Infografik

Neubauten im Bremer Viertel: Darum protestieren die Anwohner

Im Viertel soll an mehreren Stellen gebaut werden. Doch nicht jeder freut sich über die Bauvorhaben. Diese Projekte sind hoch umstritten.

Wie Bremens Umbruch gelingen kann

Die Bremer Innenstadt aus der Vogelperspektive.

Im Viertel tut sich was: Seit mehr als einem Jahr werden neue Bauprojekte angekündigt. Doch nicht immer stehen die Anwohner den Bauvorhaben positiv gegenüber. Mehrere geplante Neubauten haben die Menschen im Bremer Szenequartier auf die Barrikaden getrieben.

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Anwohner besorgt wegen Projekts in der Blumenstraße

Ein Gebäude, das für Ärger unter den Anwohnern sorgt, ist der geplante Neubau in der Blumenstraße. Dort, wo sich jetzt ein Garagenhof befindet, soll ein dreistöckiges Wohnhaus mit bis zu 15 Wohneinheiten und einer Tiefgarage entstehen. Die Mauer mit den Graffitis am Straßenrand soll abgerissen werden.

Visualisierung des Bauprojekts an der Blumenstraße
So soll das Bauprojekt an der Blumenstraße aussehen. Bild: Ute Kastens Architekten

Gegen die Pläne hat sich relativ früh Widerstand formiert – in Form einer Bürgerinitiative, die überwiegend aus Anwohnern und Interessierten am Thema Innenstadtverdichtung besteht. Einige befürchten, dass das neue Gebäude das Sonnenlicht nachmittags abschirmt und die Straße verdunkelt. Der Bebauungsplan wurde allerdings von der Baudeputation kürzlich beschlossen. Dagegen sprach sich die Linke aus. Sie verlangt, dass die Stockwerke um eine Etage reduziert werden.

Jetzt soll der Plan vom Parlament genehmigt werden. "Der Bebauungsplan ist noch nicht rechtskräftig, weil er noch von der Bürgerschaft genehmigt werden soll", sagt Frank Steffe, Sprecher des Bauressorts. Daher könnten die Investoren noch nicht anfangen zu bauen, obwohl die Baugenehmigung schon erteilt worden sei. Der gesamte Prozess wird erst nach der Bürgerschaftswahl am 26. Mai abgeschlossen. Vielleicht sogar nach den Sommerferien, fügt Steffe hinzu.

Der Garagenhof ist Teil eines Block-Innenbereichs: Freiflächen, die ursprünglich von einer Wohnbebauung bewusst ausgeschlossen wurden. Die Höhe und Tiefe des geplanten Blocks überschreiten das ortsübliche Maß erheblich. Die Ausschachtung für eine Tiefgarage stellt eine konkrete Gefährdung für die denkmalgeschützte Umgebung dar.

Daniel Pflaum, Bürgerinitiative Blumenstraße

Zu den Bedenken der Bürgerinitiative äußert sich der Sprecher verständnisvoll: "Man kann es immer verstehen, aus Anwohnersicht, dass so etwas auf Bedenken und Unruhe stößt, aber dies ist keine spontane Entscheidung gewesen." Das Gebäude sei in der Größenordnung vertretbar. Anders sieht es die Initiative und will mit einer Podiumsdiskussion am Donnerstag, 16. Mai, darauf aufmerksam machen.

Bürgerinitiative gegen geplantes Hochhaus

Proteste gab es auch gegen die Bebauungspläne in der Kohlhökerstraße. Hier sollte ursprünglich ein 14-stöckiges Gebäude entstehen, jetzt haben sich die Investoren bereiterklärt, die Höhe um zwei Stockwerke zu reduzieren. "Wir sind derzeit noch in Abstimmung mit der Stadt Bremen zu diesem Thema. Wir hoffen, dass mit der bereits erfolgten Umplanung – Reduzierung von 14 auf zwölf Geschosse im Hochhaus – eine gute Konsenslinie gefunden werden kann", teilte Frank Stern, Geschäftsführer des Projektentwicklers Evoreal, auf Nachfrage mit.

Wir nehmen die Bedenken ernst und setzen uns intensiv mit allen Kritikpunkten auseinander, wie auch unser Entgegenkommen mit der Reduktion um zwei Geschosse belegt.

Frank Stern, Geschäftsführer des Projektentwicklers Evoreal
Visualisierung des Neubauten in der Kohlhökerstraße
Projekte wie das des Hochhauses in der Kohlhökerstraße stoßen im Viertel auf Widerstand. Bild: Evoreal

Die Bauarbeiten sollen nach jetzigem Stand im Herbst 2020 anfangen. Der Neubau soll an der Stelle des leer stehenden Bundesbankgebäudes entstehen, das abgerissen werden soll. Die Bürgerinitiative gibt sich mit der Reduzierung der Stockwerke jedoch nicht zufrieden. "Unsere Hauptkritik besteht darin, wie das Verfahren bisher gelaufen ist", sagt die Sprecherin Sabine Hummerich. Das Projekt scheine nicht von Anfang bis Ende gut durchdacht worden zu sein, beklagen die Organisatoren. Auch über eine eventuelle Umnutzung des bestehenden Gebäudes sei nicht genug nachgedacht worden sein. Die Kritik weist das Bauressort zurück: "Die Stadt Bremen hat sich alles andere als desinteressiert gezeigt", sagt Steffe dazu. Auch über die Umnutzung des Gebäudes sei nachgedacht worden.

Die Sorgen der Bürgerinitiative betreffen sowohl die Höhe als auch die Wohndichte in dem Neubau. Im neuen Gebäude sollen sowohl Wohnungen als auch Büros und Gastronomieangebote entstehen. Zur Zahl der geplanten Wohnungen sagt Stern: "Wir halten uns im aktuellen Entwurf nach wie vor an die mit der Stadt Bremen abgestimmten Flächenvorgaben, wie auch die 25 Prozent öffentlich geförderten Wohnungen." Auch die jetzige Höhe und Struktur verteidigt der Investor: Eine andere Verteilung der Baukörper würde zulasten der Grünflächen gehen. Und eine wirtschaftliche Nachnutzung des ehemaligen Bundesbank-Gebäudes sei laut Analysen nicht möglich gewesen.

Ehemalige Bundesbank-Gebäude in der Kohlhökerstraße
Das ehemalige Bundesbank-Gebäude in der Kohlhökerstraße soll nach dem aktuellen Entwurf abgerissen werden.

Die Initiative will in den kommenden Wochen ihre Präsenz mit Infoständen intensivieren. Sie hätten schon um die 1.000 Unterschriften gegen den Entwurf gesammelt, schätzt Hummerich. Vor den Bürgerschaftswahlen wird das Entscheidungsverfahren jedenfalls nicht abgeschlossen, so viel steht fest. Die Protestierenden haben sich auch mit der Initiative in der Blumenstraße in Kontakt gesetzt. Das Problem betrifft für Hummerich nicht nur das Viertel, auch in anderen Stadtteilen würden Projekte durchgewunken, die nicht dem Bebauungsplan entsprächen. Diesen Vorwurf weist das Bauressort entschieden zurück. "Man kann nicht sagen, dass ohne Beteiligung Baurecht geschaffen worden sei", so der Sprecher.

Schmierereien auf Immobilien und Maklerbüros

Doch es gibt im Viertel und in der Östlichen Vorstadt auch andere, weniger friedliche Wege des Protests. Erfahren mussten es die Eigentümer eines neugebauten Wohngebäudes in der Straße Fesenfeld, das mit Farbe beschmiert wurde. An die Wände ist der Satz "Willkommen im Viertel" gesprüht worden. Zu dem Vorfall wollte sich die Baufirma nicht äußern, die mediale Aufmerksamkeit sei vom Kunden nicht erwünscht, hieß es. Auch die Polizei teilte mit, es gebe in dem Fall keine neuen Erkenntnisse und verwies auf noch andauernde Ermittlungen. Im vergangenen Jahr war das Haus schon mal in die Schlagzeilen geraten, weil bei den Bauarbeiten Risse in den Nachbarhäusern entstanden waren.

Schmierereien an Haustür und Fenster
Ein Haus im Fesenfeld wurde kürzlich mit Farbe beschmiert und besprüht.

Auch ein Maklerbüro hatte in letzter Zeit wiederholt mit Vandalismus zu kämpfen. Seine Filiale am Ostertorsteinweg wurde vor wenigen Monaten mit schwarzer Holzschutzlasur beschmiert. Das Verfahren wurde bereits eingestellt, ein Täter konnte nicht ermittelt werden, teilte die Staatsanwaltschaft auf Nachfrage mit. Auch die Filiale der Immobilienfirma in der Neustadt sei am 1. Mai mit der Schrift "Land der reichen Leute" besprüht und die Glasscheibe eingeschlagen worden, sagte eine Mitarbeiterin. Die Folgen sind am Schaufenster teilweise noch sichtbar.

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Autorin

  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 11. Mai 2019, 19:30 Uhr