Augustinsson: Gekommen, um zu bleiben

Lange Zeit hatte Werder eine Schwachstelle auf der linken Seite. Mit dem schwedischen Neuzugang scheinen nun wieder bessere Zeiten anzubrechen.

Ludwig Augustinsson gestikuliert mit den Armen Richtung der Werder-Fans.
Schon mittendrin im Werder-Kollektiv: Ludwig Augustinsson bejubelt das 3:0 gegen die Würzburger Kickers mit seinen neuen Teamkollegen. Bild: Imago | Jan Huebner

Ludwig Augustinsson überlegte kurz, dann lachte er, aber schließlich traute er sich doch: Seine ersten Worte auf Deutsch, die er gelernt hatte, gab der Schwede zum Besten. Und sie konnten sich hören lassen. "Ich bin Ludwig, ich komme aus Stockholm und wohne in Bremen." Und welchen Satz sagt er derzeit am häufigsten? "Können Sie das wiederholen?" Und wieder lachte Augustinsson herzlich. Dieser 23-jährige Verteidiger ist nicht nur ein guter Typ, er ist auch sportlich ein echter Gewinn für Werder Bremen.

Kaum mehr als einen Monat ist der Schwede in der Hansestadt, aber schon mittendrin. Mit jedem Satz, den Augustinsson sagt, vermittelt er den klaren Eindruck: Er ist gekommen, um zu bleiben. Und nach seinem Auftritt im Pokal gegen die Würzburger Kickers sollte sich Werder wohl mit allen Mitteln bemühen, ihn so lange wie möglich zu halten. Denn endlich scheint sie vorbei zu sein: Die trübe Zeit, in der Werders linke Defensivseite brach lag. Da ist wieder einer, der die linke Spielfeldseite mit allen Eigenschaften eines modernen Außenverteidigers beackert: defensiv sicher und mit viel Tempo im Spiel nach vorne und dazu mit hervorragenden Flanken, die schon jetzt die Werder-Anhänger von glänzenden Zeiten träumen lassen.

Wissbegierig, diszipliniert, ehrgeizig

Dabei hat Augustinsson noch Luft nach oben, aber das dürfte nicht mehr lange dauern. So schnell, wie er bei Werder angekommen ist. Denn der Schwede ist ein Vollblutprofi, wissbegierig, diszipliniert und ehrgeizig ohne Ende – nicht nur beim Deutsch lernen.

Ich bin sehr ehrgeizig – in allem, was ich tue. Auf dem Spielfeld versuche ich, mich immer zu verbessern. Das ist einfach meine Mentalität und das war schon immer so. Sogar beim Kartenspielen: Wenn ich gewinne, ist es kein Problem, aber ich bin ein ganz schlechter Verlierer. Unterm Strich ist das aber eine gute Eigenschaft.

Ludwig Augustinsson, Werder-Profi

Augustinsson will sich so zügig wie möglich weiterentwickeln, und dafür war Werder die richtige Adresse. Spielpraxis bekommen, das Tempo und die Härte der Bundesliga kennenlernen und mit neuen Spielsystemen zurechtkommen. "Ich werde hier sehr viel lernen, und ich werde alles geben, um eine gute Lösung auf der linken Seite zu sein", hofft der Schwede . Mit einem privaten Fitnesstrainer bereitete er sich im Sommer auf die Bundesliga vor. Alles ist bei ihm professionell auf Erfolg ausgerichtet, ohne dass er dabei überheblich wirkt. Im Gegenteil. Bei den Mannschaftskollegen kommt er gut an, nicht nur bei Thomas Delaney, mit dem er gemeinsam beim FC Kopenhagen spielte.

Noch ist ihm Delaney voraus – im Deutsch lernen

"Thomas ist mir weit voraus", meinte er und grinste – natürlich waren die Deutschkenntnisse gemeint. Aber das sei ja auch nicht ganz fair, merkte Augustinsson augenzwinkernd an. Schließlich habe Delaney schon vier Jahre Deutsch in der Schule gehabt und er nur Spanisch. "Aber wenn ich bald zweimal die Woche den Sprachkurs habe und Thomas nur noch einmal, dann hole ich sicher schnell auf", sagte der Schwede amüsiert. Er kann eben nicht aus seiner Haut, alles ist ein Wettbewerb. Am Dienstagabend, da wird er sicher in seiner neuen Wohnung in Bremen sitzen, vielleicht ist der neue Fernseher dann schon angeschlossen – aber das Internet läuft auf jeden Fall: "Ich werde mir sicher das Hoffenheim-Spiel anschauen", sagte Augustinsson. Gegnerbeobachtung in der Freizeit, das hat Seltenheitswert bei Bundesligaprofis. Aber Ludwig Augustinsson will ja auch hoch hinaus. Erst einmal ist er jedoch gekommen, um zu bleiben.

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit Sportblitz, 13. August 2017, 19:30 Uhr