Fragen & Antworten

Es krabbelt und flattert in Bremen – was gegen lästige Insekten hilft

Wespen im Flug.
Für viele sind Wespen eine Plage. Doch auch sie sind wichtig für das Öko-System. (Symbolbild) Bild: DPA | Frank Rumpenhorst

Sie wollen unser Blut, sind scharf auf Süßes, ihr Surren raubt uns den Schlaf. Ein Experte erklärt, wie man Mücken, Wespen und Co vertreibt. Und was Sie nicht tun sollten.

Ein Sommer ohne Mückenstiche, ohne angriffslustige Wespen und ohne die anderen lästigen Krabbler. Das klingt für den einen oder anderen sicher verlockend. Der Bremer Biologe Henrich Klugkist liefert Antworten, warum auch diese Insekten wichtig sind, was sie anlockt, wie man sie los wird und wie teuer es werden kann, wenn man ein Hornissennest beseitigt.

Erst das kalte, nasse Frühjahr, nun eine erste Hitzewelle. Steht uns eine Insektenplage bevor?
Blauer Himmel, laue Sommerluft – ideale Voraussetzungen für einen Spaziergang am See oder einen entspannten Abend im Garten. Wenn da nicht die Mücken wären. Denn den surrenden Plagegeistern geht es prächtig. Das nasse Frühjahr hat dafür gesorgt, dass sich Insekten, die Feuchtigkeit lieben, wie etwa Mücken, gut entwickeln konnten, erklärt Biologe Henrich Klugkist. Von einer Mückenplage kann man derzeit aber nicht sprechen. Anders sieht es bei Wespen, Hornissen und Wildbienen aus. Günstig ist für sie ein trockenes, warmes Frühjahr. Daher sind sie in diesem Jahr weniger häufig. Noch gibt es laut Klugkist aber keinen Grund zur Sorge. "Bisher nimmt das keine katastrophalen Ausmaße an. Die Auswirkungen von Pestiziden und Bodenversiegelung sind deutlich schlimmer. Wenn es das nächste Frühjahr wie in den vergangenen Jahren wieder trockener und milder wird, gleicht sich der Bestand wieder aus. Das ist völlig normal", sagt Klugkist.
Wenn sich am Frühstückstisch der Kampf ums Marmeladenbrötchen mit den Wespen ankündigt, ist für viele die schnellste und effektivste Methode, die Tiere tot zu schlagen. Weshalb sollte man darauf verzichten?
Auch wenn sich Insekten bei vielen Menschen unbeliebt machen, übernehmen sie generell eine wichtige Funktion in der Natur. Sie sind Bestäuber, Resteverwerter, Aasfresser und auch selbst Nahrungsgrundlage für Vögel, Fledermäuse und andere Insekten. "Die Natur hat einen Eigenwert, den man schützen muss", so der Bremer Biologe.
Anpusten, Wespennest-Attrappen oder Kaffeepulver? Was hilft gegen Wespen?
Aufgehängte braune Papiertüten, die als Wespennest-Attrappe Wespen abschrecken sollen, kann man selbst basteln oder kaufen. Aber helfen sie wirklich? Tierökologe Klugkist ist skeptisch: "Es gibt zwar Wespen, die solche frei gebauten Nester bauen, die sind aber nicht lästig. Diese Arten sind nicht aggressiv und interessieren sich nicht für Menschen und deren Nahrung." Die gestreiften Insekten, die uns so häufig plagen, sind die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe. "Sie bauen ihre Nester in der Erde, in Mauern oder Zwischendecken, aber nicht frei hängend.“ Ob sie die baumelnden Papiertüten also überhaupt als fremdes Nest identifizieren und sich deshalb fernhalten, ist fraglich.

Eine Garantie für die Wirksamkeit von Hausmitteln wie verbranntem Kaffeepulver, Nelken, Kupfermünzen und Basilikum gibt es nicht. "Das kann man ausprobieren. Es wird nicht schaden, aber nur bedingt helfen", sagt der Experte.

Absolute No Gos sind Anspusten und ruckartige, hektische Bewegungen. "Die Tiere am besten in Ruhe lassen oder mit ruhigen Handbewegungen weglenken. Wenn sie beim Frühstück nerven, einen Klecks Marmelade auf einen kleinen Teller in etwas Entfernung stellen und Getränke abdecken. Essen im Freien immer im Auge behalten, ob eine Wespe drauf sitzt“, empfiehlt Klugkist.
Wie gefährlich sind Hornissen?
Auch wenn Hornissen deutlich größer als ihre aggressiven gestreiften Artgenossen sind und bedrohlich aussehen, gibt es an dieser Stelle Entwarnung: Sie sind viel harmloser als lästige Wespen und nicht angriffslustig. "Hornissen sind neugierig und fliegen vielleicht einmal über den Tisch, aber für die sind wir uninteressant." Viel lieber erbeuten sie andere Insekten im Flug oder ernähren sich von Pollen und Nektar. Generell zählen sie zu den Baumhöhlenbrütern. Sie können sich aber auch in Rolllädenkästen und in Hohlräumen in Verschalungen einnisten. Wenn sich dann eine ins Zimmer verirrt, am besten mit einem Glas einfangen und am nächsten Morgen wieder frei lassen. Das Nest darf man nicht entfernen, denn wie Wildbienen und Hummeln sind Hornissen gesetzlich geschützt. Verstöße können mit bis zu 10.000 Euro geahndet werden. Also lieber bei der Naturschutzbehörde eine Befreiung beantragen, um das Hornissennest zu entfernen.
Was ist wirksam gegen lästige Blutsauger?
Wenn es Sie schon erwischt hat: lieber kühlen, statt kratzen. Um sich vor Mückenstichen zu schützen, rät der Experte zu stichfester Kleidung oder Insekten-Repellents aus der Drogerie. Auch stark duftende Pflanzen wie Eukalyptus, Katzenminze oder Tomaten könnten ein wenig Schutz bieten, wenn auch nicht so wirksam wie die chemische Mückenabwehr aus der Drogerie oder Apotheke.
Was kann man tun, um Bremsen-Stiche zu vermeiden?
"Bremsen gehen auf alles, was Wärme abstrahlt und nach Schweiß riecht", so der Biologe. Hier hilft nur stichfeste Kleidung.
Was tun, wenn Haus und Terrasse zur "Ameisenautobahn" werden?
Im Frühjahr kann es vorkommen, dass die kleinen Krabbler eine Ameisenstraße bilden, um neuangelegte Nester zu verbinden. Normalerweise verschwinden diese einfach nach ein paar Tagen oder Wochen. "Wichtig ist, Lebensmittelhygiene einzuhalten, nichts offen stehen zu lassen, damit sie nicht an Nahrung kommen." Wohlfühlen sich Ameisen besonders auf Terrassen, die aus Stein auf Sand gebaut sind. "Da sie nichts tun, kann man sie aber einfach in Ruhe lassen", sagt der Biologe.

Herrscher über das Stadtbienenvolk

Video vom 31. Mai 2021
Imker sitzt im Vordergrund. Im Hintergrund sieht man Bienenkästen.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Sophie Schwarz

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 18. Juni 2021, 23:30 Uhr