Interview

7 Fragen an Bremens Basketball-Chefin zur Lage in der Corona-Pandemie

Kim Dauber glaubt, dass die Basketballer erst deutlich später als andere Sportler wieder starten dürfen. Für die Präsidentin des Bremer Verbandes wäre das auch vertretbar.

Eine ältere leere Halle mit einem Basketballkorb, unter dem an der Wand eine Turnmatte befestigt ist.
Die Saison im Bremer Amateur-Basketball ist in der vergangenen Woche annulliert worden. Bild: Imago | Waldmüller
Frau Dauber, vor einigen Tagen hat der Niedersächsische Basketball-Verband (NBV), dem der Bremer Verband angehört, die aktuelle Saison annulliert. Hat Sie diese Entscheidung noch überrascht?
Für mich war relativ absehbar, dass das passieren wird. Wir hatten vor Weihnachten noch die leise Hoffnung, dass wir es noch irgendwie nach hinten schieben und in den Sommer hinein spielen können. Anfang des Jahres war aber abzusehen, dass die Inzidenzen nicht so weit runtergehen werden, dass ein Weiterspielen verantwortungsvoll gewesen wäre.
Portrait Kim Dauber
Kim Dauber ist die Präsidentin Bremer Basketball-Verbandes. Sie hat Verständnis für die aktuellen Maßnahmen und befürchtet nicht, dass die Sportler sich vom Basketball abwenden. Bild: Kim Dauber
Melde- und Strafgelder werden aufgrund der Annullierung zurückgezahlt, insgesamt stellt der NBV ein Maßnahmenpaket in Höhe von 55.000 Euro Höhe zur Verfügung. Inwiefern profitieren die Bremer Vereine davon?
Das wird sich zeigen, aber grundsätzlich haben die Bremer Vereine genau die gleichen Möglichkeiten, dies zu beantragen, wie die Klubs aus Niedersachsen. Wir werden da völlig gleichbehandelt. Vor der Saison haben wir in Bremen bereits gesagt, dass kein Verein Strafgelder zahlen muss. Ganz egal, was passiert und ob er während der Saison das Team zurückziehen muss. Das hätten wir den Vereinen nicht zumuten können. Auch Meldegelder für eine Saison, die letztlich gar nicht gespielt wurde, können den Klubs nicht zugemutet werden. Deshalb werden diese erstattet.
Wie ist die Stimmung in den Vereinen seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie?
Letzten Endes ist es wohl überall gleich. Alle möchten spielen, das ist ja klar. Das Basketballspielen wird vermisst. Aber es überwiegt das Verständnis dafür, dass wir vorsichtig sein müssen. Basketball ist ein sehr intensiver Kontaktsport, der in der Halle und eng am Gegenspieler stattfindet. Es ist einfach nicht vertretbar, zu früh zu spielen. Wohl erst ziemlich zum Schluss wird es für den Basketball Öffnungen geben. Für die Jugendlichen ist es mitunter schwieriger nachzuvollziehen als für die Erwachsenen. Aber das ist vermutlich in allen Bereichen so.
Fürchten Sie, dass dem Basketball mittelfristig Spieler verloren gehen? Könnte ihm gar die gesamte jüngere Generation wegbrechen?
Das glaube ich nicht und sehe es nicht so ganz dramatisch. Diejenigen, die sich für Basketball entschieden haben, werden dabeibleiben und nicht plötzlich zum Tennis oder Fußball wechseln. Basketball ist ja auch eine Sportart, die draußen auf dem Freiplatz gespielt werden kann. Natürlich ist es aber schwierig, den Nachwuchs jetzt an den Sport heranzuführen. Aber das Problem haben derzeit ja alle Sportarten.
Wie sehr könnte es fehlen, dass auch das Basketballspielen im Schulsport aktuell entfällt, sodass die Kinder und Jugendlichen gar nicht erst mit der Sportart in Kontakt kommen?
Ich habe es eher so erfahren, dass die jungen Menschen über Freunde oder Familienmitglieder zum Sport kommen. Basketball ist auch nicht die Sportart, die im Schulsport ganz vorne dabei ist, weil es eben sehr speziell ist. In den Grundschulen wird zum Beispiel wenig Basketball gespielt, weil viele Grundschulhallen gar nicht dafür ausgerichtet sind und die Körbe für die Kinder zu hoch hängen.
Für welchen Zeitpunkt hegen Sie Hoffnungen auf einen Re-Start im Bremer Amateur-Basketball?
Das finde ich aktuell sehr schwierig vorauszusagen. Die Inzidenzen in Bremen stagnieren ja seit geraumer Zeit. Natürlich hoffen wir, dass die besseren Temperaturen wie im vergangenen Sommer etwas Entspannung bringen. Wann das so sein wird, wie es mit dem Impfen vorangeht und ob sich viele junge Menschen impfen lassen – all das kann keiner voraussagen. Wir sind also von vielen Faktoren abhängig.
Der Landessportbund hat ein Fünf-Stufen-Modell für mögliche Öffnungen im Freizeitsport entwickelt. Wie haben Sie dieses aufgenommen?
Das Konzept halte ich für sinnvoll. Es ist ja klar, dass die Outdoor-Sportarten mit dem geringeren Risiko vorgezogen werden. Warum sollen Golf- und Tennisspieler denn genauso lange warten wie Hallensportler? Das kann nicht alles gleichbehandelt werden. Ich finde es auch schön, dass es eine visuelle Marschroute gibt. Klare Regelungen würden den Menschen einfach guttun. Auch wenn noch keiner weiß, wann was greifen wird.

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Video vom 17. Februar 2021
Auf einem Laptop steht in großer Schrift "In fünf Schritten zum "normalen" Sportbetrieb".
Bild: Radio Bremen

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  • Karsten Lübben Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 24. Februar 2021, 23:30 Uhr