Interview

Ein Bremer Mediziner erklärt: Was tun bei "Sonnenbrand" im Auge?

Frau mit einem Mini-Sonnenschirm zum Schutz vor der Sonne.
Die Augen unbedingt vor der UV-Strahlung schützen, sonst kann es schmerzhafte Überraschungen geben. (Symbolbild) Bild: Imago | Steinach

Es sind die letzten Sommertage – aber passen Sie auf: Die UV-Strahlen sind auch im Spätsommer gefährlich. Schmerzen und Tränen können Sie ganz einfach vorbeugen.

Dass Sonnenbrillen ein wichtiger Schutz sind, hat sich herumgesprochen. Ohne sind die Augen den UV-Strahlen ausgeliefert. Die Folge kann eine "Keratitis solaris" sein, wie der Direktor der Augenklinik im Klinikum Bremen-Mitte, Erik Chankiewitz, das Phänomen nennt. Oder auch "Keratitis Photoelektrika". Also das, "was die Schweißer kennen, die oft Verbrennungen am Auge haben, wenn sie keine Brillen benutzen. Dann werden die oberflächlichen Zellen geschädigt." Der Mediziner erklärt, was man tun kann.

Herr Doktor Chankiewitz, kann man sagen, dass dieses Brennen im Auge, was man im Sommer bekommen kann, tatsächlich ein Sonnenbrand ist?
Es ist eher ein guter Vergleich, weil die Symptome ähnlich sind. Es steckt aber ein anderer Mechanismus dahinter. Beim Sonnenbrand der Haut reagieren die Gefäße, die Hornhaut im Auge hat aber keine Gefäße, es handelt sich da um eine Zell- und Gewebsschädigung. Das Auge kann also keine Rötung bekommen wie die Haut, aber die oberflächlichen sensiblen Zellen leiden natürlich und die schalten ein Sterbensprogramm ein, die gehen dann innerhalb von drei bis zwölf Stunden kaputt.
Porträt von Dr. med. Erik Chankiewitz, Direktor der Augenklinik
Dr. Erik Chankiewitz ist Leiter der Augenklinik am Klinkum Bremen-Mitte. "Sonnenbrand im Auge" geht wieder vorbei, sagt der Experte. Bild: Gesundheit Nord, Klinikverbund Bremen
Oh, kann man davon blind werden?
Nein, überhaupt nicht. Das ist eine ganz normale Regeneration der Oberfläche der Hornhaut. Da tauschen sich die Zellen aus. Überall wo Oberflächen sind, sind Zellen, da sterben auch mal welche ab, die dann schnell ersetzt werden. Hier ist es allerdings so, wenn zu viel UV-Strahlung drauf kommt, besonders stark. Dazukommt, dass die Nervenfasern in der Hornhaut anfangen zu feuern und die machen den typischen Reiz. Das ist deshalb so stark, weil dort besonders viele Nerven sind, 400 Mal mehr als in einer Fingerkuppe – das ist erheblich. Und das macht Schmerzen und man kann dieses Brennen mit den Symptomen eines Sonnenbrands vergleichen. Ein anderer Begriff ist die Schneeblindheit, weil Schnee besonders viel UV-Licht reflektiert, bis zu 80 Prozent der UV-Strahlen, Wasser reflektiert immerhin noch 20 Prozent. Und bei so hellen Zeiten wie im Sommer wird das Auge mehr belastet als sonst.
Woran erkenne ich denn den Sonnenbrand im Auge?
So etwa drei bis fünf Stunden nach dem Sonnenbaden, oder nach dieser starken Lichtexposition, kommt es zu einem Fremdkörpergefühl, man denkt, dass man etwas im Auge hat. Manche haben auch etwas stärkere Schmerzen, bis hin zu starkem Brennen, der Körper reagiert mit einer sogenannten Abwehrtrias: sehr starkes Augentränen, Schmerzen und ein Krampf im Augenlid, sodass das Auge gar nicht mehr richtig aufgeht. Das haben besonders Kinder, die dann zu uns kommen und dann gar nicht mehr die Augen aufmachen können, weil die Oberfläche so sehr schmerzt.
Was tut man, wenn es passiert ist?
Das Tückische ist ja, dass es meistens in der Nacht auftritt. Jeder Lidschlag kann schmerzhaft sein. Wenn man weiß, warum man die Schmerzen hat, kann man abwarten, dann kann man kühlen und die Augen befeuchten, vielleicht mit Tränenersatzmittel. Das beruhigt die Augen und die Tränen stellen die Regeneration im Auge sicher.

Wenn es zu schlimm ist, sollte man zum Augenarzt gehen. Der kann das lokal leicht betäuben und die Schmerzen für den Moment nehmen. Aber das kann man nicht dauerhaft betäuben, sonst heilt das schlechter, die Schmerzen gehören dann auch ein bisschen zum Heilungsprozess dazu. In größeren Fällen gibt man auch etwas Antibiotika, damit keine Bakterien kommen, die dann in das Auge einwandern.

Wichtig ist, die Kontaktlinsen aus den Augen raus zu lassen, damit sie genügend Zeit haben, sich zu erholen. Also kühlen, etwas Schmerzmittel – das geht auch bei Kindern – und dann ist das spätestens am dritten Tag wohl auch wieder erledigt.
Eine Sonnenbrille mit UV-Schutz, CE Zeichen am Bügel
Gute Sonnenbrillen müssen nicht teuer sein: Wichtig ist ein CE-Zeichen, wie hier im Bügel, dann ist die Brille wohl in Ordnung. (Archivbild) Bild: Erick Miller
Wenn ich Sie frage, wie man das vermeiden kann, sagen Sie bestimmt "eine Sonnenbrille aufsetzen".
Ja, das hat einen mehrfachen Effekt. Zum einen wird das Auge selbst vor der schädlichen UV-Strahlung geschützt. Das ist schädlich für die Oberfläche, aber auch die Netzhaut kann Schaden nehmen. Und auch die Lider: Denn die Lider sind anfällig für Tumore, für Entartungen, man geht auch nicht gerne so dicht dorthin mit der Sonnencreme. Und deshalb ist eine große Sonnenbrille gut zu tragen – auch zu einer Hutkrempe und eine Schirmmütze bei Kindern – gerade auch bei Kindern kann man mit der Schirmmütze die Augen und auch die Lider schützen.
Man bekommt ja in Drogerien zum Beispiel schon sehr günstige Sonnenbrillen. Reicht das aus?
Hier liegt genau ein Problem. Nicht mit den Drogerien in Deutschland, die haben heute auch hohe Qualitätsstandard. Aber man muss eindeutig sagen, der Blendschutz, also die Tönung der Sonnenbrillen, ist nicht gleich UV-Schutz. Das haben wirklich nur sehr gute Gläser, und man kann das erkennen, dass in der Brille, meistens im Bügel, ein kleines CE-Zeichen drinsteht. Wenn das vorhanden ist, kann man relativ sicher sein, dass diese Brille das Auge schützt.

Sonst macht man genau das Umgekehrte, wenn nur eine Tönung da ist, die nicht den Wellenanteil der UV-Strahlung bis 400 Nanometer Wellenlängenbereich wegnimmt – dann kann man einen größeren Schaden bekommen. Dann denkt man, man ist geschützt, setzt sich sehr stark der Sonne aus und die Pupille geht dann sehr weit und dann kommen gerade diesen schädlichen Strahlen besonders stark ins Auge.

Man sollte doch darauf achten, besonders wenn man im Ausland ist, dass dort bestimmte Qualitätskriterien erfüllt sind und nicht am Strand einfach eine Sonnenbrille kauft. Wichtig ist: Der Blick in den Bügel, wenn dort ein CE-Zeichen steht, dann ist das in Ordnung.

So können sich Bremer auf dem Wasser abkühlen

Video vom 17. Juni 2021
Ein Boot fährt auf der Lesum entlang. Am Anleger liegen einige weitere Boote im Wasser.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Birgit Reichardt

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 9. September 2021, 19:30 Uhr