700 Schmetterlinge in neuer Botanika-Ausstellung – einige betrunken

Die Botanika bekommt derzeit viel Post aus Südamerika – mit Kokons exotischer Falter. Diese Farbenpracht erwartet die Besucher im Indoor-Dschungel in der Vahr.

Sie heißen Feinschmecker oder Atlasspinner, Passions-, Schokoladen- oder Himmelsfalter. 60 tropische Schmetterlingsarten sind dieses Jahr in der Schmetterlingsausstellung der Botanika bis Februar 2020 zu sehen. In der verglasten Gewächshauswelt herrscht tropische Hitze. Um die 30 Grad. Aber die ist Armin Schlüter, Leiter der Schmetterlingsausstellung gewohnt. Gleich am Eingang hängen Schmetterlingspuppen, an einer Art Pinnwand festgemacht. Manche strahlen in hellem Grün und Türkis, andere sind eher unscheinbar in ihrem Camouflage-Braun. Erste Falter sind schon geschlüpft und hängen noch matt an der Puppe. "Die lassen gerade ihre Flügel trocknen", erklärt Schlüter. "Das sind Himmelsfalter". Der Name kommt nicht von ungefähr: Wunderschöne Muster haben die Himmelsfalter an ihrer Flügelrückseite. Und wenn sie die Flügel öffnen, leuchten diese in strahlendem Blau. 

Puppen-Post aus Costa Rica

Diese Woche erst sind die Puppen angekommen, per Post. Drei Tage lang waren die Falter mit dem Flugzeug unterwegs. "Die bestellen wir aus Südamerika, aus Asien und die Afrikaner bestellen wir über England, über einen Zwischenhändler." Auf Schmetterlingsfarmen werden die Schmetterlinge gezüchtet, erzählt der Leiter der Schmetterlingsausstellung. Diese Farmen müsse man sich wie riesige Käfighäuser vorstellen: "Bei Bananenfaltern stehen dann lauter Bananenpflanzen drin. Da fressen die Raupen dran. Und dann werden die Puppen eingesammelt und hergeschickt." In Bremen staunen sie dann vermutlich nicht schlecht, wenn sie im Schmetterlingshaus der Botanika schlüpfen und sich zwischen Orchideen und anderen tropischen Pflanzen buchstäblich entfalten können. 700 Schmetterlinge werden hier bald herumflattern. "Das sind keine geschützten Arten", ergänzt Schlüter.

Man trifft sich an der Nektar-Bar

Schmetterling an exotischer Blüte
In der Schmetterlingsausstellung der Botanika flattern exotische Falter in allen Größen und Farben. Bild: Botanika Bremen | Marcus Meyer

Es ist gar nicht so leicht, die Schmetterlinge zwischen all den Pflanzen zu entdecken, wenn sie sich irgendwo niedergelassen haben. Außer an der "Bar", wo Nektar und Obststückchen für sie bereit liegen. Da sieht man sie dann hingebungsvoll naschen, sagt Schlüter.

Manchmal betrinken sie sich sogar. Irgendwann fangen Bananen auch an zu gären. Und dann sieht man angetrunkene Schmetterlinge.

Armin Schlüter, Ausstellungsleiter der Botanika

Im Schmetterlingshaus kann man den ganzen Entwicklungszyklus eines Schmetterlings beobachten, denn die tropischen Schmetterlinge paaren sich hier auch: vom Ei zur Raupe, die Verpuppung, und dann das Schlüpfen. In der Botanika freut man sich jetzt schon auf die Puppe des Atlasfalters. Der Nachtfalter hat mit bis zu 30 Zentimetern die größte Flügelspannweite der Welt. Und lebt nur kurz. "Der fliegt halt nur, wenn er einen Partner riecht. Die riechen ja mit den Fühlern. Die sind aufgefaltet wie Kämme." Der Zauber währt nur kurz: Der Altasfalter lebt nur ein paar Tage. Denn so schön und imposant er ist: Er kann sich nicht ernähren, denn er hat keine Mundwerkzeuge. Und so lebt er nur von dem, was er als Raupe zu sich genommen und gespeichert hat.

Exoten sollen Bewusstsein für heimische Falter schärfen

Armin Schlüter schlägt den Bogen zu unseren heimischen Schmetterlingen. 30 bis 40 Arten leben in Bremen und Umgebung: Tagpfauenauge, Zitronenfalter, Aurorafalter, Faulbaum-Bläuling. Der kleine Fuchs ist inzwischen so gut wie verschwunden. Schlüters Appell: "Lassen Sie in ihrem Garten eine Ecke verwildern. Gerade die Brennnessel ist eine der wichtigsten Pflanzen, wo Raupen drauf fressen." 10 Quadratmeter würden schon reichen. auch für andere Insekten wie die Bienen. "Die verhungern, weil sie nix mehr finden."

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  • Mirjam Steger

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Mittag, 28. Juni 2019, 15:25 Uhr