Sturmschäden: Was zahlt die Versicherung?

Das Orkantief Xavier hat im Norden Bäume umgerissen, den Zugverkehr lahmgelegt, Dächer abgedeckt und Autos beschädigt. Aber welche Versicherung deckt die Schäden ab? Und ab welcher Windstärke zahlt die Versicherung überhaupt? Wir beantworten wichtige Fragen.

Ein dicker abgerissener Ast liegt an der Schlachte.
Ab welcher Windstärke zahlen Versicherungen?
Die Versicherungen zahlen erst, wenn ein Sturm mindestens Windstärke 8 erreicht hat. Das entspricht einer Geschwindigkeit von mindestens 62 Kilometern pro Stunde.
Sollte es mal weniger eindeutig sein, kann man sich beim Deutschen Wetterdienst die Informationen zur Windstärke einholen. Erfahrungsgemäß schadet es auch nicht, wenn man der Versicherung einen Zeitungsartikel über Sturmeinsätze von Polizei und Feuerwehr zukommen lässt.
Grafik: Windstärken von 0 bis 12
Windstärken von 0 bis 12
Was ist bei Schäden am Fahrzeug zu beachten?
Stürzt ein Baum auf ein Auto, dann greift in solchen Fällen die Teilkaksoversicherung des Fahrzeughalters ein. Wenn ein umgestürzter Baum die Fahrbahn blockiert und es infolgedessen zu einem Auffahrunfall kommt, dann greift die Vollkasakoversicherung.
Diese Hinweise hat Pasiya Bashiri von der Verbraucherzentrale mitgeteilt.
Sollte ein Schaden entstanden sein, wie gehe ich dann vor?
Wichtig ist, dass man den sogenannten Sicherungs- und Schadenminderungspflichten nachkommt. Das heißt im Falle eines Dachschadens, dass man sofort alles abdichtet, damit kein noch größerer Folgeschaden entsteht. Beispielsweise, indem Wasser in die Wohnung dringt und das Möbilar beschädigt.
Außerdem muss die Versicherung rasch über den Schadensfall in Kenntnis gesetzt werden, am besten per Fax oder Einschreiben. Am schnellsten geht es natürlich, wenn man direkt einen Versicherungsvertreter kontaktiert.
Was ist bei Schäden am Haus?
Die Wohngebäudeversicherung springt bei Schäden am Haus ein. Hat der Sturm Ziegel vom Dach abgeräumt oder die Satellitenschüssel wurde aus der Verankerung gerissen und hat das Dach beschädigt, dann greift diese Versicherung. Auch Folgeschäden sind mitversichert. Beispielsweise, wenn durch ein abgedecktes Dach Wasser ins Haus eindringt und Möbel beschädigt. Stürzt der Baum des Nachbarn auf mein Haus, zahlt auch die eigene Wohngebäudeversicherung. Ist der Baum aber morsch oder verfault gewesen, dann könnte der Baumbesitzer haftbar gemacht werden. In diesem Fall zahlt dann die Haftpflicht des Nachbarn.
Tipp: Beim Abschluss einer Gebäuderversicherung darauf achten, dass Gartenhäuschen oder Carport mitversichert sind.
Laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) haben mehr als neun von zehn Eigentümer diese Versicherung. Nur bei einigen alten Verträgen sind Sturmschäden nicht abgedeckt.
Was ist, wenn mein Flug durch den Sturm ausfällt?
Grundsätzlich haben Flugreisende Anspruch auf einen Ersatzflug. Einen Anspruch auf Entschädigung gibt es aber nicht, weil es sich bei einem Sturm um höhere Gewalt handelt. Kommt es zu Verspätungen, die fünf Stunden und länger dauern, dann können Reisende vom Flug zurücktreten und sich das Geld zurückzahlen lassen.
Was ist bei verspäteten Zügen?
Die Bahn muss auch bei höherer Gewalt, also bei Unwettern, den Fahrpreis teilweise erstatten. Dies hat der Europäische Gerichtshof entschieden. Bis zur Hälfte des Fahrpreises gibt es zurück, wenn die Verspätungen über zwei Stunden hinausgehen. Zwischen einer Stunde und zwei Stunden können Bahnreisende ein Viertel des Ticketpreises zurückverlangen.
Wer zahlt, wenn ich zum Beispiel von einem Ziegelstein getroffen und verletzt werde?
Das kommt darauf an, ob geklärt werden kann, von welchem Haus der Ziegelstein stammt. Die Frage ist: Wer trägt die Verantwortung? Wenn das klar ist, springt die Haftpflichtversicherung der jeweiligen Person ein.
Wenn die Haftungsfrage aber nicht geklärt werden kann, übernimmt auch niemand die Haftung. Dann ist es leider persönliches Pech.

Dieses Thema im Programm: Hörfunknachrichten, 5. Oktober 2017, 9 Uhr