Werft-Experte: "Das ist die letzte Runde im Poker um die Lloyd-Werft"

Bremer Werft-Experte: "Genting steht das Wasser bis zum Hals"

Bild: Radio Bremen

Auch der Genting-Konzern könne nicht unbegrenzt pokern, sagt Jochen Tholen von der Uni Bremen. Genting sei selber schwer angeschlagen – jetzt gehe es um den Preis.

Der Werft-Experte Jochen Tholen äußert sich sehr verhalten, was die Zukunft der Bremerhavener Lloyd-Wert angeht: "Aus dem einfachen Grund, weil die Betriebsgesellschaft von Lloyd in die Insolvenz gegangen ist. Und die materiellen Werte – Hallen, Gelände – verblieben bei der Besitz-Gesellschaft, die nicht in die Insolvenz gegangen ist. Und die weiterhin Genting gehört", sagte der Experte vom Institut für Arbeit und Wirtschaft bei buten un binnen.

Diese Trennung sei ein wesentlicher Grund, warum Kaufinteressenten, wie beispielsweise die Bremerhavener Rönner Gruppe, bisher nicht zum Zuge gekommen seien.

Es ist seit einem dreiviertel Jahr ein Pokerspiel und wir sind jetzt in der letzten Runde des Pokerspiels.

Jochen Tholen, Institut für Arbeit und Wirtschaft

Eine weitere Runde werde es nicht geben. "Genting will so viel Geld, wie möglich für die Besitzgesellschaft herausholen", sagte Tholen. Der Konzern sei selber schwer angeschlagen und jetzt gehe es um den Preis. Gleichzeitig stehe auch Genting "das Wasser bis zum Halse". Deshalb sei Genting auch nicht unbegrenzt fähig zu pokern.

Keine direkte Hilfe vom Land Bremen

Den bisher geforderten Höchstpreis werde Genting nicht erziehen können, sagte Tholen. Andererseits sei die Frage, wie viel Rönner bereit ist zu bezahlen. Dass sich auch das Land Bremen als möglicher Käufer ins Spiel bringt, schließt Tholen aus. "Ich glaube nicht, dass Bremen sich nochmal in Werten engagiert, das kann ich mir in keinster Weise vorstellen." Allerdings könnte Bremen möglicherweise flankierend wirken durch den Bremen-Fonds, beispielsweise durch die Verbesserung der Infrastruktur auf und neben dem Gelände. "Aber sich direkt finanziell zu engagieren, das schließe ich aus."

Mögliche Perspektiven für die Lloyd-Werft könnten der Ausbau der Offshore-Windkraft und der Umbau der Schiffsflotten auf klimaneutrale Antriebe sein, sagt Tholen. Es werde aber eine Zeit dauern, bis diese Projekte anlaufen. In dem Sinne sei die Lloyd-Wert besser aufgestellt als die drei MV-Werften, die auf Neubauten von Kreuzfahrtschiffen spezialisiert seien: "Der Markt ist im Moment tot für die nächsten Jahre. Umbau und Reparatur – das ehemalige Kerngeschäft der Lloyd-Werft – laufen aber immer", sagt Tholen.

Welche Perspektiven hat die Lloyd-Werft in Bremerhaven?

Bild: Radio Bremen | Patrick Florenkowsky

Autoren

  • János Kereszti
  • Jörn Hüttmann Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 14. Januar 2022, 19:30 Uhr