Interview

Studentin Saskia: Ich will das "außererdliche" erfahren

Das Bremer Raumfahrttechnik-Institut hat heute seine Türen für alle Interessierten geöffnet. Dort studiert Saskia Flebbe, und der Weltraum ist ihr Ziel.

Saskia Flebbe
Saskia Flebbe, 25 Jahre alt, studiert an der Hochschule Bremen den Master Aerospace Technologies.
Du hast dich in deinem Masterstudium auf Raumfahrt spezialisiert. Was fasziniert dich daran?
Auf der Erde erlebt man ja alles selbst — man spürt die Schwerkraft. Im Weltall ist alles komplett anders; die ganze Physik ist komplett anders. Das kann man sich nur vorstellen, aber nicht selbst erleben. Und das finde ich so faszinierend daran: Das "außererdliche" zu erfahren und wie das genau funktioniert.
Also Traumjob Astronautin? Oder was ist sonst noch möglich?
Astronautin zu werden, ist definitiv mein Ziel. Wobei man das ja gar nicht als "Job" machen kann. Letztendlich ist es nur der Flug dahin. Da oben macht man ja noch Ingenieurs-Arbeit oder wissenschaftliche Arbeiten. Demnach ist mein Traumjob quasi Ingenieurin.

Grundsätzlich würde ich gerne in die Forschung und Entwicklung gehen: Technologien mitzugestalten, die das auch ermöglichen – einen sicheren Flug zum Beispiel oder Technologien, die oben auch funktionieren. Die ISS-Ausstattung beispielsweise kann man ja nicht einfach mit einem Raum-Container auf der Erde vergleichen. Da sind ja allein die Toiletten schon anders.
Warum hast du dich für den Raumfahrtstandort Bremen entschieden?
Ich hatte mich in Aachen und Bremen beworben. In Bremen wurde ich angenommen. Im Nachhinein habe ich herausgefunden, dass Bremen in dem Bereich viel mehr zu bieten hat als Aachen. Die ganzen Firmen wie OHB, Airbus, das Zentrum für angewandte Raumfahrttechnik und Mikrogravitation (ZARM) — die sind ja hier alle vertreten. Somit kooperiert die Hochschule auch sehr viel mit denen. Man hat so den Kontakt, die richtigen Leute, die man fragen kann.
Was muss man für dein Studium alles mitbringen?
Man muss erst mal einen Bachelor in Ingenieurs-Wissenschaften haben. Ich habe vorher Maschinenbau in Emden gelernt. Man muss einen Mindestschnitt von 2,5 haben und gewisse Englischkenntnisse mitbringen. Aerospace Technologies ist ein internationaler Studiengang — das zweite Semester ist nur in englisch, das erste in deutscher Sprache. Und wenn man Probleme mit Mathe hat, dann sollte man sich das zweimal überlegen.

Ich bin allerdings halt auch ein Mensch, der denkt, dass man alles lernen kann, was man will, wenn man es nur möchte. Also ich hatte vorher zum Beispiel auch ein ziemlich schlechtes Abitur, habe dann aber trotzdem gedacht: Eigentlich will ich irgendwas mit Technik machen und ich probiere einfach mal Maschinenbau. Ich hatte komischerweise gar keine Probleme.

Außerdem sollte man definitiv eine gewisse Passion mitbringen. Es ist wirklich sehr zeitintensiv, weil man sehr viele Projekte parallel macht. Demnach sollte man nicht hierhin gehen, um einfach einen Abschluss zu haben. Erstens macht das keinen Spaß und zweitens kommt man dann auch nicht zeitlich hinterher, weil man sich dann oft durch die Arbeit quälen müsste. Das bringt nichts.
Saskia Flebbe
Saskia Flebbe mit dem Satelliten-Simulator MICROSim: Das Gerät wurde vor 20 Jahren vom IAT gebaut, um Inspektionsflüge für die Raumstation ISS zu testen.
Die Raumfahrt ist ja als Männerdomäne bekannt. Haben Frauen es in deinem Bereich schwerer?
Nein. Klar, viele Frauen interessieren sich einfach nicht dafür. Aber die, die sich dafür interessieren, die machen das genauso gut wie Männer. Wir sind jetzt hier auch nur drei Frauen – eine macht Luftfahrttechnik, und zwei machen jetzt Raumfahrttechnik.

Ich werde auch ganz oft, wenn ich Leute kennenlerne, gefragt: Wie, du machst Raumfahrttechnik? Du bist doch eine Frau, ist das nicht irgendwie komisch? Und dann denk ich auch: 'Nein, ich denke ja mit meinem Hirn, nicht mit meinen Brüsten. Warum sollte ich das nicht machen können?' Wenn sich eine Frau interessiert sage ich: 'Mach‘ das ruhig. Macht einfach generell, worauf ihr Bock habt.'
Zum Abschluss etwas Zukunftsmusik: In wie viel Jahren startest du ins All?
Vielleicht übermorgen [lacht]. Nein, ich hoffe so bald wie möglich. Man muss ja auch sportlich ein bisschen fitter sein, eine gewisse Größe haben und psychologische Tests machen und Wissenstests. Also, ja – wenn ich soweit bin.

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  • Sophie Labitzke

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 8. Juni 2018, 23:20 Uhr