Interview

Braucht Deutschland einen eigenen Weltraumbahnhof an der Küste?

Die deutsche Industrie wünscht sich einen Startort in Deutschland. Im Gespräch ist unter anderem Nordholz in Niedersachsen. Was hält man bei Bremens Raumfahrtkonzern OHB davon?

Eine Raktete beim Start.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie hält einen Weltraumbahnhof an der Küste für sinnvoll. Von dort könnten Satelliten mit kleineren Raketen ins All gebracht werden. Als möglicher Standort wird unter anderem auch Nordholz in Niedersachsen genannt. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) will nun prüfen lassen, ob ein Ort in Deutschland als Weltraumbahnhof überhaupt geeignet ist.

Der Satellitenbauer OHB ist einer der größten Raumfahrtkonzerne Europas und hat seinen Unternehmenssitz in Bremen. Wir haben dem OHB-Pressesprecher drei kurze Fragen gestellt. Er zeigte sich von der Idee eine Startrampe in Norddeutschland durchaus angetan.

Günther Hörbst ist Sprecher des  Luft- und Raumfahrtunternehmen OHB in Bremen.
Günther Hörbst ist Sprecher des Luft- und Raumfahrtunternehmens OHB in Bremen.
Herr Hörbst, wie beurteilt das Unternehmen OHB die Idee, in Nordholz einen Weltraumbahnhof zu errichten?
Wir finden diesen Vorschlag sehr positiv. Es ist gerade in Deutschland ein Thema, da viele Initiativen der sogenannten Micro-Launcher den Markt bedienen sollen. (Anm. d. Red. Micro-Launcher bezeichnet eine kleine Rakete, die darauf ausgerichtet ist, günstig kleine Satelliten ins Weltall zu transportieren).
Wäre ein Standort in Äquator-Nähe nicht sinnvoller, da die Rakete wegen der Erdrotation besser starten kann?
Für große Satelliten ist das tatsächlich ein Argument. Wir sprechen hier allerdings von Klein-Satelliten. Da ist der Vorteil mit einem äquatornahem Startort nicht mehr so ausschlaggebend. Deshalb ist ein Startplatz in Deutschland durchaus denkbar. Es wäre ein souveräner Zugang für deutsche Micro-Launcher-Anbieter.
Was würde ein Weltraumbahnhof in Nordholz für den Luft- und Raumfahrtstandort Bremen bedeuten?
Für Bremen bedeutet das, bezogen auf das Unternehmen OHB, dass wir auch gerade einen Micro-Launcher entwickeln. Dieser Standort ist Haus und Hof des Entwicklungsprojekts, das 2020/2021 seinen ersten Flug machen wird und ein großes Marktsegment bedient. Es gibt weitere Initiativen in Deutschland, die auch diesen Markt bedienen. Deshalb wäre das für deutsche Micro-Launcher-Anbieter hoch attraktiv.

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 21. Oktober 2019, 19:30 Uhr