Neues Konzept für Medizinstudium in Bremen vorgestellt

Seit Jahren wird in Bremen über die Einrichtung eines Medizinstudiums diskutiert. Jetzt gibt es einen neuen Vorschlag: In Bremen soll ein Medizincampus entstehen.

Nach jahrelanger Diskussion über das Für und Wider eines Medizinstudiengangs in Bremen hat die Bremer Stiftung Wertpapierbörse einen neuen Vorschlag auf den Tisch gelegt: In der Hansestadt soll ein Medizincampus entstehen.

"Ziel des Modells Medizincampus Bremen ist der schrittweise Aufbau einer universitären Medizin in Bremen mit den drei Säulen der Forschung, Lehre und Krankenversorgung", teilte die Stiftung mit. Schöpfer des Modells ist der Neurobiologe und ehemalige Vizepräsident der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Reto Weiler. Weiler ist ebenfalls einer der Initiatoren der European Medical School Oldenburg-Groningen.

Theorie und Praxis ab den ersten Semestern auch in Bremen

Grundsätzlich sieht sein Konzept langfristig vor, dass Bremen zusammen mit Oldenburg und Groningen Teil der European Medical School wird. Angehende Medizinstudenten könnten sich demnach in Bremen immatrikulieren und schon ab dem ersten Semester sowohl theoretische Module in Bremen absolvieren als auch Praxiserfahrung sammeln. Ein Teil des Studiums sollte aber auch an den Standorten Oldenburg und Groningen erfolgen.

Laut dem Masterplan Medizinstudium 2020 soll es künftig in der medizinischen Ausbildung keine klare Trennung zwischen der vorklinischen und der klinischen Phase mehr geben. Sie werden alle eng miteinander verzahnt.

Reto Weiler
Reto Weiler, Mitinitiator der European Medical School

In welchem Anteil die Studenten an den drei Universitäten anwesend sein sollten, ist im Konzept noch nicht festgelegt. Sie könnten aber bis zu 90 Prozent ihrer Zeit in Bremen verbringen, antwortete Weiler auf die Frage, ob das Modell nicht zu einer noch stärkeren Fragmentierung des Studiums führen würde. Letztendlich sei es eines der Ziele des Modells, die jungen Ärzte fester an Bremen zu binden. Die Idee eines Medizinstudiums in Bremen wurde ja unter anderem als Antwort auf den Ärztemangel in der Region geboren. Vor allem die ländlichen Gebiete sind davon betroffen.

Oldenburg doch möglicher Kooperationspartner?

Zuletzt hatte die Politik bekannt gegeben, dass ein partielles Studium mit der klinischen Phase – also den letzten Semestern – in Bremen denkbar wäre. Sofern sich ein Partner für den theoretischen Teil der Ausbildung finden ließe. In diesem Zusammenhang waren mehrere Standorte erwähnt worden: Oldenburg, Hamburg, Wien und auch die schwedische Stadt Lund.

Nach Angaben des Wissenschaftsressorts soll sich Oldenburg jedoch zuletzt aus dem Rennen zurückgezogen haben. "Vorgespräche mit der Universität Oldenburg und dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft (...) haben ergeben, dass dort zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Möglichkeiten für ein gemeinsames Medizinstudium gesehen werden", steht in der Antwort des Senats auf eine entsprechende Anfrage der CDU-Fraktion. Weiler sagte, er könne aber versichern, dass in Oldenburg die Türen für Gespräche noch offen seien.

Auf Nachfrage teilte die Universität in Oldenburg mit, dass die Oldenburger Universitätsmedizin sich noch in der Aufbauphase befinde. Dennoch verfolge die Universität mit Interesse die Diskussion über die mögliche Einrichtung eines Medizinstudiengangs in Bremen. Die Hochschulleitung wolle sich eventuellen Gesprächen über "mögliche Anknüpfungspunkte" nicht verschließen.

Für Gespräche mit Bremer Vertretern über mögliche Anknüpfungspunkte stehen die Hochschulleitung wie auch das Dekanat der Medizinischen Fakultät der Universität Oldenburg selbstverständlich zur Verfügung.

Corinna Dahm-Brey, Leiterin Kommunikation, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Wissenschaftsressort: Landesmittel für Vollstudium nicht ausreichend

Unklar ist ebenfalls noch, welche Kosten auf Bremen zukommen würden. Genau dies aber war bislang ein wichtiger Streitpunkt in der Diskussion um das Medizinstudium in Bremen. "Ich möchte zum jetzigen Zeitpunkt keine Zahlen in den Mund nehmen", sagte Weiler. Die Kosten hingen auch davon ab, wie viele Studienplätze letztendlich geschaffen würden.

Zum Modell der Bremer Stiftung sagte der Sprecher der Wissenschaftssenatorin, Sebastian Rösener, dass es nicht mit dem Ressort abgesprochen worden sei.

Das Modell, das vorhin vorgestellt wurde, wurde mit uns nicht diskutiert. Es bleibt dabei, dass wir nicht in der Lage sind, aus Landesmitteln ein medizinisches Vollstudium in Bremen aufzubauen.

Sebastian Rösener, Sprecher der Wissenschaftssenatorin

Das sagt der Klinikverbund Geno dazu

Der Medizincampus sollte auch aus einem sogenannten virtuellen Universitätsklinikum bestehen. Abteilungen in verschiedenen Bremer Krankenhäusern, die sich an Lehre und Forschung beteiligen, sollten sich vernetzen und austauschen können. Gedacht ist auch eine digitale Plattform. Als größter Gesundheitsversorger im Land wäre der Klinikverbund Gesundheit Nord sicherlich davon betroffen.

Und die Idee eines vollen Medizinstudiums in Bremen findet das Unternehmen weiterhin attraktiv, wie eine Sprecherin mitteilte. "Wir verfolgen jetzt interessiert die politische Diskussion", sagte sie. Die Frage, ob das Modell Medizincampus mit ihnen bereits besprochen worden sei, ließ das Unternehmen unbeantwortet. Es fügte aber hinzu, dass Kooperationen mit Universitäten in Hamburg, Göttingen und Riga bereits entstanden sind. Dabei geht es um die praktische Ausbildung angehender Ärzte.

Grundsätzlich würden wir einen vollen Medizinstudiengang in Bremen weiterhin sehr begrüßen. Weil wir einen solchen Studiengang für sinnvoll halten, um dem Ärztemangel entgegenzuwirken, hatten wir ja bereits ein erstes Konzept entwickelt, wie eine solche Ausbildung in Bremen aufgebaut werden könnte. Dabei ist uns aber natürlich bewusst gewesen, dass die Einrichtung eines solchen Studiengangs sorgfältig geprüft werden muss, weil das Thema sowohl inhaltlich wie auch finanziell eine große Herausforderung darstellt.

Stefanie Beckröge, Sprecherin der Gesundheit Nord - Klinikverbund Bremen

Universität Bremen reagiert zurückhaltend

Wie die neuen Studienplätze in die Universitätsstruktur eingegliedert werden könnten – ob durch eine neue Fakultät oder in bestehende Studiengänge – darüber wollte Weiler keine Angaben machen. "Das muss die Universität entscheiden", sagte er. Die Universität Bremen teilte buten un binnen mit, dass der Rektor, Bernd Scholz-Reiter, sich bereits im Frühjahr für ein Vollstudium an der Universität Bremen ausgesprochen habe.

Dies setzt allerdings eine Finanzierung wie an anderen Universitätsstandorten in Deutschland voraus. Eine Planung einer medizinischen Fakultät und eines Medizinstudiengangs muss durch eine externe Expertenkommission vorbereitet und begleitet werden.

Meike Mossig, Vize-Leitung Hochschulkommunikation an der Universität Bremen

Das Modell der Stiftung sei dem Rektor bekannt. Dies decke aber nicht ein integriertes Studium der Medizin nach dem Masterplan Medizinstudium 2020 an der Universität Bremen ab, gibt die Sprecherin zu bedenken.

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Autorin

  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 28. November 2019, 19:30 Uhr