So streuen Bremer richtig ohne Salz

Wenn es schneit müssen Grundstückseigner in Bremen Geh- und Radwege freimachen. Auf Salz müssen sie dabei eigentlich verzichten. Verkauft wird es dennoch.

Video vom 5. Februar 2021
Tüte und Eimer mit Streusalz
Bild: Radio Bremen | Heike Kirchner
Bild: Radio Bremen | Heike Kirchner

Der Griff im Super- oder Baumarkt ist schnell getan: Ein Taumittel für den Fußweg muss her. Der erstbeste Beutel enthält: im Zweifel Salz. Nach wie vor ist es ein häufig angebotenes Produkt. Bei einem der große Baumärkte etwa werden einem sogar bei der gezielten Internet-Recherche mit dem Namen eines salzfreien Streumittels darüber fünf Salze präsentiert: "Aktuelle Bestseller aus der Kategorie".

Doch benutzen dürfen es Privatpersonen eigentlich nie, bestätigt der Sprecher des Bremer Umweltressorts, Jens Tittmann: "Ausnahmen gelten nur für Extremsituationen, die selten vorkommen."

Der Blick ins Gesetzbuch

Das wird in Paragraf 41 des Landesstraßengesetztes so definiert: "Salze und salzhaltige Streumittel dürfen nur in geringen Mengen und nur bei Glatteis sowie zum Auftauen festgetretener Eis- und Schneerückstände gestreut werden." Da mag man sich noch denken: Geht doch. Der folgende Satz des Gesetzes aber stellt klar:

Bei Straßen, in denen Bäume stehen oder die auf anliegende begrünte oder baumbestandene Grundstücke entwässert werden, dürfen Salze oder salzhaltige Streumittel nicht verwendet werden.

Symbol Paragraph
Bremisches Landesstraßengesetz (BremLStrG), Paragraf 41 Absatz 6

Das ist klar ein eindeutig. Kein Salz, wenn es ins Erdreich versickern kann. Tittmann fasst es so zusammen: "Der Verkauf von Streusalz ist nicht verboten, der Einsatz sehr wohl."

Eine Nahaufnahme von Sand.
Sand. In vielen Fällen reicht der schon, um glatte Flächen nach dem Schneefegen stumpf zu mahcen. Bild: Radio Bremen

Beim Kauf sollte also tunlichst der andere Sack gegriffen werden, der mit dem Abstumpfungsmittel. Der Markt kennt da einiges. Von Sand über Lavabruch bis zu Granulaten etwa aus Kalkstein, die nach Herstellerangaben nach dem Winter sogar als Bodenverbesserer wirken. Auf den Seiten des Blauen Engels gibt es eine umfangreiche Übersicht an salzfreien und umweltverträglichen Streumitteln.

Alternativen für Radwege im Versuch

Die Stadtreinigung Hamburg (SRH) geht derweil neue Wege. Dort ist jetzt ein Versuch angelaufen, mit welchen salzfreien Mitteln die Stadt zuverlässig die Radwege rutschfest hinbekommen kann. Ausprobiert werden dort drei Produkten mit exotischen Namen: Kalzium-Magnesium-Acetat, Natriumformiat und Kaliumacetat. Diese drei Mittel werden auf einem Testfeld verteilt sowie auf einem Vergleichsfeld das herkömmliche Streusalz. Die Wirkung wird sowohl wissenschaftlich als auch eher subjektiv ermittelt: "Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer werden dann gebeten, die Strecke abzufahren und die Tauwirkung zu bewerten," erläutert SRH-Chef Rüdiger Siechau.

Radfahrer fährt über verschneiten Radweg am Osterdeich
Was wirkt außer Streusalz und Sand gut auf Radwegen? Hamburg sucht Alternativen. Bild: Radio Bremen | Rainer Krause

Bei der Bremer Stadtreinigung ist der Versuch bekannt und wir interessiert beobachtet, so Sprecher Torben Kapp. "Eigene Test mit anderen Streumitteln sind derzeit aber nicht geplant," sagt er. Da man ja nicht in Konkurrenz zueinander steht, gebe es zu vielen Themen enge Kontakte unter den kommunalen Reinigungsbetrieben in Deutschland. Bisher streut die Bremer Stadtreinigung auf Radwegen mit Sand; bei starken Wintereinbrüchen auch mal mit einem Sand-Salz-Gemisch.

Tipps vom Räum-Profi

Bei den privaten Winterdiensten ist Salz ebenfalls tabu, sagt Michele Hust, Chef der "Bremer Saubermänner": Bei ihm ist Split das Mittel der Wahl, Salz wird nur in geringen Mengen beigemischt, wenn die Stadt das etwa nach Eisregen freigibt oder aber in Absprache mit dem Auftraggeber auf Schrägen wie etwa Behindertenrampen. Abstumpfende Mittel haben daneben den Vorteil, immer zu wirken, betont Hust. Salz dagegen wirkt nur bis zu wenigen Minusgraden, danach taut es gar nichts mehr auf. Er gibt noch Profitipps: Trockenen Schnee lieber fegen, nassen schieben. Und da mit einem Holzschieber, der seine Kante immer selbst nachschärft. Die Kunststoff-Schieber gehen kaputt oder seien unnötig laut. Außerdem: Immer gleich ausreichend breite Wege räumen. Wenn der zur Seite geschobene Schnee erstmal kurz antaut und dann wieder gefriert, entsteht ein Wall, der mit nichts mehr zu entfernen ist.

Trügerische Sicherheit

Die kommerziellen Winterdienste sind dabei nicht nur praktisch. Sie werben auch mit dem Argument, dass der Kunde mit dem Auftrag seine Verpflichtung zum Räumen sauber abgegeben hat und damit auch aus der Haftung raus sei, wenn sich jemand vor der Tür auf dem Eis doch die Hacken bricht. Das gilt so in allerletzter Konsequenz jedoch nicht, macht der Sprecher des Umweltressorts, Tittmann, klar: Wer als Anlieger bemerkt, dass der Räumdienst noch nicht zur Schaufel gegriffen hat, sei wieder in der Haftung drin. Tittmann: "Dann ist man verpflichtet, erstmal selbst die Gefahr zu beseitigen."

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Autor

  • Karl-Henry Lahmann

Dieses Thema im Programm: buten un binnen Wetter, 5. Januar 2021, 19:58 Uhr