Warum die Zeit so schnell verfliegt

Eben war noch Herbst und – schwupps – ist schon wieder ein Jahr vorbei. Viele haben das Gefühl, die Zeit fliege nur so. Die Gesundheitspsychologin Sonia Lippke erklärt, wie es dazu kommt.

Illustration verschiedener Uhren.
Zeit ist nicht gleich Zeit. Manchmal rast sie, manchmal geht sie einfach nicht vorbei. Bild: Imago | Ikon Images
In einer Straßenumfrage unserer Radiokollegen gaben viele Menschen an, das Jahr sei wie im Flug vergangen. Hören Sie so etwas oft?
Ja, das ist eine ganz typische Empfindung. Am Ende des Jahres überlegen sich viele Menschen, was sie sich für das kommende Jahr an guten Vorsätzen vornehmen wollen – und merken dabei, dass sie viele Vorsätze des vergangenen Jahres noch gar nicht umgesetzt haben. Dafür machen sie oft die mangelnde Zeit verantwortlich.
Sonia Lippke
Die Gesundheitspsychologin Sonia Lippke arbeitet an der Jacobs University. Bild: Jacobs University
Viele Menschen geben auch an, die Zeit vergehe mit zunehmendem Alter schneller. Können Sie dieses Phänomen erklären?
Diese Empfindung hat viel damit zu tun, welche Relation zur Zeit man selbst hat: Ist man schon älter, hat man bereits viele Jahre gelebt. Ein weiteres Jahr wirkt dadurch als Zeitspanne kürzer als etwa in jungen Jahren. Manche Menschen blicken auch unbewusst nach vorne und schätzen ihre eigene Restlebenszeit ein. Sind das nach eigener Einschätzung nur noch wenige Jahre, kann dies je nach Persönlichkeit den Eindruck natürlich verstärken.
Hat auch ein erhöhter Arbeitsdruck Einfluss darauf, dass viele von uns glauben, die Zeit eile davon?
Die Arbeitsbelastung ist im Vergleich zu früheren Jahrzehnten gar nicht gestiegen. Dank Tarifverträgen und Arbeitnehmerschutz stehen viele Menschen hier sogar besser da. Aber die Digitalisierung hat dazu geführt, dass wir uns im Arbeitsleben sehr oft mit Veränderungen konfrontiert sehen: einem neuen Computerprogramm, neuen Abläufen. Das verstärkt das subjektive Zeitempfinden, dass alles schneller ablaufe. Ähnlich wirkt sich übrigens das Gefühl aus, überall dabei sein zu müssen.
Was meinen Sie damit?
Für viele Menschen bedeutet die Vermischung von Arbeit und Freizeit, die wir in zahlreichen Jobs erleben, Stress. Wir beantworten abends noch schnell e-Mails vom Chef, schauen auch am Wochenende noch mal in den Firmenaccount. Und im Hintergrund schreien die Kinder. Aber auch auf der Arbeit checken wir oft nebenbei heimlich Whatsup-Nachrichten der Freunde. Für diese Art von Multitasking sind wir einfach nicht gemacht.
Was kann man denn tun, wenn man sich von der Zeit gehetzt fühlt?
Es geht darum, achtsamer mit sich umzugehen. Es hilft, wenn man versucht, sich auf die Dinge, die man gerade tut, zu konzentrieren. Außerdem sollte man sich Zeit zur Erholung gönnen, das Wochenende als solches also auch ernst nehmen. Es hilft auch, gelegentlich das Handy auszuschalten.
  • Tanja Krämer

Dieses Thema im Programm: Radio Bremen Eins, 27. Dezember 2017, 9:26 Uhr