Interview

Mehr Infektionen durch Zecken: So ist die Lage in Bremen und umzu

Audio vom 20. Mai 2021
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Bild: Radio Bremen
Bild: Imago | Blickwinkel

Noch nie gab es so viele FSME-Erkrankungen durch Zecken in Deutschland wie im vergangenen Jahr. Die Blutsauger rücken vom Süden zunehmend in den Norden vor.

Sie sind ja irgendwie eklig, aber das ist ja noch nicht mal das Schlimmste: Zecken übertragen gefährliche Krankheiten wie Borrelliose oder Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME. Warum mehr Menschen an FSME erkrankt sind und wie man sich auch in Bremen und dem Umland am besten vor Infektionen durch Zecken schützt, hat Dr. Masyar Monazahian, Virologe des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes, Bremen Zwei erklärt.

Herr Dr. Monazahian, warum sind im letzten Jahr so viele Menschen an FSME erkrankt?
Zum einen gab es viel mehr Zecken, aber ich denke auch, dass sich coronabedingt mehr Menschen in der freien Natur aufgehalten haben. Spaziergänge, Wandern, Fahrradfahren — dadurch hatten wir auch einen höheren Zeckenkontakt. Das Ganze noch in Risikogebieten und dann kommen diese Zahlen zustande.
Woran merkt man denn, ob man FSME hat?
Die FSME-Symptome sind ähnlich wie bei einer Grippe. Man bekommt zunächst einen Fieberschub, dann folgt meistens ein Intervall, bei dem erstmal nichts passiert und danach gibt es noch einen Fieberschub — bis zu 40 Grad. Außerdem sind Symptome Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und sogar Entzündungen des Gehirns. Nach solchen Symptomen sollte man also gleich den Hausarzt anrufen und auch an FSME denken.

Wie man Zecken entfernt – und wie nicht

Was hilft gegen Zecken und was nicht Zeckenkarte Zeckenzieher Pinzette Öl Eiswürfel Klebstoff Mit Fingern entfe r nen
Quelle: Prof. Dr. Ute Mackenstedt, Uni Hohenheim
Eigentlich lagen die Risikogebiete eher in Süddeutschland — hat sich das verändert?
Ja, das beobachten wir seit einigen Jahren. Wir haben, was FSME angeht, immer mehr einen Süd-Nord-Drift. Mit dem Landkreis Emsland haben wir in Niedersachsen seit 2019 durch das Robert-Koch-Institut ein Risikogebiet für die FSME ausgewiesen bekommen. Es ist schon etwas in Bewegung. Auch in anderen Gebieten sehen wir immer wieder Fälle, die dann allerdings nicht für das RKI ausreichen, um ein Risikogebiet daraus zu machen.
Portrait von Masyar Monazahian
Dr. Masyar Monazahian ist Virologe des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes. Bild: DPA | Sebastian Kahnert
Wie sieht das denn in Bremen aus?
Bremen ist noch verschont: Seit 2001 gab es keinen einzigen registrierten FSME-Fall. Zecken gibt es aber trotzdem und man muss auch an die anderen Infektionskrankheiten denken, die von ihnen übertragen werden.
Für wen ist es empfehlenswert, sich gegen FSME impfen zu lassen?
Empfohlen wird es von der STIKO (Ständige Impfkommission), wenn man in ein Risikogebiet fährt. Dann sollte man wirklich an eine FSME-Impfung denken. Die Gebiete sind alle ausgewiesen. Aber auch in Nicht-Risikogebieten solle man, wenn man sich viel in der freien Natur aufhält — beruflich oder freizeitbedingt — abwägen, ob man sich nicht auch gegen FSME impfen lässt.
Wie hoch ist denn überhaupt das Risiko, nach einem Zeckenbiss an FSME zu erkranken?
Genaue Zahlen haben wir eigentlich nur aus den Risikogebieten: Da geht man davon aus, dass etwa 0,1 bis 5 Prozent der Zecken dieses Virus in sich tragen. Bei den Nicht-Risikogebieten kann man leider nicht festmachen, wie hoch das Risiko ist. Bei der Borrelliose wissen wir, dass 6 Prozent der Infektionen wirklich zu einer Erkrankung führen, aber nicht unbedingt schwerwiegend.
Wie schütze ich mich am besten vor Zecken? In den Keller gehen kann ja auch nicht die Lösung sein.
Nein, man sollte sich natürlich so viel wie möglich in der freien Natur aufhalten. Wichtig ist nur, dass man sich nach dem Aufenthalt nach Zecken absucht. Vorbeugend kann man auch Zeckenabwehrmittel auf die Haut und auch auf die Kleidung auftragen — bedenken sollte man aber, dass diese Mittel nur eine begrenzte Wirkzeit haben. Wenn dann doch mal eine Zecke gestochen hat, sollte man erstmal Ruhe bewahren und sie mit einer Pinzette oder etwas anderem vorsichtig herausziehen, die Stichstelle desinfizieren, beobachten und bei Krankheitssymptomen, die nach einer Woche auftreten, den Hausarzt aufsuchen.

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Autorin

  • Marion Cotta Moderatorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei,  20. Mai 2021, 13:10 Uhr