Bremerhavener Imker: "Bienen sind nicht schwarz-gelb"

Viele Menschen verwechseln Wespen und Bienen, sagt Imker Andreas Bredehorn. Zum Weltbienentag erklärt er, was Bienen auszeichnet und wieso sie so wichtig sind.

Andreas Bredehorn ist in einem Schutzanzug gekleidet und hält Bienenwaben hoch
Vermittelt in Workshops Wissen über Bienen und andere Insekten: Imker Andreas Bredehorn aus Bremerhaven. Bild: Radio Bremen | Carolin Henkenberens

Als Andreas Bredehorn den Deckel von dem Bienenkasten hebt, wimmelt es. Rund 60.000 Tiere leben in diesem Volk, hier auf dem Dach eines Hotel-Nebengebäudes am Neuen Hafen in Bremerhaven. Doch zu hören ist von den Bienen erst einmal fast nichts. Nur das Zwitschern der Vögel durchzieht die Stille.

Ganz ruhig tummeln sich die Bienen auf den Waben. Bredehorn trägt eine Imkerjacke mit Gesichtsschutz und drückt auf einen Smoker, der aussieht wie eine Teekanne mit kleinem Blasebalg dran. Es strömt ein Rauch heraus, aus Lavendel- und Rosenzweigen. Er soll die Bienen beruhigen. Doch heute scheint der gar nicht notwendig. "Man sieht wie friedlich sie sind", sagt Bredehorn.

Bienen summen ganz stark, wenn sie sich bedroht fühlen. Und in dem Fall hier fühlen sie sich überhaupt gar nicht bedroht. Ganz im Gegenteil, wir können sogar mit der Hand rangehen."

Imker Andreas Bredehorn

Andreas Bredehorn, 34 Jahre alt, imkert schon seit zehn Jahren. Mehr als 50 Bienenvölker hat er. Sie stehen in Bremerhaven auf Dächern von Hotels, Unternehmen oder an Schulen. Hauptberuflich arbeitet er im Hafen. Über die von ihm gegründete spendenfinanzierte Stiftung "Hafenbiene" gibt er Kurse für Kinder und Vereine.

Damit will er dafür sensibilisieren, welch große Bedeutung Bienen für das Ökosystem haben. Beim Sammeln von Nektar bleiben an Bienen nämlich Pollen kleben, die sie bei der nächsten Blüte wieder verteilen. Laut Umweltbundesamt sind rund 80 Prozent aller Pflanzenarten auf eine solche Fremdbestäubung angewiesen, wiederum 80 Prozent davon werden von Bienen bestäubt. Gerade für die Landwirtschaft haben sie eine wichtige Rolle.

Alles, was auf dem Tisch liegt, nicht nur Obst und Gemüse, sondern auch das Fleisch, weil was die Tiere zu fressen kriegen, wurde schon mal von den Bienen bestäubt. Daher sind Bienen so wichtig für uns."

Andreas Bredehorn

Doch Bienen sind bedroht, besonders Wildbienen. Dazu tragen auch chemische Pflanzenschutzmittel und Überdüngung bei. Aus diesem Grund haben die Vereinten Nationen auch den Weltbienentag ins Leben gerufen. Am 20. Mai jeden Jahres soll an die besondere Bedeutung des Insekts erinnert werden.

In den Workshops von Andreas Bredehorn geht es auch darum, mit Missverständnissen aufzuräumen: dass Bienen eben orange-schwarz oder bräunlich-schwarz sind. "Gelb-schwarz, wie man es so kennt, sind Wespen", sagt Bredehorn. Und gerade weil so viele Leute Wespen mit Bienen verwechseln, hätten Bienen zu Unrecht den Ruf, aggressiv zu sein.

Das, was Kinder im Schul-Unterricht theoretisch lernen, kann Bredehorn in seinen Bienenkästen zeigen. Zum Beispiel den Tanz der Bienen, mit dem sie ihre Nahrungsquelle kommunizieren. Er hat aber auch viele überraschende Fakten parat:

  • Ein Bienenvolk hat immer nur eine Königin, sie ist deutlich größer als die anderen Bienen und legt etwa 2000 Eier am Tag. Somit sterben aber auch viele Bienen jeden Tag.
  • Die gewöhnliche Lebensdauer einer Biene beträgt etwa sechs Wochen
  • Wenn Bienen neu schlüpfen, sind sie behaart. Diese Haare verlieren sie mit der Zeit.
  • Männliche Bienen nennt man Drohnen. Sie sind dicker als weibliche und haben keinen Stachel.
  • Wenn Bienen stechen, sterben sie – im Gegensatz zu Wespen.
  • In ihren letzten Lebenstagen verlässt die Biene ihr Volk und stirbt außerhalb. So hält sie ihr Volk sauber. Vögel ernähren sich von den toten Tieren.
  • Eine Biene produziert nur etwa zwei Teelöffel Honig in ihrem Leben.
Die Bienenkönigin ist mit einem grünem Punkt markiert
Die Bienenkönigin ist mit einem grünem Punkt markiert Bild: Radio Bremen | Carolin Henkenberens

In Zukunft möchte Bredehorn seine Workshops an einem festen Standort im Speckenbütteler Park in Bremerhaven anbieten. Der Magistrat hat kürzlich nach ausführlicher Diskussion seine Zustimmung verkündet. Die Stiftung Hafenbiene solle einen Pachtvertrag für fünf Jahre bekommen, es dürfen Container und Toiletten aufgestellt werden.

Als der Bienenkasten eine Weile geöffnet ist, Wind und dunkle Regenwolken aufziehen, machen sich die Bienen dann doch noch bemerkbar. Plötzlich summt es überall, die Tiere setzen sich auf Bredehorn. Deshalb lässt der Imker sie nun wieder in Ruhe und schließt den Kasten.

Die Bienen – ein emsiges Volk (1964)

Video vom 4. Mai 1964
Biene an einer Wabe
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Carolin Henkenberens Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 20. Mai 2021, 17.20 Uhr