Infografik

Starkregen wird zunehmen – mit dramatischen Folgen

Meteorologen schlagen Alarm: In Bremen wird es in Zukunft häufiger zu extremen Regenfällen kommen. Nicht nur Feuerwehr und Versicherer warnen vor den Konsequenzen.

Gewitterwolken über Bremen-Brinkum
Der Klimawandel wird künftig häufiger für extreme Regenfälle sorgen.

Überflutete Hauseingänge, vollgelaufene Keller und überschwemmte Straßen – immer wieder kommt es insbesondere im Sommer zu sintflutartigen Regenfällen. Meteorologen warnen jetzt davor, dass Starkregen auch den Norden Deutschlands häufiger heimsuchen wird – als Folge des Klimawandels. Jetzt schon wird drei bis vier Mal im Jahr in Bremen wegen Unwettern der öffentliche Notstand ausgerufen, sagt Michael Richartz von der Bremer Feuerwehr, darunter sind auch Starkregenereignisse. "Bei starkem Unwetter kriegen wir schon mal 700 Notrufe innerhalb weniger Stunden. Diese Anrufe alle abzuarbeiten kostet Zeit. Unter diesen Notrufen ist aber vielleicht auch Oma Walle mit einem Herzinfarkt. Die Angst ist immer, dass uns in solchen Lagen so ein echter Notfall durch die Lappen geht."

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Ein Dilemma für die Feuerwehr

Bereits jetzt muss die Feuerwehr bei Starkregen die Einsätze nach Dringlichkeit sortieren. Notfälle mit Menschen in Lebensgefahr stehen immer an erster Stelle. Richartz sieht solche Einsatzlagen wegen überfluteter Straßen oder vollgelaufener Keller sehr kritisch. Zumal er außerdem festgestellt hat, dass bei Starkregen häufig überreagiert wird und Menschen den Folgen gegenüber zunehmend hilflos erscheinen. "Früher haben die Leute angerufen, wenn das Wasser meterhoch im Keller steht. Heute rufen sie zum Teil an, wenn sie feuchte Wände habe." Aufgabe der Feuerwehr sei es aber, Menschen zu retten und große Wassermassen zu beseitigen.

Klimawandel sorgt für extremeres Wetter

Langanhaltender, starker Regen werden wir laut Meteorologen in Zukunft häufiger erleben. Schuld daran sei der Klimawandel. Andreas Becker ist Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst und er sagt: "Wir haben durch den Klimawandel eine Erhöhung der Temperaturen und damit eine bessere Aufnahmekapazität der Atmosphäre für Wasserdampf. Damit können die Niederschläge insgesamt extremer und kräftiger ausfallen, als wir es bisher kannten." Graue Wolkendecke und Tage voller Nieselregen kennen wir in Bremen – echtes Schietwetter eben. Laut Statistik sind im Land Bremen insbesondere der Süden Bremerhavens und Bremen-Nord häufig von starken Regengüssen betroffen. Der Meteorologe rechnet damit, dass das Land Bremen künftig längere Trockenzeiten und dann wieder sehr intensive Regenfälle erleben wird.

Starkregen kann Kanalnetz überfordern

Auf die derzeitigen Starkregenfälle ist Bremen laut Hansewasser noch ausreichend gut vorbereitet.

Wir können in unserem Kanalnetz und Regenrückhaltebecken 270 Millionen Liter Wasser zwischenspeichern.

Ein Mann mit Brille, der in die Kamera schaut und lächelt.
Oliver Ladeur, Pressesprecher von Hansewasser

Bei Extremregen – wenn also mehr als 24 Liter Wasser pro Quadratmeter in der Stunde runterkommen – sei aber auch das Bremer Kanalsystem irgendwann überfordert. "Dann kann Wasser aus der Kanalisation austreten", so Ladeur. Nur wer ein Rückstauschutz an seinem Haus habe, müsse auch dann keinen nassen Keller fürchten. Der Gesetzgeber verlange von Hauseigentümern inzwischen einen solchen Schutz, der verhindere, dass Rückstauwasser ins Haus eindringen kann.

Bremer Hauseigentümer sind schlecht versichert

Steht der Keller dennoch unter Wasser, kann es für den Hauseigentümer teuer werden. Die Wohngebäude- und Hausratversicherung decke keine Elementarschäden wie Starkregen ab, so Kahtrin Jarosch vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Im Land Bremen sei man darauf im Bundesvergleich nicht gut vorbereitet.

In Bremen sind nur 19 Prozent der Gebäude gegen die Folgen extremer Naturgefahren versichert.

Eine Frau, die lächelt.
Kahtrin Jarosch, Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft

Bremen bildet damit bundesweit das Schlusslicht, wenn es um Versicherungsschutz bei Starkregen geht. Grund dafür sei nicht, dass es hier weniger Risikofaktoren gebe, sondern laut Kahtrin Jarosch schlicht Unwissenheit. Sie sagt: "Das liegt einerseits am fehlenden Wissen über den Umfang der eigenen Versicherung. Und andererseits an einer fehlenden Sensibilisierung für das Problem. Viele denken, das passiert immer nur den anderen."

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Bremen will das Bewusstsein der Immobilienbesitzer jetzt für die Auswirkungen des Klimawandels schärfen. Welche Gebäude in Bremen bei Starkregen besonders gefährdet sind, darüber soll ab heute Mittag ein Informationsportal aufklären. Eine Online-Karte soll Eigentümern dabei helfen, das eigene Risiko besser abzuschätzen und entsprechende Vorsorge zu treffen.

  • Sebastian Heidelberger

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Nachmittag, 19.März 2019, 16:45 Uhr