Ex-Pinguins-Profi McPherson baut eigene Eishalle bei Bremerhaven

Was macht ein Eishockey-Spieler, wenn er wegen Corona nicht trainieren kann? Er baut sich eine eigene Eisfläche, dachte sich Ex-Profi-Spieler Andrew McPherson.

Video vom 22. Januar 2021
Ex-Eishockey- Profi Andrew McPherson in einer Eislaufhalle im Interview. Er trägt Handschuhe und hat einen Eishockeyschläger in der Hand.
Bild: Radio Bremen

Fitnessstudios, Sporthallen, Tanzzentren – seit Monaten müssen Sportbegeisterte kreativ werden, wenn ihre Trainingsräume wegen Corona geschlossen sind. Für Fußballer und Tänzer finden sich vielleicht noch Alternativen, aber was machen Eishockeyprofis ohne Eishalle? Richtig, sie bauen sich eine. Das klingt verrückt, ist jetzt aber in Sievern im Landkreis Cuxhaven passiert.

Ein Mann und ein Junge spielen Eishockey.
Papa und Sohn trainieren regelmäßig. Bild: Radio Bremen | Carolin Henkenberens

Der Eishockey-Trainer und frühere Profi-Spieler Andrew McPherson hat bis 2017 bei den Fischtown Pinguins gespielt – jetzt ist sein Sohn Tyger ambitioniert bei der Sache. Und damit sein Sprössling weiter trainieren kann, hat der gebürtige Kanadier seinem Sohn einfach selbst eine Eishockey-Fläche gebaut. 40.000 Euro hat das Trainingscenter gekostet.

Die 100 Quadratmeter große Fläche, auf der Tygers Schlittschuhe gleiten, ist jedoch nicht aus richtigem Eis, sondern aus Plastik. Diese Variante ist mittlerweile durchaus verbreitet, vor allem in wärmeren Ländern. Sportarten wie Eishockey, Eiskunstlauf oder Curling sind darauf möglich – ohne die enormen Energiekosten von konventionellen Eisbahnen. Kunst-Eis soll viele Jahre halten und es ist keine neue Eisschicht notwendig, um Kratzer im Eis wieder zu glätten. Der zehnjährige Tyger ist begeistert: "Es ist genauso wie normales Eis. Da kann man alles drauf tun, wie schießen und passen", erzählt er.

Damit der Sohn eine Chance auf die große Karriere hat

Blick auf mehrere Hantelstangen und Gewichte.
Ein richtiges Fitnessstudio ist neben der Eisfläche aufgebaut. Bild: Radio Bremen | Carolin Henkenberens

Tyger will Profi werden. Und als seinem Vater klar wurde, dass die Pandemie wohl noch länger dauern wird, mietete er eine Halle im Gewerbegebiet, stellte Fitnessgeräte auf, eine Freundin entwarf sogar ein Logo. "Im Juli oder August haben wir angefangen mit der Arbeit. Ich habe mit meiner Frau gestrichen, sie hat mir viel geholfen", erzählt McPherson.

Der 41-Jährige will, sobald Corona es wieder erlaubt, dass hier auch andere Talente trainieren. "Ich will hier was anbieten, auch für Vereine, vielleicht für die Fischtown Pinguins, wenn die wollen. Auch für Hobbymannschaften und Leute, die richtig Lust haben zu sehen, wie das ist, als Profi zu trainieren. Ich kann das zeigen."

Das ist das, was mir für die Zukunft wichtig ist – dass ich helfen kann.

Ein Mann guckt in die Kamera.
Andrew McPherson, Ex-Fischtown-Pinguins-Profi

Ihm gehe es darum, etwas zu schaffen, das er als Kind in Kanada auch gern gehabt hätte. Er möchte sein Wissen an junge Talente weiter geben. "Jetzt ist der Vorteil für Tyger und andere Kinder: Ich habe das schon erlebt. Und ich kann sagen: Hey, mach lieber das und nicht das."

Eishockey-Verein kann Halle gut gebrauchen

Blick auf Trainingsgeräte und Gewichte.
Nach Corona sollen hier auch andere Eishockey-Spieler trainieren können. Bild: Radio Bremen | Carolin Henkenberens

Der Eishockey-Verein REV Bremerhaven, der Stammverein der Fischtown Pinguins, begrüßt das neue Angebot grundsätzlich, denn die eigene Eishalle ist voll: "Es ist so, dass wir hier an unserem Standort in Bremerhaven absolut an unsere Grenzen gestoßen sind, was Kapazitäten angeht, was Eiszeiten angeht. Deswegen ist das total gut, wenn wir da zusätzliche Angebote haben", sagt Präsident Oliver Kleiner. Er schiebt aber direkt hinterher: "Wenn es gelingt, dass wir nicht in eine Konkurrenzsituation eintreten, sondern dass wir miteinander weiter die Entwicklung der Kinder vorantreiben."

Ich will nur, dass Eishockey hier wächst.

Ein Mann guckt in die Kamera.
Andrew McPherson, Ex-Fischtown-Pinguins-Profi

McPherson sagt, ihm gehe es nicht ums Geld. Tyger solle nur die Möglichkeit haben, jeden Tag zu trainieren – und nach Corona sollen dann auch andere diese Möglichkeit bekommen. "Eishockey war immer mein Leben und ist immer noch mein Leben. Und ich will, dass andere Leute hier in Bremerhaven auch die Möglichkeit haben."

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Autoren

  • Carolin Henkenberens Redakteurin und Autorin
  • Sonja Harbers Autorin

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 22. Januar 2021, 18:06 Uhr