Darum ist Bremen Deutschlands Raumfahrt-Hauptstadt

Wir schreiben das Jahr 1961: Der russische Kosmonaut Juri Gagarin fliegt als erster Mensch in den Weltraum. Zur gleichen Zeit nimmt in Bremen eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte ihren Anfang. Heute ist die Stadt ein Schwergewicht im Geschäft mit der Schwerelosigkeit. Was sind die Gründe dafür?

Eine Grafik des europäischen Navigationssatellitensystems "Galileo", darüber ein Stempel mit dem Schriftzug "Made in Bremen".
In Bremen werden unter anderem die Satelliten für das europäische Navigationssystem "Galileo" gebaut.. Bild: DPA | Ingo Wagner

Ob Galileo-Satelliten oder Ariane-Raketen – sie tragen den Stempel "Made in Bremen". Etwa 2.000 Beschäftigte arbeiten in Unternehmen, die High-Tech-Produkte für den Weltraum herstellen. Damit ist Bremen die Weltraum-Hauptstadt Deutschlands und einer der wichtigsten Raumfahrt-Standorte Europas.

Grund Nummer 1: Entwicklung über Jahrzehnte

Auch wenn der Name "Entwicklungsring Nord" unspektakulär klingen mag, stellt die Gründung dieser Entwicklungsgemeinschaft im Jahr 1961 den Startschuss für Bremens Weltraum-Kompetenz dar. An der ERNO GmbH waren mehrere Flugzeughersteller beteiligt. Satelliten, die Sonnensonde Helios oder auch Teile der Ariane-Rakete wurden von ERNO entwickelt und gebaut. Im Laufe der Jahrzehnte wuchs in der Folge die Bedeutung des Weltraum-Standortes Bremen. Im Jahr 1985 stieg die privatwirtschaftliche Firma OHB ins Raumfahrt-Geschäft ein. ERNO ging 1989 in die Deutsche Aerospace Aktiengesellschaft DASA über. Damit verschwand zwar der Name, das Wissen aber blieb in Bremen.

Grund Nummer 2: Wirtschaft und Wissenschaft

Sowohl an der Hochschule Bremen wie auch an der Universität wird ausgiebig an neuen Weltraum-Technologien geforscht. Unternehmen wie OHB und Airbus profitieren von der Ausbildung von Fachkräften und von Forschungsergebnissen. Bestes Beispiel ist der 150 Meter hohe Fallturm an der Universität. Das ZARM-Institut (Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation) führt dort Experimente unter Schwerelosigkeit durch. Sie dienen unter anderem der Entwicklung von Bauteilen für Raketen und Satelliten. Von dieser engen Kooperation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft profitieren beide Seiten.

Grund Nummer 3: Branche der kurzen Wege

Kennzeichnend für Bremens Raumfahrt-Branche ist, dass sich viele maßgebliche Unternehmen in direkter Nähe zueinander befinden. Vor allem in der Airport-Stadt haben sich große und kleine Firmen der Weltraum-Industrie angesiedelt. Dort entstehen zum Beispiel die Oberstufen der Trägerraketen Ariane 5 und des Nachfolgemodells Ariane 6. Das andere Kompetenzzentrum befindet sich an der Universität, wo der Satellitenbauer OHB seinen Sitz hat. Außerdem befinden sich dort mehrere bedeutende Forschungsinstitute.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 29. Mai 2017, 19:30 Uhr