Amateursport in Niedersachsen wegen 2G-Plus-Regel fast unmöglich

Bild: Radio Bremen

Während in Bremen die 2G-Regel gilt, sind die Bedingungen in Niedersachsen seit der vergangenen Woche strenger. Das macht den Klubs im Bremer Umland das Leben schwer.

Die Bedingungen für die Freizeitsportlerinnen und Freizeitsportler in Niedersachsen sind durch die 2G-Plus-Regel noch einmal komplizierter geworden. Wer im Fitnessstudio oder in einer Halle Sport treiben will, muss mittlerweile nicht nur geimpft oder genesen sein, sondern darüber hinaus auch noch einen negativen Schnelltest aufweisen, der nicht älter als 24 Stunden sein darf. Nur wer bereits eine Booster-Impfung erhalten hat, muss keinen negativen Schnelltest vorzeigen.

Bei Elvie Schröder ist dies nicht der Fall. Wie sie sagt, wird sie ihre dritte Impfung im Januar erhalten. Um am Montag am Rückenkurs des FTSV Jahn Brinkum teilnehmen zu können, musste die Rentnerin daher vorab draußen in der Kälte erst einen Schnelltest durchführen. Dieser fiel negativ aus, doch allzu oft möchte sie sich diesen Stress nicht antun.

Auf Dauer ist mir das zu aufwendig, das ist ganz klar. Ich habe keine Lust dazu, hier jedes Mal zu sitzen. Jetzt wird es ja auch noch immer kälter.

Elvie Schröder sitzt draußen auf einer Bank und schaut in die Kamera.
Elvie Schröder

Zick-Zack-Kurs macht das Leben schwer

Während im Bremer Amateursport weiterhin die 2G-Regel gilt, muss in Niedersachsen eine weitere Hürde genommen werden. Das wirkt sich auch auf die Teilnehmerzahlen bei den Brinkumern aus. Außer Elvie Schröder nahmen am Montag nur drei weiteren Personen am Rückenkurs teil. Der Zuspruch hat abgenommen, denn das Vorweisen eines negativen Schnelltests als Zugangsbedingung geht vielen zu weit.

Ein Schild weist auf die 2G-plus-Regelung hin.
Wer geimpft oder genesen ist, muss dazu einen negativen Schnelltest vorweisen. Ausnahmen gelten nur für Personen, die bereits die dritte Impfung erhalten haben. Bild: Radio Bremen

Zudem ist den Interessierten oftmals auch gar nicht mehr klar, was denn jetzt überhaupt im Moment noch gilt. Auch Elke Gärtner, Vorstandsmitglied des Klubs, hadert mit den ständigen Veränderungen in den vergangenen Tagen. Die Lage sei sehr schwierig, erzählt sie im Gespräch mit dem Sportblitz, denn seit dem Dienstagabend gebe es andauernd neue Regeln, auf die der Klub sich einstellen müsse. Nachdem beschlossen wurde, dass ab dem Mittwoch die 2G-Plus-Regel gilt, sei erst einmal fast niemand mehr gekommen.

Dann kam im Laufe des Mittwochs die Verordnung, dass wir einen Test vor Ort machen können, den die Sportler mitbringen. Der gilt dann für die Zeit des Sports. Wir mussten diesen Zettel aufbewahren. Am Mittwochabend kam dann die Botschaft, dass man auch einen längeren Test ausstellen kann, der dann für 24 Stunden gilt. Am Freitag nach Dienstschluss kam dann, dass die Geboosterten von der Testung ausgeschlossen sind.

Elke Gärtner während des Interviews.
Elke Gärtner, Mitglied des Vorstands des FTSV Jahn Brinkum

Die Anzahl der Mitglieder geht zurück

Am Montagmorgen stand das Telefon daher kaum noch still, da zahlreiche Mitglieder nachfragen wollten, was denn nun aktuell gelte und was sie noch machen könnten. Die Punktspiele der Handballer, Basketballer, Volleyballer und Tischtennisspieler sind ohnehin bereits abgesagt. Noch steht nicht fest, ob der Trainingsbetrieb erstmal weitergeht, da vorher alle einen Test absolvieren müssten. Der FTSV Jahn Brinkum hat sich darauf eingestellt, wieder vermehrt Online-Kurse anzubieten. Die wiederkehrenden Einschränkungen in der Corona-Pandemie schaden dem Vereinsleben.

Wir werden nochmal Mitglieder verlieren. Wir haben schon durch die ganze Corona-Zeit immer wieder Mitglieder verloren und keine neuen dazubekommen. Immer, wenn es gearde wieder losging und entspannt war, kam die nächste Hiobsbotschaft.

Elke Gärtner während des Interviews.
Elke Gärtner, Mitglied des Vorstands des FTSV Jahn Brinkum

Der TV Falkenberg befindet sich bereits in der Zwangspause

Dennoch will der FTSV Jahn Brinkum trotz der komplizierten Lage im Dezember weiterkämpfen. Anders schaut es derzeit beim TV Falkenberg aus Lilienthal aus, bei dem bereits seit der vergangenen Woche alles stillsteht. "Aufgrund von Corona", erzählt der 1. Vorsitzende Rolf Grotheer, "können wir überhaupt nichts machen. Wir haben alle Übungsleiter angewiesen, das Training einzustellen." Die ständigen Selbsttests seien in der Praxis schlichtweg nicht leistbar gewesen.

Dass ein wenig neidisch auf die Bedingungen in Bremen geblickt wird, bestreitet er nicht. Nach Weihnachten soll es mit dem Sport in der Halle wieder losgehen, doch die dann möglicherweise entstehenden Kosten für die Selbsttests direkt vor Ort sorgen auch für Probleme.

Diese Tests müssen ja auch bezahlt werden. So ein Test kostet vier oder fünf Euro. Wenn das jedes Mitglied bezahlen muss, wird das für jeden Einzelnen auch sehr teuer. Dann bezahlen sie den Beitrag und müssen zusätzlich die Testung bezahlen. Aber wenn das der Verein machen würde, wäre es auch nicht mehr zu tragen.

Rolt Grotheer schaut im Interview in die Kamera.
Rolf Grotheer, 1. Vorsitzender des TV Falkenberg

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Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 6. Dezember 2021, 18:06 Uhr