Interview

Darum könnte Omikron der Anfang vom Ende der Corona-Epidemie sein

Bild: Imago | Christian Ohde

Die Inzidenz im Land Bremen steigt beständig. Die hochansteckende Variante Omikron ist dafür ursächlich. Aber Epidemiologe Hajo Zeeb sieht Licht am Ende des Tunnels.

Seit Tagen erklimmt die Bremer 7-Tage-Inzidenz immer neue Höhen. Mittlerweile liegt das Land nach Angaben des RKI sogar auf dem ersten Platz der Liste der Bundesländer mit der höchsten Inzidenz. Ursächlich ist der hohe Anteil der Omikron-Variante. Zwar ist die Virus-Variante ansteckender als die Delta-Variante, aber sie führt offenbar seltener zu schweren Verläufen. Der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb kann sich vorstellen, dass wir nun den Schritt hin zu einer Endemie erleben.

Herr Zeeb, Omikron verbreitet sich schnell, ist aber nicht so gefährlich. Sie sagen, aus der Pandemie wird eine Endemie. Ist das kurzfristig der Fall?
Das kommt auf den weiteren Verlauf mit Omikron an, aber es wird möglicherweise schneller verlaufen als man es bisher gedacht hat, weil Omikron eben so stark infektiös ist. Es gibt also einen starken Anstieg, eine richtige Wand. Da werden sich nochmal viele Menschen infizieren – das sieht man auch an den Daten. Und dann ist man geimpft oder man hatte Kontakt mit dem Virus oder sogar beides. Das prägt die Gesellschaft und schließlich haben wir eine endemische Situation, in der nicht mehr so viele Ausschläge stattfinden.
Was muss man sich genau vorstellen unter einer endemischen Situation?
Das ist das Gegenteil zur Epidemie mit starken Ausschlägen. Bei einer Endemie ist es so, dass die Erkrankung quasi immer in gewissem Ausmaß da ist. Man kennt das aus tropischen Ländern: Zum Beispiel Malaria ist immer da und es gibt kaum noch große Ausbrüche. Bei uns gibt es auch solche Erkrankungen, die dann saisonal sind und immer mal wieder kommen. In gewissem Rahmen gehört auch die Grippe dazu, die allerdings auch in Epidemien umschlagen kann, wenn es zu einer sehr großen Zahl an Erkrankungen kommt. Es kann also durchaus immer aus einer Endemie auch eine Epidemie mit vielen neuen Fällen werden.
Kann man sagen, eine Endemie wäre zwar ärgerlich, aber hinnehmbar?
Im besten Fall ist das so. Ärgerlich ist es dann immer noch für Menschen, die erkranken und darunter leiden. Die wird es weiterhin geben, aber eben nicht mehr in einem so großen Ausmaß wie wir es jetzt sehen. In einer Endemie kann das Gesundheitswesen damit umgehen und die Lage besser in die Routineversorgung integrieren. Aber es muss sich erst zeigen, auf welchem endemischen Niveau sich das dann einpendelt und wie die Krankheit dann permanent bei uns ist.
Hat man aus wissenschaftlicher Sicht wegen Omikron die Lage mehr in den Griff bekommen?
Wir werden zunächst mal noch von Omikron überrannt werden, weil sich eine große Anzahl von Menschen infizieren. Aber auf Dauer kann es schon so sein. Wissenschaftlich gesehen ist das nun ein Verlauf mit hohen Zahlen, die dann runter gehen und beständig da sind. Wir alle haben dann eine Grundimmunität und mit folgenden Infektionen kann man schließlich gut umgehen.
Ist die Gefahr durch Omikron denn Ihrer Ansicht nicht mehr so groß?
Im Moment sind wir dabei, die Gefahr in den Griff zu bekommen. Noch ist es nicht ganz so. Und natürlich haben wir auch erlebt, dass es immer wieder neue Varianten gibt. Das kann auch nach Omikron noch passieren. Aber es ist nicht ganz so wahrscheinlich, dass nochmal eine deutlich ungünstigere Variante auftaucht. Dennoch sollte man mit Vorsicht in die Zukunft schauen.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 2. Januar 2022, 19:30 Uhr