Raten Sie mal, was dieser Haufen früher war!

Die Firma Neocomp in Bremen recycelt ganz speziellen "Müll". Hier wird geschreddert, was früher mal 40 Meter lang und zehn Tonnen schwer war.

Geschredderte Kleinteile eines ehemaligen Windrades
Was früher mal zehn Tonnen wog und 40 Meter lang war, ist heute nur noch ein Haufen Schnipsel.

Irgendwann kommt fast alles mal auf den Müll, auch die ganz großen Sachen. In diesem Fall lohnt sich sogar das aufwendige Recyceln. Denn alte Windanlagen stecken voller wertvoller Materialien. Außerdem hat ein durchschnittlicher Windrad-Flügel einen größeren Brennwert als die gleiche Menge Holz. Bei der Firma Neocomp im Bremer Westen hat man sich auf die Zerlegung der Ungetüme spezialisiert.

Dreimal warnt die Anfahrhupe, wenn der Querstromzerspaner eingeschaltet wird. Er ist das Herzstück der Anlage, die glasfaserverstärkte Kunststoffe klein macht. Doch los geht es heute schon vor der Halle. Dort werden die bis zu 45 Meter langen Flügel der Länge nach hingelegt und dann zersägt. Das Sägeblatt hat einen Durchmesser von ungefähr 1,20 Meter. Es entstehen schranktürgroße Teile.

Zerkleinertes Windrad
So sehen die Flügel der Windräder aus, nachdem sie grob zerlegt wurden.

Danach kommen die Teile in eine Maschine mit großen Ketten. Die zwei wuchtigen Ketten mit jeweils drei Gliedern wirbeln durch den zylinderförmigen Behälter. So werden die Windradstücke dann sozusagen mit grober, brachialer Gewalt klein geschlagen, und dann bleibt nur noch geschnipseltes Zeug über.

Windradstücke werden recycelt
In dieser Maschine werden die Stücke zerkleinert.

Letztlich bleiben unter anderem ganz kleine Glasfaserstäbchen übrig. Sie haben durch das Plastik und die Klebstoffe hervorragende Brenneigenschaften. Die Energie wird bei der Zementherstellung gebraucht. Übrig bleiben zudem Sand und Glas, die als Rohstoff für Zement genutzt werden.

Das Recycle-Verfahren für Windanlagen ist aufwändig und teuer, auch wenn bei Neocomp nur drei Mann pro Schicht arbeiten. Ab 2021, wenn die 20-jährige Preisgarantie für Windstrom wegfällt, wird das Geschäft voraussichtlich richtig brummen. Dann werden viele Alt-Anlagen abgebaut und durch neue, größere Anlagen ersetzt.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Vormittag, 4.September 2018, 11:45 Uhr