Das kostet einen Bremer Sportverein die Kontrolle der Corona-Regeln

So reagieren Bremerinnen und Bremer auf die 2G+-Regel im Amateursport

Bild: Radio Bremen

Ab Montag werden die Auflagen verschärft. Für den TuS Huchting bedeutet dies finanzieller Mehraufwand. Wie der TV Eiche Horn ist der Klub aber froh, dass es überhaupt weitergeht.

Der Bremer Amateursport steht aufgrund der derzeitigen Corona-Lage vor neuen Herausforderungen. Ab Montag gilt die 2G-Plus-Regel, sodass in Indoor-Anlagen nur noch Geimpfte und Genesene Sport treiben dürfen, die einen tagesaktuellen Test vorlegen können. Ausgenommen von der Testpflicht sind Personen, die bereits eine Auffrischungsimpfung erhalten haben oder deren Zweitimpfung nicht länger als drei Monate zurückliegt.

Für die Bremer Vereine bedeutet dies ein Mehraufwand. Der TuS Huchting setzt deshalb ab Montag in seiner Fitnesshalle "Kraftwerk 04" in der Stoßzeit zwischen 16 und 20 Uhr eine weitere Person ein, die die Einhaltung der Regeln überprüft. Die Huchtinger ärgert neben der Kurzfristigkeit der neuen Auflagen vor allem der finanzielle Aufwand, der nun auf den Klub zukommt.

Wir haben das Problem, dass wir allein im 'Kraftwerk' ein Drittel mehr Übungsleiter einstellen müssen. Abends haben wir eine Doppelbesetzung. Das bedeutet, dass wir abends doppelte Kosten, aber nicht mehr Leute im Laden haben.

Reinhold Hübner, 1. Vorsitzender des TuS Huchting, im Gespräch mit dem Sportblitz

Lieber Auflagen als Schließung

Den Mehraufwand pro Jahr durch die Corona-Pandemie beziffert Hübner auf 10.000 bis 15.000 Euro. Das Geld für den höheren Personalaufwand durch die 2G-Plus-Regel müsse an anderer Stelle wieder eingespart werden. Ohne staatliche Unterstützung müssten auch die geschaffenen finanziellen Rücklagen angefasst werden. Trotzdem kann Hübner verstehen, dass die Politik zu solchen Schritten greift. "Sehr stinkig bin ich auf die, die sich nicht haben impfen lassen", erzählt er. "Das ist unser Problem, deshalb sind wir in dieser Situation."

Froh ist er allerdings darüber, dass der Klub sein Angebot aufrechterhalten kann und das "Kraftwerk" nicht schließen musste. Auch dies hätte passieren können. Zum Beispiel, wenn der Klub nicht genügend Übungsleiter hätte auftreiben können oder die Testkosten für noch nicht geboosterte Mitarbeitende zu hoch gewesen wären.

Wir müssen da jetzt durch. Und wir hoffen, dass es nicht mehr so lange dauert. Nicht so wie das letzte Mal, als wir den Lockdown hatten. Das war für alle tödlich.

Reinhold Hübner, 1. Vorsitzender des TuS Huchting, im Gespräch mit dem Sportblitz

Nicht alle wollen eine dritte Impfung

Mit der 2G-Plus-Regel kann in Huchting weiterhin Sport getrieben werden. Viele Mitglieder betrifft diese sowieso nicht, das sie bereits eine Auffrischungsimpfung erhalten haben. Aber nicht alle wollen ab Montag wiederkommen. Seyhmus Ayaz erzählt, dass er bereits seit 20 Jahren beim TuS trainiert und dort dreimal pro Woche Sport treibt. Er ist zweimal geimpft, will sich aktuell aber nicht boostern lassen und der Aufwand für einen Test ist ihm zu groß.

Ich finde es schwierig. Man wird gezwungen, die dritte Impfung zu nehmen. Ich werde erstmal auf den Sport verzichten, weil ich mich ab Montag nicht testen lasse, eine Stunde oder länger warte und dann herkomme. Das mache ich nicht.

Seyhmus Ayaz im Gespräch mit dem Sportblitz

Tests würden Trainingszeit kosten

Gelassen wiederum schaut der TV Eiche Horn auf die 2G-Plus-Regel. Karate-Übungsleiter Christoph Thiel sieht gar "keine Alternative" zu ihr. Jeder in der Gruppe würde die Regeln mittragen, um gemeinsam den Sport ausüben zu dürfen, so Thiel. Er ist froh, dass nicht jeder vor einer Einheit immer einen Test absolvieren muss, weil so wichtige Trainingszeit verloren gehen würde. Kirsten Helmers, die seit sechs Jahren Mitglied der Trainingsgruppe ist, hat Verständnis dafür, dass aufgrund der angespannten Lage in Bremen die Anforderungen verschärft werden.

Ich kann es nachvollziehen bei den Inzidenzen und Hospitalisierungsraten, die wir hier in Bremen haben. Ich finde es gut, dass Boostern gilt, sodass nicht jeder zum Test rennen muss. Sonst wäre der Vereinssport tot.

Kirsten Helmers im Gespräch mit dem Sportblitz

Niedersachsen hatte mangels Booster-Impfungen große Probleme

Auch der 1. Vorsitzende Angelo Caraguili ist in Horn vor allem erleichtert. Er glaubt nicht, dass die 2G-Plus-Regel den Klub hart treffen wird und ist glücklich, dass überhaupt weiterhin Sportangebote möglich sind. Da viele Mitglieder bereits geboostert seien, erwartet er keine großen Probleme. Anders als in Huchting soll für die Überprüfung allerdings kein weiteres Personal eingeplant werden. Insgesamt scheint die Lage in Bremen deutlich besser zu sein als zuletzt in Niedersachsen.

Dort wurde die 2G-Plus-Regel für den Amateursport bereits Anfang Dezember eingeführt. Da seinerzeit allerdings noch kaum jemand eine Auffrischungsimpfung erhalten hatte, entstand das große Test-Chaos vor den Einheiten. Vielen Sportlern war der Aufwand auch zu groß, sodass sie eine Pause einlegen wollten.

Niedersächsische Sportvereine klagen über 2G-Plus-Regel

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit sportblitz, 9. Januar 2022, 19:30 Uhr