Dieser Bremer bekam auch einen Friedensnobelpreis

Der Friedensnobelpreis 2019 geht an den äthiopischen Ministerpräsidenten Abiy Ahmed. Bislang gab es vier deutsche Preisträger. Unter ihnen ist ein Bremer.

Ludwig Quidde
Ludwig Quidde ist der bislang einzige Bremer Nobelpreisträger. Bild: DPA

Ludwig Quidde erhielt den Friedensnobelpreis 1927. Der Bremer war Pazifist und Kriegsgegner. In der Laudatio hieß es: Quidde habe in der vordersten Linie dafür gekämpft, immer mehr Menschen für den Pazifismus zu gewinnen. Quidde galt als treibende Kraft der deutschen Friedensbewegung.

Quidde wurde am 23. März 1858 in Bremen geboren. Sein Vater war ein wohlhabender Kaufmann, sein Bruder Präsident der Bremischen Bürgerschaft und laut Historiker erklärter Kriegsbefürworter. Er besuchte das Alte Gymnasium, verließ dann Bremen, um in Göttingen und Straßburg Geschichte, Philosophie und Wirtschaftswissenschaften zu studieren.

Quidde eckte an. Ziel seiner Kritik war auch Kaiser Wilhelm II. Ihn nahm er mit der Herausgabe einer Schrift aufs Korn und musste dafür drei Monate hinter Gitter. Gleichzeitig bedeutet dies das Ende seiner wissenschaftlichen Laufbahn.

Zuflucht im Schweizer Exil

Er war politisch engagiert und wurde nach dem Ersten Weltkrieg für die Deutsche Demokratische Partei (DDP) in die Nationalversammlung der Weimarer Republik gewählt. Der Einsatz für den Frieden war eine Herzensangelenheit. Quidde war deutscher Vertreter des Internationalen Friedensbüros in Bern, legte dem Weltfriedenskonkgress 1913 einen Entwurf zum internationalen Rüstungsstillstand vor und wurde 1921 Vorsitzender des Deutschen Friedenskartells.

Nach der Machtübernahme durch die Nazis zog es Quidde ins Schweizer Exil. Er starb am 4. März 1941 in Genf.

Die weiteren deutschen Friedensnobelpreisträger

  • Willy Brandt (Friedensnobelpreis 1971): Der frühere Bundeskanzler bekam die Auszeichnung für seinen Einsatz für eine Entspannung im Ost-West-Konflikt.
  • Albert Schweitzer (1952, verliehen 1953): Der Theologe, Philosoph und Mediziner erhielt den Preis für sein Engagement in Afrika. Dort gründete er im kleinen Dorf Lambaréné in Gabun ein Krankenhaus.
  • Gustav Stresemann (Friedensnobelpreis 1926): Der Politiker bekam gemeinsam mit dem Franzosen Aristide Briand den Preis für das Vertragswerk von Locarno. Die Verträge beendeten die internationale Isolation Deutschlands und regelten die Anerkennung der deutschen Westgrenze und wechselseitige Grenzgarantien.

Der erste Friedensnobelpreis überhaupt ging an Henry Dunant, den Gründer des Roten Kreuzes, und Frédéric Passy, Gründer der französischen Friedensgesellschaft.

Vergessene Bremer: Ludwig Quidde

Dirk Böhling als Ludwig Quidde

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 11.Oktober 2019, 11 Uhr