Sturm zieht auf: "Dachziegel können von Häusern fliegen"

"Sebastian" zieht im Tagesverlauf über Norddeutschland hinweg – ein Orkantief, das es in sich hat: Böen mit Windstärke 11 sind für Bremerhaven prognostiziert, Bremen trifft der Sturm etwas abgeschwächt. Michael Theusner ist Meteorologe beim Klimahaus in Bremerhaven. Er erklärt, was genau auf uns zukommt – und warum man am Nachmittag lieber zu Hause bleiben sollte.

Herr Theusner, was kommt da heute auf uns zu?

Das Orkantief "Sebastian" ist durch den Temperaturunterschied zwischen Arktis und unseren mittleren Breiten über dem Atlantik entstanden. Es zieht nun über die Nordsee – und je dichter es an uns herankommt, desto stärker wird es. Der Höhepunkt des Sturms ist am Mittwochnachmittag. Dann gibt es orkanartige Böen bis zu Windstärke 11, also etwa 105 Stundenkilometer.

Grafik: Windstärken von 0 bis 12
Windstärken von 0 bis 12

Ist das ein Ausläufer von "Irma", die die US-Ostküste verwüstet hat?

Nein, das sind vollkommen unterschiedliche Wetterphänomene. Hurrikane entstehen unter tropischen Bedingungen und können viel, viel stärker werden als unsere Orkan-Tiefdruckgebiete. Hurrikane entstehen vor allem durch extrem warmes Ozeanwasser oberhalb von 26 oder 27 Grad. Dort verdunstet sehr viel Feuchtigkeit, es bilden sich riesige Gewitterwolken. Diese Phänomene sind viel extremer. Bei "Irma" gab es Windgeschwindigkeiten von 300 Stundenkilometern. Der Rekord in Bremerhaven liegt bei 160 km/h.

Und auf was müssen wir uns bei "Sebastian" konkret einstellen?

Meteologe Michael Theusner
Meteologe Michael Theusner

Lassen Sie sich nicht von gutem Wetter täuschen – es kann zunächst durchaus heiter aussehen. Sie sollten sich trotzdem möglichst nichts für draußen vornehmen. Erledigen Sie Ihre Einkäufe lieber vormittags. Böen mit Windstärke 11 sind schon sehr ordentlich, da können bereits Dachziegel von Häusern fliegen. Dadurch, dass der Sturm so früh im Jahr kommt, haben wir eine zusätzliche Gefahr: Die Bäume tragen noch Laub. Damit sind sie vom Wind besser angreifbar und können schneller umstürzen. Das ist bei Stürmen eine der häufigsten Ursachen von Personenschäden. Die Stadt Bremen ist übrigens etwas weniger stark betroffen. Landeinwärts werden Stürme abgebremst. Dort haben sie dann etwa zwei Windstärken weniger Kraft.

Ist es nicht reichlich früh für so heftige Herbststürme?

Ja, es ist ungewöhnlich, dass ein solcher Sturm schon im September kommt. Normalerweise treten sie später im Herbst auf. Wir merken, dass das Wetter grundsätzlich unter anderen Bedingungen abläuft. Das CO2 erwärmt die Luft weiter. Ob wir es mit einem Klimawandel zu tun haben, wäre aber noch zu untersuchen. Dafür sind langfristigere Messungen nötig.

  • Boris Hellmers

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 13. September 2017, 19:30 Uhr