Warum gibt es nicht mehr "Wesertaxis" in Bremen?

Seit Montag verbindet eine Fähre Überseestadt und Weserstadion. Schon vor Jahren wurde über andere Verbindungen auf dem Wasser diskutiert. Doch Experten winken ab.

Eine Fähre in der Weser
Seit dem 2. Juli pendelt pendelt die Hal Över-Fähre "Alma" montags bis freitags zwischen dem Weser-Stadion und dem Landmark-Tower.

Ein regulärer Linienverkehr mit Schiffen, die längs der Weser pendeln: Mit dem Wesertaxi zwischen dem Weserstadion und dem Landmarktower in der Überseestadt ist das nun Realität. Vier Monate soll die "Alma" der Schifffahrtsgesellschaft Hal Över Passagiere über das Wasser transportieren, danach wolle man schauen, wie das Angebot angenommen wurde, sagt Initiator Carsten Meyer-Heder, CDU-Spitzenkandidat und IT-Unternehmer mit Firmensitz in der Überseestadt. Aber warum fahren in Bremen eigentlich nicht mehr Wassertaxis?

Die Idee für einen solchen Fährverkehr gibt es in Bremen schon lange. So wurde bereits im Jahr 1994 ein Verkehrsplanungsbüro mit einer Machbarkeitsstudie zu einer Fährverbindung zwischen Blumenthal und dem Weserwehr beauftragt. Und im Verkehrsentwicklungsplan 2025 spielten die Experten eine solche Fährverbindung noch einmal mit aktuellen Berechnungen durch.

Eine Fähre zwischen Blumenthal und Weserwehr: So waren die Planungen

Weserbus Bremen WESERWEHR MARTINI-ANLEGER STEPHANITORSBOLLWERK WOLTMERSHAUSEN ÜBERSEESTADT WATERFRONT HASENBÜREN MITTELBÜREN VEGESACK BLUMENTHAL FAHRTZEIT: 79 MINUTEN NOCH BENÖTIGTE ANLEGER VORHANDENE ANLEGER CA. 600 CA. 900 - 1.100 CA. 100 ERWARTETE PASSAGIERE PRO WERKTAG:
Quelle: VEP Bremen 2025

Dennoch wurde das Konzept nie umgesetzt. "Wir haben schon damals nicht für eine solche Fährverbindung plädieren können", sagt Klaus Schäfer-Breede vom Büro für Verkehrsökologie. Er war vor 25 Jahren maßgeblich an der Machbarkeitsstudie beteiligt und hat auch die Berechnungen des Verkehrsentwicklungplans verfolgt. "Auch heute sprechen noch so viele Gründe dagegen, dass man es eher als Wunschdenken bezeichnen muss, dass so ein Angebot in Bremen funktionieren könnte."

1 Kosten

Allein für den Bau der noch fehlenden Anleger rechnet das Verkehrsressort mit über vier Millionen Euro. Der Betrieb der Fähre würde laut der Planung knapp acht Millionen Euro kosten. Denn bei einer 30-Minuten-Taktung bräuchte man beispielsweise sechs Schiffe mit jeweils mindestens zwei Besatzungsmitgliedern. "Dagegen ist der Betrieb einer Straßenbahnlinie deutlich günstiger", sagt Schäfer-Breede.

Vier Euro kostet eine Fahrt mit dem aktuellen Wesertaxi, 6,50 Euro hin und zurück. Dafür darf man mit dem Ticket noch drei Stationen Bus und Bahn fahren. "Das dürfte für viele Bremer schon zu teuer sein", sagt Schäfer-Breede. Damit die Fähre für Passagiere attraktiv würde, müsste sie zudem in das Angebot des öffentlichen Nahverkehrs integriert werden, sagt Jens Tittmann vom Verkehrsressort. Dazu seien hohe Zuschüsse notwendig. "Angesichts der Tatsache, dass man etwa mit Straßenbahnen deutlich mehr Passagiere transportieren kann, stellt sich hier die Frage, welche Prioritäten eine Stadt wie Bremen setzen sollte", sagt Schäfer-Breede.

Wesertaxi in die Überseestadt: So war der erste Tag

Das Wassertaxi "Alma" mit seinem Kapitän im Fahrerhaus.

2 Fahrgäste

Für den Verkehrsentwicklungsplan berechneten Experten aufwändig die Zahl der zu erwartenden Passagiere auf einer solchen Fährverbindung. Die Ergebnisse sind ernüchternd: Zwischen Blumenthal und Vegesack rechnen sie an Werktagen mit durchschnittlich 600 Personen, zwischen Vegesack und dem Martini-Anleger mit maximal 1.100 Personen. Die restliche Strecke bis zum Weserwehr wäre laut der Prognosen mit nur 100 Fahrgästen sehr gering frequentiert. Zum Vergleich: Auf der Linie 3 registriert die BSAG pro Tag 33.000 Passagierfahrten.

Es sei daher spannend, welche Fahrgastzahlen bei dem aktuellen Überseestadt-Shuttle erzielt werden, so Verkehrssenator Joachim Lohse.

Wir verfolgen das Projekt mit hohem Interesse und wären sehr daran interessiert, an den Ergebnissen dieses Testlaufs teilzuhaben, um diese Daten in unsere interne Kalkulation einfließen lassen zu können.

Joachim Lohse, Senator für Verkehr

3 Fahrtdauer

Die Hal Över-Fähre Alma fährt im Durchschnitt zwölf Kilometer pro Stunde. Anlegen und Ablegen dauert ebenfalls seine Zeit. "Für Pendler, die im Regelfall möglichst schnell von einem zum anderen Ort kommen wollen, ist Zeit ein sehr entscheidender Faktor", so Schäfer-Breede. Schnellboote, wie es sie etwa in London oder Sydney gebe, könnten in Bremen nicht fahren. Dazu sei die Weser zu schmal und zu stark durch Industrieverkehr, querende Fähren oder auch Paddler frequentiert. Fährverkehr längs der Weser sei daher in Bremen kaum konkurrenzfähig zu Auto, Straßenbahn oder dem Drahtesel.

Eine Fähre fährt über die Weser
Eine Fährfahrt ist zumindest im Sommer eine angenehme Art zu reisen. Bild: Hal Över

Gibt es eine Alternative?

Statt einer Verbindung entlang der Weser plädieren Schäfer-Breede und die Experten des Verkehrsressorts für mehr Querverbindungen, entweder durch Brücken oder aber durch Fährverkehr. "Solche Querungen könnten Pendlern durchaus eine Zeitersparnis bringen und so auch die Verkehrswege entlasten", sagt Schäfer-Breede. Mit der Weserfähre, die das Lankenauer Höft mit der Waterfront und der Überseestadt verbindet, ist hier ein erster Schritt erfolgt. "Solche Angebote müssten natürlich verstetigt werden, damit sie sich in den Alltagsroutinen etablieren."

Eine solche dauerhafte Fährverbindung wurde im Verkehrsentwicklungsplan 2025 ebenfalls durchgerechnet: Demnach würde der Bau eines neuen Anlegers in Woltmershausen etwa 750.000 Euro kosten, die jährlichen Betriebskosten lägen bei rund einer Millionen Euro – bei zu erwartenden 700 Passagierfahrten zwischen Woltmershausen und Überseestadt pro Tag. Das Verkehrsressort würde einen entsprechenden Fährverkehr darum gerne einrichten – allerdings nur bei "maximaler Mittelverfügbarkeit".

  • Tanja Krämer

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 2. Juli 2018, 19:30 Uhr