht. Die Erstmeldung haben wir erst danach bekommen. Informell gab es zwischen Liga und Klubs auf den kurzen Kanälen Transparenz über den gesamten Prozess vor dem Nürnberg-Spiel. Darüber waren wir nicht informiert. Dementsprechend hatten wir dazu vorher auch keine Meinung. Allerdings wird es jetzt sicherlich auch kontroverser und dynamischer diskutiert werden.
Sie sagen, Sie hatten zuvor keine Meinung. Doch wie fällt diese rückblickend aus?
Wenn wir nach einem Spiel zwölf Infizierte haben, muss es erlaubt sein, zu überprüfen, ob das alles gut gelaufen ist oder nicht. Und dann muss zumindest sichergestellt sein, dass ein derartiger Fehler nicht nochmal passiert. Die Lektion müssen dann alle Beteiligten lernen.
Im Gegensatz zur BBL werden in der ProA die Spieler nicht regelmäßig getestet. Sollte die Saison trotzdem fortgeführt werden?
Alle Klubs müssen sicherstellen, dass ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und eben auch die Spieler gesund sind. Da gehören regelmäßige Testungen dazu. Ehrlich gesagt fände ich es unglücklich, wenn jetzt ein Klub sagen würde: "Ich habe nicht das Geld, meine Spieler regelmäßig zu testen." Ich erwarte, dass ein Klub das stemmen kann und das als erste Priorität für sich erkennt. Es fällt mir schwer, das Argument, hierfür kein Geld zu haben, zählen zu lassen.
Sie würden die Saison also gerne fortführen?
Die Saison hat angefangen und es macht Spaß, zu spielen. Wir durften zweimal vor knapp 500 Fans spielen, das war toll. Wenn die Gesundheit aller Beteiligten gewährleistet ist, ist das natürlich auch ein tolles Ereignis. Das ist allerdings die große Bedingung. Allein in der ProA hatten bereits sechs von 15 Teams bisher eine behördliche Quarantäne von bis zu 14 Tagen. Das führt natürlich jetzt dazu, dass die Tabelle etwas verzerrt ist. Man wird im Auge behalten müssen, wie das weitergeht. Und es muss erlaubt sein, dass man in den Sitzungen mit Vereinen und Liga ergebnisoffen in alle Richtungen denkt.
In welche Richtung tendieren Sie?
Es ist sicherlich so, dass wir nicht über vier oder fünf Monate Geisterspiele spielen könnten. Wirtschaftlich wird das kein Klub stemmen können. Das ist auch von allen Klubs hinterlegt. Wenn das Szenario aus dem November so weitergeht, müssen wir uns überlegen, ob das so weitergeht. Da muss man alle Szenarien bedenken. Gibt es einen vorübergehenden Lockdown light auch im Profisport? Wird die Saison hinten raus verlängert? Wird die Saison verkürzt? Es gibt Sportarten, die Spiele gestrichen haben. Wir haben noch alle planmäßigen Spiele und alle Playoff-Spiele im Plan. Hinten raus haben wir auch noch ein Fenster, um die Saison zu verlängern. Über all das muss man nachdenken.

(Das Interview führte Luca Laube. Aufgezeichnet von Karsten Lübben.)

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Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 12. Oktober 2020, 18:06 Uhr