Warum immer mehr Heuler in der Aufzucht landen

In dieser Woche hatten drei Heuler ihren großen Tag: Sie wurden nach ihrem Aufenthalt in der Seehund-Station Norddeich ausgewildert. Stationsleiter Peter Lienau erklärt, welche Tiere in Norddeich aufgezogen werden, was mit ihnen passiert und worauf Heuler-Finder achten sollten.

Lea, Fiete und Störtebecker heißen die drei Heuler, die in die Nordsee entlassen wurden. Sie wurden in Weidekörben per Motorboot von Norddeich zu einer Sandbank vor Juist gebracht und dort freigelassen. Sie sind drei von 163 Heulern, die die Station in diesem Jahr betreut hat.

Peter Lienau ist Geschäftsführer des "Verein zur Erforschung und Erhaltung des Seehundes", der die Norddeicher Station betreibt. Sie ist auch für die Küstenabschnitte vor Bremerhaven und Cuxhaven zuständig.

Herr Lienau, warum verlieren immer mehr Heuler ihre Eltern?

Das hat unterschiedliche Gründe. Einer sind die Wetterverhältnisse, besonders der zunehmende starke Nordwest-Wind, der das Wasser auftreibt. Die Jungtiere werden auf den Platen im Wattenmeer geboren und gesäugt, dort kann oft hoch auflaufendes Wasser störend sein. Wenn die Tiere dann sechs, sieben Stunden im schweren Wasser sind, verlieren sich Mutter und Jungtier. Ein anderer Grund ist falsches Verhalten der Touristen.

Wie verhält man sich da denn am besten?

Wenn man einen Seehund sieht: sofort Rückwärtsgang und Hund an die Leine. Wenn ein Mensch bei einem Seehund steht, kommt die Mutter nicht.

Peter Lienau
Peter Lienau Bild: Seehundstation Norddeich

In welchem Zustand kommen die Tiere bei Ihnen an?

In allen verschiedenen Zuständen, die man sich vorstellen kann. Wir haben hier oft sehr propere Tiere. Doch viele kommen auch nicht überlebensfähig an. Da schlägt dann noch das Herz, doch sie sind vollkommen dehydriert. Da müssen wir als letztes Mittel dann auch einschläfern.

Und wie ziehen Sie die Tiere auf?

Wir versuchen, so wenig Kontakt wie möglich zu den Tieren zu haben. Gäste dürfen zum Beispiel nur durch verspiegeltes Glas in die Gehege schauen. In der ersten Phase bekommen die Heuler fünfmal täglich Muttermilchersatz, dafür nutzen wir eine Magensonde aus besonders weichem Silikon. Dann wird mit kleinen Heringen sukzessive auf Fisch umgestellt. Sobald die Tiere selber fressen, kommen sie in größere Becken, um ihre Muskeln zu trainieren.

Wissen Sie, wie die Überlegensquote "Ihrer" Heuler ist?

Jedes Tier wird doppelt markiert: Mit einer sichtbaren Flippermarke und einem Transponder, der an der Schulter unter die Haut gebracht wird. Über diese Markierungen haben wir gute Rückmeldungen. Natürlich gibt es auch Totfunde, etwa in Netzen oder Reusen, das ist aber sehr selten. Aktuell arbeiten wir an einem Telemetrie-Projekt mit Sendern, mit denen wir die Tiere über Satellit verfolgen können. Man sieht, dass die Seehunde eine große Reichweite haben. Einige schwimmen sogar bis Helgoland.

  • Boris Hellmers

Dieses Thema im Programm: Das war der Tag buten un binnen, 12. August 2017, 23:20 Uhr