Fragen & Antworten

Schals und Mützen für die Bremer: So geht Lüften gegen das Coronavirus

Ob Schule oder Büro: In geschlossenen Räumen steigt das Infektionsrisiko. Lüften hilft – aber wie? Und was können CO2-Messer und Luftreinigungsgeräte? Die Antworten.

Ein Schulkind mit dicker Jacke und Mütze steht an einem geöffneten Fenster und sieht hinaus.
Wird frisch diesen Herbst. Nicht nur für Kinder in der Schule, auch in Büros. (Symbolbild) Bild: Radio Bremen | Martin von Minden

Seit mehreren Wochen gilt an Bremer Schulen wieder der Regelunterricht. Statt Mindestabstand schreibt das Hygeniekonzept unter anderem verstärktes Lüften im Klassenraum vor. So soll das Risiko einer Ansteckung reduziert werden. Auch in Büros empfehlen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, regelmäßig die Fenster zu öffnen. Doch wirksam ist das Lüften nur unter bestimmten Bedingungen.

Worauf kommt es beim Lüften an?
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind sich einig: Am effektivsten ist es, gegenüberliegende Fenster zu öffnen und so einen Durchzug zu erzeugen. Das sorgt für einen schnellen Austausch von Raumluft gegen frische Außenluft. Als wirksam gilt aber auch das Stoßlüften. Laut Umweltbundesamt sollten dabei mehrere Fenster gleichzeitig weit geöffnet sein. Die Fenster nur zu kippen, reicht dagegen nicht aus.
Hilft Lüften gegen das Coronavirus?
Aerosole gelten mittlerweile als einer der Hauptüberträger des Coronavirus. Damit sind kleinere Partikel gemeint, die beim Atmen oder Sprechen, verstärkt auch beim Schreien und Singen, in der Luft verteilt werden und dort auch längere Zeit bleiben. Je mehr Menschen zusammen in einem geschlossenen Raum sind, wie etwa im Klassenzimmer oder im Büro, desto höher ist die Konzentration an Aerosolen und damit die Ansteckungsgefahr. Lüften kann die Konzentration an Aerosolen reduzieren: "Luft von außen wird zu-, Innenluft abgeführt. So findet eine Verdünnung oder sogar eine Entfernung von Viren, die sich in der Raumluft befinden, statt", erklärt der Bremer Virologe Andreas Dotzauer Entscheidend ist allerdings dabei, wie gelüftet wird.
Video vom 9. September 2020
Zu sehen sind zwei Piktogramme, die geöffnete Fenster darstellen.
Bild: Radio Bremen
Wie oft muss gelüftet werden?
Um das Ansteckungsrisiko zu minimieren, ist es wichtig, häufig zu lüften, vor allem in dicht besetzten Räumen. Virologe Dotzauer empfiehlt, in Klassenräumen die Fenster alle 30 Minuten für jeweils 10 Minuten zu öffnen. Wie oft gelüftet werden sollte, hänge aber auch von der Größe des Klassenraumes und der Anzahl der Schülerinnen und Schüler ab.

Am besten wäre es allerdings, den Luftstrom ständig aufrechtzuerhalten, also für einen konstanten Durchzug im Klassenzimmer zu sorgen.

Andreas Dotzauer, Virologe

Das Umweltbundesamt rät, in jeder Unterrichtsstunde zu lüften - "bei längeren Unterrichtseinheiten von mehr als 45 Minuten Dauer auch während des Unterrichts." Das deckt sich mit dem Schutz- und Hygeniekonzept der Bremer Bildungsbehörde: Dort ist für die Schulen festgelegt, dass alle 45 Minuten eine 15-minütige Lüftungspause eingelegt werden muss. Laut Bildungsbehörde sind die Hygenievorgaben an den Schulen eng mit dem Gesundheitsressort abgestimmt. Zudem gebe es immer wieder Gespräche mit Experten. In Büros empfiehlt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) nach 60 Minuten zu lüften, in Besprechungsräumen nach 20 Minuten. Ingesamt weist das Umweltbundesamt daraufhin, dass nach jedem Husten und Niesen gelüftet werden sollte.

Wie hilfreich sind sogenannte CO2-Ampeln?
CO2-Ampeln messen den Gehalt von Kohlenstoffdioxid (CO2) in der Luft und geben an, wann gelüftet werden sollte. Denn wird in Räumen viel ausgeamtet, steigt der CO2-Spiegel und damit auch die Konzentration an Aerosolen. Inwieweit die CO2-Konzentration in der Luft auch Aufschluss über die Viruslast gibt, ist abschließend noch nicht geklärt. Einige Studien verweisen auf einen Zusammenhang zwischen CO2-Belastung und Virenlast. Laut Virologe Dotzauer sind die CO2-Ampeln eine indirekte Methode, um zu zeigen, dass wieder einmal gelüftet werden muss. "Es sagt aber nichts über die Viruskonzentration in der Luft aus." Das Bundesumweltamt allerdings empfiehlt die Messgeräte, vor allem für Schulen, da sie "einen raschen und einfachen Hinweis liefern, ob und wann Lüftung notwendig ist".
Kommen die CO2-Ampeln an Bremer Schulen zum Einsatz?
Laut Bildungsbehörde sind 250 CO2-Messgeräte bestellt. Dabei sei nicht vorgesehen, dass jede Klasse ein Gerät bekommt, so Behördensprecherin Annette Kemp. "Es reicht aus, ein paar Mal zu messen, um einen Mittelwert zu errechnen, denn die Raumgröße und die maximale Anzahl an Menschen im Raum ändert sich ja kaum." In der Behörde selbst habe man das bereits getestet - mit Erfolg, so Kemp.
Welche Rolle spielen Luftreinigungsanlagen?
Deutschlandweit wird bereits über den Einsatz von professionellen Luftreinigern in Schulen, Büros und der Gastronomie diskutiert. Forscher der Universität der Bundeswehr in München hatten erst kürzlich in einer Studie herausgefunden, dass mobile Raumluftreiniger die Aerosol-Konzentration in geschlossenen Räumen deutlich verringern können. Das Problem: Bislang sind solche Anlagen noch recht teuer. Das Gerät, das an der Universität in München getestet wurde, würde etwa 4.000 Euro kosten. Nordrhein-Westfalens Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hat sich deshalb bereits dagegen ausgesprochen, solche Anlagen für Schulen in NRW anzuschaffen.
Wie steht Bremen zu dem Thema?
Auch die Bremer Bildungsbehörde setzt aufs Lüften statt auf die Anschaffung von professionellen Anlagen: "Laut Experten-Meinung müssten das Luftfilter sein, die die Qualität von denen in OP Sälen besitzen. Über die vielen Angebote gibt es aber aus Sicht des Gesundheitsressorts keine zuverlässige Empfehlung von Experten", sagt Behördensprecherin Annette Kemp. Das Lüften sei sofort umsetzbar, helfe nachgewiesener Maßen und sei unstrittig.
Wie soll das Lüften im Herbst und Winter funktionieren, wenn die Temperaturen draußen sinken?
Bremer Schülerinnen und Schüler werden sich wohl darauf einstellen müssen, dann mit Winterjacke, Schal und Mütze im Unterricht zu sitzen. Selbstverständlich sei das schwierig, so Behördensprecherin Kemp. "Aber wenn Außengastronomie eine Lösung ist, schadet ein zweiter Pullover auch nichts." Ansonsten gelte ein sensibler Umgang mit den Gegebenheiten oder im Extremfall, nach ausführlicher Prüfung, auch eine Mischung aus Präsenz- und Distanzunterricht, wenn es aus räumlichen Bedingungen nicht anders gehe, so Kemp.

So organisiert Bremen den Corona-Regelbetrieb an Schulen

Video vom 25. August 2020
Ein Klassenzimmer im Gymnasium Hamburger Straße ohne Schüler.
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Catherine Wenk

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 11. September 2020, 19:30 Uhr