Bremer Forscher entwickeln Gewächshaus für Weltraum

Mit dem Gemüse sollen einmal Astronauten verpflegt werden. Für das Projekt hat jetzt sogar die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa Interesse angemeldet.

Ein Forscher hält eine Tomate in einem Gewächshaus

Paul Zabel züchtet seit anderthalb Jahren Obst und Gemüse in der Antarktis. Das Ziel: Astronauten sollen damit auf Flügen zum Mars mit Lebensmitteln versorgt werden. Der Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Bremen hat dafür ein Gewächshaus eingerichtet, das in einem ersten Schritt Wissenschaftler der vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) betriebenen Antarktisstation Neumayer III versorgt.

67 Kilo Gurken, 117 Kilo Salat und 50 Kilo Tomaten haben Zabel und sein Team inzwischen gezüchtet – und das ohne Erde und mit künstlichem Licht. Die Erfahrungen der Forscher dürften auch die irdische Lebensmittelindustrie interessieren.

Irdische Vorteile der Weltraumforschung

Das Innere des Antarktis-Gewächshauses, mit vielen Pflanzen
Der Blick in das Gewächshaus zeigt: Insgesamt kann Paul Zabel mit über 200 Kilogramm gezüchtetem Gemüse sehr zufrieden sein. Bild: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V.

"Mit unserer Anbaumethode können wir Nahrung produzieren, die deutlich weniger mit Mikroorganismen belastet ist, als gewöhnliches Gemüse aus dem Supermarkt", sagt der DLR-Forscher. Denn Mikroorganismen wie Bakterien, Pilze und Hefen können zum Verderb von Lebensmitteln führen. Sie übertragen auch Krankheitskeime, die Lebensmittelinfektionen wie zum Beispiel Salmonellen mit sich bringen. Das Weltraumgemüse hilft aber nicht nur gegen Schimmel und Ansteckungen. Es ist auch gesund. "Die Menge an sekundären Pflanzenstoffen wie zum Beispiel Vitamine im Gemüse lässt sich mit dieser Anbaumethode verbessern", sagt Zabel.

Das Modell-Gewächshaus des Projekts Eden-ISS dürfte darüber hinaus nicht nur am Südpol oder im Weltall einsetzbar sein. Dadurch, dass es sich um ein geschlossenes System handelt, hängt es nicht von Wetter, Sonne und Klima ab. Angebaut und geerntet werden kann unabhängig von Jahreszeiten. Auch der Wasserverbrauch ist geringer als in der freien Natur. Auf Pestizide und Insektizide kann zudem verzichtet werden. Dies könnte neue Wege ebnen, Nutzpflanzen auch in Wüsten und sehr kalten Gebieten zu kultivieren.

Nasa-Kooperation könnte Durchbruch bringen

Dass bald auch die amerikanische Weltraumagentur Nasa Salat-Samen für die Internationale Raumstation ISS in Zabels Gewächshaus testen will, ist für die spätere Nutzung der Technik möglicherweise ein gutes Zeichen. Denn die Nasa hat schon mancher Weltraumtechnik zum weltweiten Durchbruch verholfen.

Wer hätte zum Beispiel vor drei Jahrzehnten gedacht, dass eine von einem Nasa-Ingenieur entwickelte Wasserdüse den Weltmarkt für Wasserpistolen revolutionieren würde?

Bis jedoch auch das Weltraumgewächshaus reif für den Einsatz auf der Erde ist, müssen Zabel und sein Team noch eine Zeit lang tüfteln. "Wir haben noch keine Zahlen, was die Kosten der Produktion angeht", sagt er. Drei bis vier Stunden brauchte er durchschnittlich pro Tag für den Anbau der Pflanzen: also Betrieb, Wartung, Aussaat, Ernte und Pflege. "Den Bedarf an Energie und die Arbeitszeit müssen wir noch reduzieren, um effizienter zu werden", sagt er.

Doch auch hier ist die Saat für künftige Innovationen bereits ausgebracht. Nach der Rückkehr des Forschers aus dem ewigen Eis lag das Antarktis-Gewächshaus zunächst im "Schlafmodus". Anfang Mai weckten die DLR-Forscher das System dann ferngesteuert aus seinem Schlaf auf. Für das Hochfahren war vor Ort kein Mensch nötig. Zabel und sein Team erledigten es per Mausklick vom Bremer Kontrollzentrum aus.

Paul Zabel – Der Antarktisgärtner

Paul Zabel hält eine Pflanze in der Hand.
  • Kristian Klooß

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 23. August 2019, 19.30 Uhr